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BeitragVerfasst: 25. Mai 2011, 23:56:04 PM 
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Hallo zusammen,

nachdem nun für mich beobachtungsortbedingt die Saison für eps Aur vorbei ist, fange ich wieder an, meinen Lhires für Radialgeschwindigkeitsmessungen (RV) zu verwenden.
Nun habe ich das 1800 l/mm Gitter eingebaut und mit dem 22 um breiten Spalt den RV-Standardstern eps Leo (HD084441, G0III, ca. 3 mag) gemessen. Die Kalibrierlichteinspeisung = ThAr erfolgt mit einer Faser, wie ich es an anderer Stelle bereits vorgestellt habe.

Im Moment geht es mir darum, damit Erfahrungen zu sammeln und die erzielbaren RV-Messgenauigkeiten auszutesten.

Die erzielbare Genauigkeit der Kalibrierfunktion dritten Grades ist hoch, weil zwischen 10 und 30 ThAr-Linien zu ihrer Bestimmung verwendet werden. Die RMS der Residuen der Kalibrierlinien liegt bei rund 0.005A. Trotzdem kann aber die Wellenlängenskala um einen konstanten Wert verschoben sein, wenn das Kalibrierlicht nicht genau den gleichen Weg wie das Sternlicht durch den Spektrographen nimmt.

Ich habe vorgestern eps Leo bei 2 Wellenlängenbereichen gemessen. Einmal nahe der H alpha Linie und einmal bei etwa 500 nm. Die Vermessung der H alpha-Linie ergab nach helioz. Korrektur eine RV von +4.54 km/s. Der RV Literaturwert liegt bei +4.3 km/s. Die sehr gute Übereinstimmung dürfte ein Zufall sein. Die Vermessung der H beta Linie ergab dagegen eine RV von +11.3 km/s. Ich erwarte typische Fehler von +- 3 bis +-5 km/s (Arbeitshypothese).

Ein Problem zeigt sich bei der Vermessung der Spektren von G-Sternen: Sie haben sehr viele scharfe Linien, so dass bei nicht ausreichend hoher Auflösung viele Blends entstehen.

Dazu habe ich einen kleinen Ausschnitt aus dem Spektrum um die H beta-Linie ( R = 7350, FWHM ca. 0.8A, rote Kurve, nicht heliozentrisch korrigiert) mit einem höher aufgelösten Literaturspektrum verglichen (ex Elodie, FWHM 0.2 A, schwarzes Spektrum). Das Ergebnis seht ihr in den Anlage. Die lineare Verschiebung auf der Skala ist zu 3/4 durch den heliozentrischen Unterschied bedingt.

Was ich hier zeigen will ist, dass die Auflösung mit dem 1800er Gitter zu knapp bemessen ist für diesen Stern. Es gibt kaum Linien, die kein Blend sind. Ich werde deshalb die Messung wiederholen mit dem 2400er Gitter.

-> für die Erfahrungskiste: RV-Messungen an G-Sternen (und natürlich auch an K und M) mit möglichst hoher Auflösung durchführen (Otmar, du hattest -wie immer- mal wieder recht ). :D


Dateianhänge:
Dateikommentar: gesamtes selbst gemessenes Spektrum
epsLeo_20110517_4485-515nm_nor.gif
epsLeo_20110517_4485-515nm_nor.gif [ 66.39 KiB | 16522 mal betrachtet ]
Dateikommentar: rot = selbst gemessenes Spektrum (Auflösung 0.8 A),
schwarz = Literaturspektrum aus Elodie (Auflösung = 0.2 A)

vergleichElodie.gif
vergleichElodie.gif [ 57.45 KiB | 16522 mal betrachtet ]

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Lothar

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BeitragVerfasst: 26. Mai 2011, 10:55:37 AM 
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Hallo Lothar,

On 05/25/2011 11:56 PM, Lothar Schanne wrote:
Zitat:
Was ich hier zeigen will ist, dass die Auflösung mit dem 1800er
Gitter zu knapp bemessen ist für diesen Stern. Es gibt kaum Linien,
die kein Blend sind. Ich werde deshalb die Messung wiederholen mit
dem 2400er Gitter.
Wenn Du zur RV-Messung eine Kreuzkorrelation machst, sind die Blends
nicht so schlimm. Damit kannst Du auch Blends benutzen, soweit das
Template passt. Das solltest Du mal versuchen.

Herzliche Grüße,
Otmar


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BeitragVerfasst: 26. Mai 2011, 18:00:11 PM 
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Beitrag N° 2 dazu:

Wie immer im Leben gibt es Alternativen.

Gestern habe ich das in Elodie gefundene professionelle Spektrum von eps Leo mit meinem gemessenen mit Hilfe von Midas als Ganzes korreliert (also nicht einzelne Linien vermessen sondern das ganze Spektrum systematisch verschoben, bis maximale Überlappung zwischen Messung und "Template" statfindet, erkennbar an maximalem Korrelationskoeffizienten) und so den gleichen Skalen-Unterschied von 0,26 Angström gefunden wie bei der Vermessung der Absorptionsminima isolierter Linien.

Das scheint mir die geschicktere Methode zu sein (und wird wohl auch im professionellen Bereich ähnlich verwendet), die RV eines Sterns zu messen: Korrelation ganzer Spektrumbereiche mit gemessenen "Eichspektren" oder theoretischen Spektren (die automatisch in der Ruhewellenlängenskala vorliegen). Dann ist der Zwang zu hoher Auflösung geringer und weniger helle Objekte können noch gemessen werden. Allerdings muss das S/N gut sein (was ja mit höherer Spaltbreite und geringerer Dispersion auch leichter erreichbar ist).

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Lothar

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BeitragVerfasst: 27. Mai 2011, 22:16:16 PM 
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Beitrag N° 3

Wie unterscheiden sich das Literaturspektrum aus ELODIE und das von mir gemessene, nachdem sie baryzentrisch korrigiert sind (also auf gleiche Geschwindigkeitsbasis) ?

Dazu habe ich die Spektren baryzentrisch korrigiert (dazu braucht man Aufnahmezeitpunkt und Ort der Messungen. Die Koordinaten der ELODIE-Spektren sind in den Headern der fit-Dateien zu finden).

Das Ergebnis wurde im angehängten Plot übereinandergeplottet. Die beiden Spektren unterscheiden sich nur um 0.0 bis 0.12 Angström (theoretisch null, also liegen die Kalibrierfehler bei meinem Spektrum in der erwarteten Größenordnung, 0.05A Dopplerverschiebung bedeuten ca. 3 km/s), gemessen an non blended Linien.

Bei der direkten Korrelation beider baryz. korrigierter Spektren ergibt sich eine Differenz von 0.07 Angström = 4.2 km/s.

Gegenüber der Ruhewellenlänge sollten sie beide um die Radialgeschwindigkeit des Sterns verschoben sein.


Dateianhänge:
Dateikommentar: Vergleich der baryzentrisch korrigierten Spektren: gemessen und aus ELODIE
vergleichElo_helcorr.gif
vergleichElo_helcorr.gif [ 61.95 KiB | 16470 mal betrachtet ]

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Lothar

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BeitragVerfasst: 28. Mai 2011, 00:53:08 AM 
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Hallo Lothar,

da die 2 Spektren mit recht verschiedener Auflösung aufgenommen wurden, wäre es vielleicht noch interessant, das Elodiespektrum mit einer Gaussfunktionso zu falten (glätten), dass die resultierende Auflösung etwa mit Deinem Spektrum übereinstimmt. Dadurch würden verbleibende Unterschiede der beiden Spektren vielleicht besser sichtbar. Interessant wäre noch, ob sich dies auf eine anschliessende Korrelation auswirkt (eher nein).

Gruss, Martin


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BeitragVerfasst: 28. Mai 2011, 18:56:34 PM 
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Zitat:
da die 2 Spektren mit recht verschiedener Auflösung aufgenommen wurden, wäre es vielleicht noch interessant, das Elodiespektrum mit einer Gaussfunktionso zu falten (glätten), dass die resultierende Auflösung etwa mit Deinem Spektrum übereinstimmt.
Hallo Martin,
dass habe ich auch schon gemacht. Als erstes, weil ich dachte, dass die Auflösung der beiden Spektren identisch sein sollte. Das wirkt sich aber nicht aus. Otmar meinte auch, dass ein Rebinning des Templatespektrums auf eine gröbere Auflösung nicht förderlich sei.

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Lothar

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BeitragVerfasst: 28. Mai 2011, 23:04:38 PM 
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Hallo zusammen,

jetzt kommt eine ziemlich grundsätzliche Fragestellung:

Im Internet stehen in verschiedenen links theoretisch berechnete Sternspektren zur Verfügung, die ich als "template", also Vergleichsspektrum für Korrelationen und damit als Radialgeschwindigkeits"nullpunkt" benutzen könnte....wenn..ja wenn die nicht in Vakuumwellenlängen angegeben wären. Ich messe aber in realer Luft. OK, der (wellenlängenabhängige) Brechungsindex von Luft ist über verschiedene Gleichungen (Beispiel z.B. hier: http://refractiveindex.info/?group=GASES&material=Air ) berechenbar und damit auch der Unterschied zwischen der bei der Messung anzuwendenen Wellenlängenskala und der Vakuumwellenlängenskala. Nur ist Luft nicht immer gleich Luft, ihr Brechungsindex kann sich je nach Wetter- und Standortbedingungen (Luftdruck, Feuchte, Temperaturen) ändern, so dass ich mir mit solchen Berechnungen schwierig kalkulierbare und kaum kontrollierbare Fehler in meine RV-Bestimmungen einfange.

Angeregt durch eine Diskussion mit Günter in Drebach stellt sich mir die Frage, ob man diese Problematik nicht umgehen kann, wenn man die gemessenen Spektren gleich auf Vakuumbedingungen kalibriert, in dem man für die Kalibrierlinien des Kalibrierspektrums ihre Ruhewellenlängen im Vakuum ansetzt anstatt ihre Wellenlängen in Standardluft.

Was meint ihr dazu?

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Lothar

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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 00:51:32 AM 
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Hallo Lothar,

Du misst zwar die Wellenlänge bei variablem Luftdruck und Temperatur, kalibrierst Deine Spektren aber durch Vergleich mit einer Referenzlampe auf Wellenlängen in Standardluft, falls Du die Wellenlängen der Kalibrierlampe z.B. aus dem NIST holst (zumindest im visuellen Spektralbereich, resp oberhalb 2000 A). Kalibrierst Du mit Wasserlinien, ist es genauso, deren Wellenlängen im Katalog beziehen sich auf Standardluft. Wäre ja mühsam, müsste man die beobachteten Wellenlängen immer von Vakuumwellenlängen her umrechnen. Es scheint mir also sinnvoll, die Spektren der Modellsterne ebenfalls in Standardluftwellenlängen anzugeben bzw. umzurechnen. Zumindest in Vspec scheint das der Fall zu sein. Die Vakuumwellenlängen brauchst Du in diesem Fall überhaupt nicht, ausser Du möchtest die Wellenlängen aus den Energieniveaus selber berechnen. In diesem Fall hilft Dir vielleicht die Umrechnungsformel von Vakuum- in Luftwellenlängen:
AIR = VAC / (1.0 + 2.735182E-4 + 131.4182 / VAC^2 + 2.76249E8 / VAC^4)
(aus http://www.sdss.org/dr7/products/spectr ... ength.html
Da in der Literatur meistens die Wellenlängen in Standardluft verwendet werden, scheint es mir sinnvoll, diese ebenfalls zu verwenden, auch wenn es natürlich korrekter wäre, alles in Vakuumwellenlängen anzugeben, was für den überwiegenden Teil des Lichtwegs vom Stern zum Detektor relevant ist und auch für Beobachter auf dem Mars nachvollziehbar wäre, die ja dieses Sauerstoff- Stickstoffgemisch genannt Standardluft nicht zur Hand haben.

Gruss, Martin


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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 10:20:23 AM 
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Hallo Martin,

zur Zeit versuche ich ja die Genauigkeit meiner Radialgeschwindigkeitsmessungen mit dem Lhires zu ermitteln. Den mittleren Fehler erwarte ich um die 3 bis 5 km/s. In der Wellenlängenskala entspricht das etwa +-0.05 bis 0.08 A.

Nun ist mir aber aufgefallen, dass die Wellenlängen der Kalibrierlinien sich schon in der Größenordnung einiger hundertstel Angström unterscheiden, je nach dem aus welcher Tabelle oder Datei ich sie entnehme (NIST oder VSpec, oder bei den Wasserlinien die VSpec- oder die ESO-Tabelle). Bei Spektrendateien, die ich aus der Literatur entnehmen kann (z.B. ELODIE) weiß ich nicht mal, welche Kalibrierlinientabellen verwendet wurden. Und mit Modellen berechnete Spektren beziehen sich meist auf Vakuumwellenlängen, die ich dann erst in die Standardluftskala umrechnen müsste oder besser die Skala, die der von mir verwendeten Kalibrierlinientabelle entspricht.

Sobald ich in der Zone der Hundertstel Angström agiere laufe ich in dieses Problem der Vergleichbarkeit von Spektren (selbst gemessene, Vergleichsspektren aus der Literatur oder Datenbanken, Spektren aus Modellrechnungen). Die ansonsten vorzügliche Korrelationsmethode basiert eben auf dem Vergleich des gemessenen Spektrums mit einem verlässlichen und möglichst genauen Standardspektrum.

:P Probleme kann man sich machen... :roll:

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Herzliche Grüße / best regards

Lothar

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Zuletzt geändert von Lothar Schanne am 29. Mai 2011, 23:40:15 PM, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 10:53:22 AM 
Hallo Lothar,
ich habe endlich mal meinen Lhires mit 2400 linien /mm Gitter an das Telescope angebaut und Spektren der Sonne (Himmle)aufgenommen und das Ganze auf Wellenlänge geeicht.
Meine Auflösung ist etwa 5000 , wahrscheinlich ist der Spalt zu gross.
Welche Spaltbreite verwendes Du ?
Gruß Wolfgang


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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 12:35:40 PM 
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Hallo Zusammen,

ich habe da mal eine sau dumme Frage:

nach Landholt-Börnstein ist lambda(Luft) = 1/n * lambda(vac.). Dabei ist n der Brechungsindex
des Mediums, in dem sich die Welle ausbreitet. Jetzt hat mich Günter auf was gebracht:
Ich werfe nun einen gelben Legostein in eine volle Badewanne.
Der Brechnungsindex von Wasser beträgt im Gelben ca. 1,33. Danach hätte die Farbe des Legosteins die Wellenlänge
von Lambda = 1/1,33 * 580 nm = 443 nm (also blau). Er erscheint mir aber weiter hin gelb.
Jetzt tauche ich meinen Kopf ins Wasser, öffne die Augen und sehe immer noch einen gelben Legostein.
Äh, wie kann das sein?

Eine mögliche Erklärung ist, dass das Verhältnis
lambda/Lichgeschw. = const. = Frequenz bleibt.

Was sieht das Auge oder das CCD eigentlich: Wellenlänge oder Frequenz?

Viele Grüße

Dieter


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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 12:51:18 PM 
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Zitat:
Jetzt tauche ich meinen Kopf ins Wasser, öffne die Augen und sehe immer noch einen gelben Legostein. Äh, wie kann das sein?
Hallo Dieter,

wenn Deine Badewanne mehre Meter tief wäre, würde das Gelb verschwinden. Mit zunehmender Tiefe bleibt irgendwann nur noch Blau übrig. (Zumindest in dem Bereich, in dem man sich als Taucher mit Pressluft noch aufhalten kann)

Siehe http://www.toebert.de/fotografie/farbenUW.htm

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Gruss Jürgen


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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 13:05:49 PM 
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Hallo Martin,

das ist doch ein Effekt der Absorption als Funktion der Wellenlänge und
nicht des Brechungsindex, oder ?

Viele Grüße
Dieter


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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 16:26:40 PM 
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Am Sonntag, den 29.05.2011, 12:35 +0200 schrieb Dieter Goretzki:
Zitat:
Hallo Zusammen,

ich habe da mal eine sau dumme Frage:

nach Landholt-Börnstein ist lambda(Luft) = 1/n * lambda(vac.). Dabei
ist n der Brechungsindex
des Mediums, in dem sich die Welle ausbreitet. Jetzt hat mich Günter
auf was gebracht:
Ich werfe nun einen gelben Legostein in eine volle Badewanne.
Der Brechnungsindex von Wasser beträgt im Gelben ca. 1,33. Danach
hätte die Farbe des Legosteins die Wellenlänge
von Lambda = 1/1,33 * 580 nm = 443 nm (also blau). Er erscheint mir
aber weiter hin gelb.
Jetzt tauche ich meinen Kopf ins Wasser, öffne die Augen und sehe
immer noch einen gelben Legostein.
Äh, wie kann das sein?

Eine mögliche Erklärung ist, dass das Verhältnis
lambda/Lichgeschw. = const. = Frequenz bleibt.
Ja, Dieter,

die Frequenz wird sich wohl nicht ändern. Du siehst den Legostein immer
gelb, weil die Flüssigkeit in deinem Auge ja immer die gleiche ist.

Wir führen in der Schule den Doppelspaltversuch gerne in einem
Wasserbecken vor. Da sieht man schön, dass sich die Wellenlänge des
Laserstrahls geändert hat - rot ist das Licht dann immer noch.

Und das Problem haben wir auch im Spektrographen. Weil das Gitter in
Luft mit verschiedener Temperatur, Feuchtigkeit und verschiedenem Druck
betrieben wird, ändert sich auch die Interferenzfigur. Aber da sich die
Wellenlängen der Vergleichslampe mit ändern macht das wohl nichts.

Warum aber verschiedene Observatorien nicht die gleichen Wellenlänge für
die gleichen Spektrallinien haben, das wundert mich schon. Mit welchem
Standard haben die denn ihre Lampen ausgemessen?


Viele Grüße

günter

_________________
Im längsten Frieden spricht der Mensch nicht so viel Unsinn und Unwahrheit als im kürzesten Kriege. (Jean Paul)


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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 19:47:05 PM 
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Zitat:
Hallo Zusammen,

[..]

Eine mögliche Erklärung ist, dass das Verhältnis
lambda/Lichgeschw. = const. = Frequenz bleibt.

Was sieht das Auge oder das CCD eigentlich: Wellenlänge oder Frequenz?

Viele Grüße

Dieter
Ja, Dieter,

die Frequenz wird sich wohl nicht ändern. Du siehst den Legostein immer
gelb, weil die Flüssigkeit in deinem Auge ja immer die gleiche ist.

Wir führen in der Schule den Doppelspaltversuch gerne in einem
Wasserbecken vor. Da sieht man schön, dass sich die Wellenlänge des
Laserstrahls geändert hat - rot ist das Licht dann immer noch.

Und das Problem haben wir auch im Spektrographen. Weil das Gitter in
Luft mit verschiedener Temperatur, Feuchtigkeit und verschiedenem Druck
betrieben wird, ändert sich auch die Interferenzfigur. Aber da sich die
Wellenlängen der Vergleichslampe mit ändern macht das wohl nichts.

Warum aber verschiedene Observatorien nicht die gleichen Wellenlänge für
die gleichen Spektrallinien haben, das wundert mich schon. Mit welchem
Standard haben die denn ihre Lampen ausgemessen?

Gruß

günter

NB: Diese Antwort habe ich 16Uhr26 schon mal per Mail geschickt. Das funktioniert wohl nicht so richtig.

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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 21:22:34 PM 
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Hallo Günter,
Zitat:
Wir führen in der Schule den Doppelspaltversuch gerne in einem
Wasserbecken vor. Da sieht man schön, dass sich die Wellenlänge des
Laserstrahls geändert hat - rot ist das Licht dann immer noch.
Das Experiment hätte ich gerne mal live erlebt.
Dafür würde ich auch ein Gitter "opfern".
Erst Laser auf Gitter in Luft und dann das Ganze unter Wasser.
Vielleicht haben ja noch andere daran Interesse.
Viele Grüße

Dieter


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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 23:00:17 PM 
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Zitat:
ich habe endlich mal meinen Lhires mit 2400 linien /mm Gitter an das Telescope angebaut und Spektren der Sonne (Himmle)aufgenommen und das Ganze auf Wellenlänge geeicht.
Meine Auflösung ist etwa 5000 , wahrscheinlich ist der Spalt zu gross.
Welche Spaltbreite verwendes Du ?
Hallo Wolfgang,

ich verwende für hohe Auflösung (FWHM 0.3 A/Pix) einen 22 um Spalt. Dabei verliere ich an meinem C14 aber sehr viel Licht am Spalt, weil das Sternscheibchen > 60 um ist.

Wenn es mir nicht so auf Auflösung ankommt einen 35 um Spalt und dann ein 1800 g/mm Gitter (das ist geblazed im Gegensatz zu dem holografischen 2400 er und bringt deshalb mehr Licht in die beobachtete erste Ordnung).

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Herzliche Grüße / best regards

Lothar

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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 23:07:04 PM 
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Zitat:
Was sieht das Auge oder das CCD eigentlich: Wellenlänge oder Frequenz?
Hallo Dieter,

Energie (h* nü), also Frequenz.

Und die Frequenz (Energie) eines Photons ist bezüglich einem Inertialsystem konstant, solange es nicht absorbiert oder sonstwie energetisch beeinflusst wird. In einem durchsichtigen Medium ist also die Frequenz konstant, aber die Wellenlänge kann sich an einer Grenzfläche ändern, je nach Brechungsindex der beteiligten Medien (eigentlich ändert sich in den Medien die Lichtgeschwindigkeit). Wellenlängenänderungen (und mit der Änderung der Lichtgeschwindigkeit auch Beugungseffekte) ergeben sich auch in einem Medium, dessen Brechungsindex auf dem Lichtweg sich ändert: Beispiel Atmosphäre (Weg des Sternlichts durch die Luft zur Erdoberfläche).

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BeitragVerfasst: 29. Mai 2011, 23:22:46 PM 
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Hallo

Ich seh die Sache so:

Ein Photon hat ja eine spezifische Energie

E=h*f

Beim Eintritt in ein anderes Medium, etwa von Luft in Wasser, muss die
Energie des Photons ja wohl gleich bleiben (ansonsten würde die Energie
des Photons beim Übergang Wasser -->Luft ja sogar ansteigen).

Daher ändert sich im Medium die Wellenlänge, das ist aber für die Farbe
unerheblich. Das Farbsehen im Auge geschieht ja bei der Reizung der
Zäpfchen/Stäbchen und da ist das Medium (Augeninneres) ja wohl immer gleich.
Genauso verhält es sich im Innern der CCD-Kamera, egal ob sie sich an
der Luft befindet oder im Wasser liegt.


Ciao

Peter

Am 29.05.2011 12:35, schrieb Dieter Goretzki:
Zitat:
Hallo Zusammen,

ich habe da mal eine sau dumme Frage:

nach Landholt-Börnstein ist lambda(Luft) = 1/n * lambda(vac.). Dabei ist
n der Brechungsindex
des Mediums, in dem sich die Welle ausbreitet. Jetzt hat mich Günter auf
was gebracht:
Ich werfe nun einen gelben Legostein in eine volle Badewanne.
Der Brechnungsindex von Wasser beträgt im Gelben ca. 1,33. Danach hätte
die Farbe des Legosteins die Wellenlänge
von Lambda = 1/1,33 * 580 nm = 443 nm (also blau). Er erscheint mir aber
weiter hin gelb.
Jetzt tauche ich meinen Kopf ins Wasser, öffne die Augen und sehe immer
noch einen gelben Legostein.
Äh, wie kann das sein?

Eine mögliche Erklärung ist, dass das Verhältnis
lambda/Lichgeschw. = const. = Frequenz bleibt.

Was sieht das Auge oder das CCD eigentlich: Wellenlänge oder Frequenz?

Viele Grüße

Dieter




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BeitragVerfasst: 30. Mai 2011, 06:39:12 AM 
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Hallo

Man kann es mit einer kurzen Rechnung zeigen, dass die Frequenz konstant bleibt. Das Medium habe n als Brechungsindex, dann ist die Wellenlänge:

Lambda_n = Lambda*v/c

mit v/c = 1/n

Lambda_n = Lambda/n

Gleiches jetzt für die Frequenz, die f_n sei:

v = Lambda*f

also:

f_n = v/lambda_n

einsetzen:

f_n = c/n*1/(lambda*n) = c/Lambda = f

f_n = f

Da man zur Erklärung des Photoeffektes auf die Teilchen gehen muss, E = h*f, würde ich sagen, dass eine CCD in erster Linie Frequenzen "sieht".

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BeitragVerfasst: 30. Mai 2011, 08:07:43 AM 
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Zitat:
Hallo Günter,

Das Experiment hätte ich gerne mal live erlebt.
Dafür würde ich auch ein Gitter "opfern".
Erst Laser auf Gitter in Luft und dann das Ganze unter Wasser.
Vielleicht haben ja noch andere daran Interesse.
Viele Grüße

Dieter
Den Versuch können wir gerne in LSB durchführen.

günter

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BeitragVerfasst: 30. Mai 2011, 08:09:45 AM 
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Hallo

Du musst das Gitter nicht opfern. Entweder destiliertes Wasser verwenden, oder danach in einen Ultraschallreiniger geben, das entfernt den Kalk.

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Hallo Günter,

gut, dann machen wir das Experiment im Herbst in Langenselbold.

Viele Grüße

Dieter


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BeitragVerfasst: 31. Mai 2011, 12:39:11 PM 
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Nun ist mir klar, wo der Begriff "immersed grating" (untergetauchtes Gitter) herkommt ;-)

Sander


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BeitragVerfasst: 31. Mai 2011, 14:33:36 PM 
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Zitat:
gut, dann machen wir das Experiment im Herbst in Langenselbold.
Jungs, bringt die Badehosen mit. :P :shock:

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Herzliche Grüße / best regards

Lothar

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BeitragVerfasst: 03. Juni 2011, 00:13:53 AM 
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Nun mal wieder was zum Thema des threads:

Aus der Datenbank von MARCS ( http://marcs.astro.uu.se/index.php ) habe ich mir ein theoretisch berechnetes Spektrum gezogen, das einem Stern mit den Eigenschaften von eps Leo einigermaßen entspricht. Es ist allerdings in Vakuumwellenlängen angegeben.

Diese habe ich nach der Formel
AIR = VAC / (1.0 + 2.735182E-4 + 131.4182 / VAC^2 + 2.76249E8 / VAC^4)
( http://www.sdss.org/dr7/products/spectr ... ength.html )
in MIDAS umgerechnet auf Wellenlängen, die man in Standardluft messen würde.

Ein Vergleich eines kleinen Spektrumsausschnitts des baryzentrisch korrigierten gemessenen und des berechneten Modellspektrums seht ihr im Anhang. Viele Linien passen gut, andere weniger. Auch sind im theoretischen welche, die im gemessenen nicht enthalten sind (Metallizitätsunterschiede?)

Beide Spektren habe ich mittels Midas korreliert und finde eine Differenz von + 0.19 Angström = +11.4 km/s. Das wäre dann die Radialgeschwindigkeit des eps Leo (Literatur: +4.35 km/s).
Mein Messfehler wäre dann +7 km/s, was nicht weit entfernt ist zur ermittelten Differenz (4.2 km/s) zu dem Elodiespektrum, die ich bereits vorgestellt habe. Scheinbar habe ich mit meiner ThAr-Kalibrierlichteinspeisung ca. +5km/s (+0.08 A) zu langwellig kalibriert, was im Rahmen des erwarteten Fehlers liegt.

Das Auswerteverfahren muss ich jetzt auf Wiederholbarkeit prüfen und an verschiedenen Standardsternen (Spektralklassen) weiter erproben.

Dieser erste Versuch war sehr mühsam. Der Umgang mit den Midas-Methoden will erst mal erlernt sein.


Dateianhänge:
Dateikommentar: rot = gemessen, schwarz = MARCS Modellspektrum
vergleich_MarcsAir_epsLeo.gif
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Lothar

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BeitragVerfasst: 06. Juni 2011, 19:26:16 PM 
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Hallo

die baryzentrische Korrektur meines eps leo Spektrums vom 17. Mai 2011 (schwarz) verschiebt das Spektrum um -29.17 km/s (rot). Dieses kann dann korreliert werden mit einem Vergleichsspektrum, das ebenfalls in Luft gemessen oder dafür berechnet und ebenfalls baryz. bezogen ist.


Dateianhänge:
Dateikommentar: Vergleich originales gemessenes Spektrum von eps Leo (schwarz) und dem um die baryzentrische Korrektur (-29.17 km/s) verschobenen Spektrums.
Vergleich_orig_bary.gif
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Lothar

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BeitragVerfasst: 03. Juli 2011, 16:08:29 PM 
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Hallo

Vielleicht noch eine Ergänzung zur "Konstanz der Frequenz"

Dies gilt nur in der linearen Optik. In einem grünen Laserpointer ist das eigentliche Laserlicht auch rot. Es wird durch einen nichtlinearen Kristall geschickt, der die Frequenz und somit die Farbe ändert.
Ich denke aber, dass die Atmosphäre eher zur linearen Optik gehört.

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Daniel P. Sablowski

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