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 Betreff des Beitrags: Technikfragen
BeitragVerfasst: 14. Dezember 2019, 22:57:21 PM 
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Dauernutzer

Registriert: 07. Oktober 2016, 21:15:02 PM
Beiträge: 92
Wohnort: Schulzendorf
Hallo zusammen,

bei der aktuell sehr geringen Sonnenaktivität sind ja eigentlich keine LTPs zu erwarten, dennoch habe ich den hoch stehenden Mond genutzt, um ein paar "Trockentests" zu machen. Ich nutze derzeit meinen ED 70/420 zur visuellen Beobachtung bei meist 105facher Vergrößerung. Der Kontrast ist bei Vollmond schon gewöhnungsbedürftig, dennoch kann ich die betreffenden Regionen inzwischen „abgrasen“, ohne groß suchen zu müssen. Ein paar helle Stellen auf dem Mond stechen immer wieder ins Auge (auch bei anderen Beleuchtungsverhältnissen) und lenken ab, aber das ist eine Sache der Übung. Mit einem Gelbfilter kann ich Effekte durch den Restfarbfehler im Zweifelsfall ausschließen, was allerdings dann die Farbwahrnehmung insgesamt stört und Schrauberei erfordert.
Für weitergehende Untersuchungen am Fernrohr (Spektroskopie etc.) fehlen mir der eigene Antrieb, Know-how und auch die Technik, daher beschränke ich mich weitgehend auf das visuelle Beobachten. Dazu will ich im Ernstfall mit meiner DSLR quick & dirty ein paar Übersichtsaufnahmen machen (Einstellung 1/125s und 1/250 s bei 400 ISO ist erprobt).

Da ich selbst noch nie ein LTP gesehen habe, stellt sich für mich die Frage, ob ich mit meinem Equipment etwas Sinnvolles beitragen kann. Einerseits gibt es die (zuverlässigen) Berichte von Amateuren, die mit kleinen Teleskopen (60-80 mm Öffnung) oder gar Ferngläsern LTPs gesehen haben, andererseits verwundert es mich schon ein bisschen, dass man offenbar gar keine Zufallssichtungen aus dem digitalen Zeitalter findet. Gibt es nur die sehr deutlichen Erscheinungen (die vielleicht mit der abnehmenden Sonnenaktivität seit den 50/60er Jahren sogar seltener geworden sind?) oder existieren auch ganz unscheinbare, die nur bei hohen Vergrößerungen mit entsprechend großer Öffnung zu sehen sind?

Was nutzt (bzw. plant) Ihr an Equipment für das Projekt? Was ist Eurer Meinung nach am besten geeignet: Spiegel, Achromat/FH oder ED/APO? Wie kommt Ihr ggf. mit dem Farbfehler zurecht?

Viele Grüße
Martin


Dateianhänge:
Dateikommentar: "Trockentest" vom 12.12.2019, 20:04 Uhr UT, Refr. 70/420 mit 2x Barlow, 1/250 s bei 400 ISO
20191212_2004 Mond1.JPG
20191212_2004 Mond1.JPG [ 2.56 MiB | 1046 mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags: Re: Technikfragen
BeitragVerfasst: 15. Dezember 2019, 18:25:15 PM 
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Registriert: 03. Oktober 2016, 16:08:01 PM
Beiträge: 376
Wohnort: Laufenburg (Baden)
Hallo Martin,
Deine Ausrüstung ist völlig ausreichend. Viel wichtiger ist Dein "Trockentest", denn es kommt auf die beobachterische Erfahrung an. Wenn Du weißt, wie Farbfehler aussehen, wie sich die Objekte normalerweise präsentieren - das ist Gold wert. Darauf kommt es eigentlich an.

Ich habe mein LTP in den frühen 90er Jahren mit einem 60/910 mm-Kaufhausfernrohr gesehen. Viele LTP wurden mit solchen Instrumenten gefunden, denn Teleskope waren früher einfach teuer. Nach vielen Gesprächen und Berichten, die ich über die Jahre hatte, sehen LTP ganz anders aus als Farbfehler im Teleskop. Die Farben sind kräftiger. Sie bleiben stehen, wenn man das Gesichtsfeld des Teleskops bewegt oder das Okular dreht. Sie wirken "anders" als was der Mond normalerweise zeigt.

Trotzdem wichtig: Mit der Checkliste aus dem LTP-Manual prüfen, ein kritischer Beobachter sein. Da muss man sich etwas zusammenreißen, denn ein LTP ist ungewöhnlich, macht aufgeregte Gefühle und lenkt ab.

Ich selbst benutze zwei preiswerte Achromaten von Bresser: Einen Vierzöller und einen Fünfzöller. Mein Geld steckt in der Montierung, meine Arbeit in der betonierten Säule. Wenn's unten wackelt, nützt auch das beste Teleskop nichts. Ich bin ja Sonnenmensch. Da ist alles größer vier bis fünf Zoll Objektivdurchmesser kontraproduktiv (ausser an ganz erstklassigen Standorten), weil es zuviel Seeing sieht. Das gilt auch für den Mond, wenn man sich die Nacht nicht aussuchen kann. Und das kann man eben nicht bei LTP.

Filterbeobachtungen am Mond für LTP finde ich "gefährlich". Filter erzeugen eigene Artefakte. Ich kenne auch die (nicht besonders auffälligen) Farbfehler, die meine Röhre macht. Ich sehe auf dem Mars Farbunterschiede, das ist schon ein guter Test. Außerdem können unsere Augen "speckeln" und minimale Veränderungen sehen, wenn im Gehirn genügend Vergleich abgespeichert ist. Wenn ich mit vielen Farbfiltern ständig ein anderes Bild anbiete, dauert die Grundeinstellung im Gehirn sehr viel länger oder wird sogar verwirrt. Übung ist, immer dasselbe tun, bis es auch im Schlaf sitzt.

Das einzige Filter für den Mond ist für mich das Polarisationsfilter. Das, um es mit dem Okular zu drehen, wegen der Polarisation des Mondlichts (also vermutlich fliegender Staub).

Du fragst: Warum heute keine Zufallsbeobachtungen?

1. Weil sie wirklich selten sind. Früher haben viele Amateure den Mond beobachtet, weil der für kleine Teleskope viel zu bieten hat. Der Mond stand an der vorderen Front der Wahrnehmung, wegen der Raumfahrt. Da ist sehr viel Zeit hineingeflossen. Durch "Apollo-Schock" und Interessewechsel der Wissenschaft ist der Mond dann aus der Wahrnehmung verschwunden. Es wurde Propaganda ausgestreut, der Mond sei erforscht, unveränderlich, langweilig. Das natürlich, um den politisch gewollten Abbruch der Mondflüge zu rechtfertigen. Leider sind da auch Amateure reingefallen. Heute ist eine neue Generation von Wissenschaftlern am Start, wir brauchen unbedingt Rohstoffe vom Mond und neue Weltraummächte sind auch deshalb im Rennen. Weil es die kommerziellen Interessen gibt, darf wieder über den Mond nachgedacht werden. Es gibt atemberaubende Ergebnisse, die den Mond wieder richtig spannend machen.

2. Wer den Mond beobachtet, schaut sich den Terminator an. Keine Chance auf LTP, wenn die Objekte nicht auch jenseits des Terminators beobachtet werden.

3. Der Astrofoto-Wahn. Fotografie ist anscheinend die wichtigste Methode geworden, sich dem Sternhimmel zu nähern. Im LTP-Projekt rechtfertigen sich Beobachter, weil sie "nur" visuell beobachten und mit Fotos nichts am Hut haben. Nur ist die Frage, wie jemand mit der üblichen Schwarz-Weiß-Fotografie auf den Mond überhaupt ein LTP sehen will. Das hat Farben, oder es manifestiert sich in Veränderungen (Wolken, Aufhellungen). Visuelle Beobachtung mit etwas Zeit ist deshalb zwingend, um ein LTP zu entdecken und es auch zu dokumentieren. Das Beweisfoto kann man nebenbei machen. Wer den Mond einfach nur abfotografiert und das einzige Kriterium hohe Auslösung ist, fotografiert nicht den Mond, sondern seine Leistung als Fotograf bei Ausnahmeseeing. Nutzlos also für die Suche nach LTP.

4. Es fehlt an Wissen. Es stecken viele ungeheuer Geld in ihre Ausrüstung, wissen aber nicht, was es da oben spannendes zu sehen gibt. In den 70er Jahren wusste jeder Amateur, was "LTP" bedeutet. Heute muss man den Begriff erklären, weil das keiner kennt und deshalb auch nicht sieht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Technikfragen
BeitragVerfasst: 17. Dezember 2019, 07:34:29 AM 
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I remember looking for LTP's back in the 1960's with a 6" reflector as part of the BAA "Moon Blink" program.
The standard method was to flick red/ blue filters across the eyepiece....as developed by Peter Sartory.
Is this method still used?
(See Guide for observers of the moon, BAA, 1972, p23)

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 Betreff des Beitrags: Re: Technikfragen
BeitragVerfasst: 18. Dezember 2019, 07:10:18 AM 
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Beiträge: 938
Wohnort: Leipzig
> flick red/ blue filters across the eyepiece

Gute Idee. Wenn man kein Filterrad o.ä. hat könnten wir uns vielleicht zwei identische Okulare besorgen, die mit unterschiedlichen Filtern ausgerüstet werden. Ein Okulartausch geht ja schnell, aber Fokus, Bildfeld und Vergrößerung sollten erhalten bleiben.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Ninja Dobson 320/1440


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 Betreff des Beitrags: Re: Technikfragen
BeitragVerfasst: 18. Dezember 2019, 07:26:47 AM 
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Beiträge: 244
Wohnort: St Leonards, Vic, Australia
Uwe,
Sartory's original "Moon blink" had two filters -red/ blue mounted in a cardboard holder which was held between the eyepiece and the eye.
Flicked back and forth to show any differences.
http://adsabs.harvard.edu/full/1968JBAA...78..138M

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