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M 65 - Dados - Vergleich mit M 66
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Autor:  Michael König [ 13. Juni 2015, 09:32:08 AM ]
Betreff des Beitrags:  M 65 - Dados - Vergleich mit M 66

Hallo,

die Galaxie M 65 gehört, zusammen mit M 66 und NGC 3638, zur M 66 - Gruppe. Unter Amateurastronomen spricht man meist vom Leo-Triplett. Die Galaxien liegen in einer Entfernung von etwas 28 Millionen Lichtjahren. Bei M 65 handelt es sich um eine SAB(rs)a-Galaxie, in den Katalogen ist sie als LINER beschrieben - d.h. hier gibt es Hinweise auf Aktivität.

Das Spektrum zeigt Absorptions-Linien (Mg, NA) und Emissionslinien (Ha), die aber, im Vergleich zu den anderen Galaxienspektren wenig ausgeprägt erscheinen.

Bild

Am deutlichsten ist die NaI-Linie zu sehen - ihre Linienverschiebung liefert eine Fluchtgeschwindigkeit von 764 +/- 100 km/s, der Literaturwert liegt bei 807 +/- 3 km/s. Bei den anderen Linien ist ein Gaussfit mit großen Fehler behaftet - der Grund ist das geringe S/N-Verhältnis.

Interessant ist der Vergleich mit dem M 66 Spektrum. Dazu habe ich die beiden Spektren übereinander gestellt, M 65 steht unten, M 66 oben:

Bild

Man kann sehen, dass beiden Galaxien eher wenig zentrale Aktivität zeigen. Zwar zeigen sich Ha-Emissionslinien, jedoch sieht man bsp. keine [OIII], Hb-Linien wie sie in Seyfert-Galaxienspektren zu finden sind. Beide Spektren besitzen mit den Mg / Na-Absorptionslinien die typischen Signaturen einer Sternpopulation im Bulge, die durch späte Spektraltypen dominiert wird.

Die Ha Linienemission ist bei M 66 ausgeprägter, dies kann man als Hinweis deuten, dass in M 66 die zentrale Sternentstehungsrate größer ist als in M 65. Ein Grund hierfür wäre der höhere Materiezufluss ins Zentrum, der mehr Sterne oder auch massivere Sterne entstehen lässt. Dieses Plus an Aktivität passt auch zur Galaxien-Morphologie, bei M 66 ist ein Balken deutlich sichtbar - und diese Struktur begünstigt, in gewissen Entwicklungsphase der Galaxie, den Materiezustrom.

Die gravitative Wechselwirkung der zwei Nachbarn M 65 und 66 wird auch darin deutlich, dass die Spiralebenen Verformungen zeigen. Dies ist ein schönes Beipsiel, wie man aus spektroskopischen Beobachtungen, zusammen mit normalen Astro-Aufnahmen, auch als Amateur, Einblicke in die Astrophysik eines Galaxiensystems gewinnen kann.

Schöne Grüsse,
Michael

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