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PostPosted: 12. May 2019, 17:49:19 PM 
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Joined: 03. October 2016, 16:08:01 PM
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Liebe Freunde,
auf dem Mond gibt es kurzlebige Erscheinungen, sogenannte "Lunar Transient Phenomena" (LTP). Es handelt sich um Erscheinungen von "Dunst" und Verdunkelungen, Leuchterscheinungen in Farben (rot, grün, blau, violett) und Aufhellungen begrenzter Gebiete. Die Dauer reicht von Minuten bis zu wenigen Stunden. Die Realität von LTP ist breit bewiesen. Sie treten in Gebieten auf, in denen schon bei den Apollo-Flügen Radon-Austritte nachgewiesen wurden. Derzeit ist breite Meinung, dass LTP Gasaustritte sind, welche Gase austreten ist aber praktisch unbekannt.

Spektrographie könnte Abhilfe schaffen. Es gibt die begründete Meinung, dass austretende Gase im Sonnenwind zum Leuchten angeregt werden (ähnlich wie bei Polarlichtern in der Hochatmosphäre). Kräftiger Sonnenwind entsteht aus koronalen Löchern (auch im jetzigen Aktivitätsminimum der Sonne) und bei Strahlungsausbrüchen (Flares) in aktiven Gebieten.

Idee ist deshalb, den Mond nicht mehr mit großem Aufwand ständig auf LTP zu überwachen. Vielmehr könnte es sich lohnen, nur bei starkem Sonnenwind den Aufwand zu treiben, mit dem Ziel etwas über die Gase zu lernen. Starker Sonnenwind kommt derzeit zwei- bis dreimal im Jahr zu uns. Der zeitliche Aufwand wäre also begrenzt.

Die Beteiligung der Spektrographie-Gemeinde wäre natürlich ein wichtiger Punkt. Ich habe mich belehren lassen, dass es dabei allerdings technische Probleme gibt. Streulicht vom Mond bei Langspalt-Spektrographen wird so gesehen und die Positioniergenauigkeit auf ein Gebiet von der Größe eines mittelgroßen Kraters. Aristarchus und das angrenzende Vallis Schröteri liefern über die Hälfte der LTP und vermitteln eine Vorstellung von den Größenverhältnissen.

Deshalb die Frage:
Ist es für Amateure sinnvoll, LTP spektrographisch anzugehen?
Seht Ihr noch weitere Probleme?
Seht Ihr Lösungen mit Eurer Ausrüstung?
Spürt Ihr grundsätzliches Interesse an einem LTP-Projekt?

Derzeit gibt es nur zwei (nicht besonders gute) Spektren. Darin soll molekularer Kohlenstoff und Wasserstoff nachweisbar sein. Erwartbar sind zahlreiche Gase, die durch radioaktiven Zerfall entstehen oder von Rest-Vulkanismus stammen.

Über Eure Meinung und fachlichen Rat würde ich mich sehr freuen.

Habt vielen Dank für Eure Gedanken

Heinz


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PostPosted: 13. May 2019, 11:15:41 AM 
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Dauernutzer

Joined: 06. July 2012, 13:03:02 PM
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Hallo Heinz,

als ich über das Phänomen in SuW gelesen hab, hatte ich mir schon ein paar Gedanken gemacht.
Eine räumliche, lückenlose Überwachung des ganzen Mondes ist schwierig. Wenn ich mich aber richtig erinnere, treten diese Phänomene nur in einem kleinen Teil des Mondes auf. Um die räumliche Abdeckung zu erreichen, würde ich einen Spaltspektrographen verwenden, der über die Mondoberfläche gefahren wird. Faser-gekoppelte und Echelle-Systeme sind damit raus. Zusätzlich kann dann ein Abzugs des Mondlichtes vorgenommen werden.
Parallel dazu würde ich eine Überwachung der Region mit einer Farbkamera empfehlen, um damit solch ein Ereignis zu detektieren, falls die Extraktion der Daten aus dem Spektrum sich als schwierig herausstellt.

Faser-gekoppelte (insb. Echelle-Systeme) könnte man nutzen, wenn man gezielt auf solch ein Ereignis fährt. Jedoch fehlt dort die direkte Info des Hintergrundlichtes. Jedoch wäre die hohe Auflösung bei gleichzeitig kompletter spektraler Abdeckung des Echelle-Systems interessant für die Identifizierung. Da voraussichtlich viel Licht zur Verfügung steht, könnte man eine On-Off Beobachtung fahren zur Eliminierung des Hintergrundes.

Ich vermute mal, dass die Ereignisse nur bei beleuchtetem Mond auftreten?

Viele Grüße,

Gerrit


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PostPosted: 13. May 2019, 13:57:08 PM 
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Joined: 01. August 2006, 16:08:56 PM
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Location: 68163 Mannheim
Hallo Heinz,

sind diese LTP genannten Phänomene in den beleuchteten Flächen des Mondes zu sehen oder in den dunklen Bereichen, auf die kein Sonnenlicht fällt?

_________________
Herzliche Grüße / best regards

Lothar

https://lotharschanne.wordpress.com/


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PostPosted: 13. May 2019, 15:03:09 PM 
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Dauernutzer

Joined: 06. July 2012, 13:03:02 PM
Posts: 93
Hallo Lothar,

bei einer Anregung durch den Sonnenwind (als relativistische Partikel) würde ich erwarten, dass Phänomen nur in beleuchteten Bereichen zu beobachten ist.

Viele Grüße,

Gerrit


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PostPosted: 13. May 2019, 15:10:11 PM 
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Joined: 31. July 2006, 16:43:32 PM
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Location: Köln
Hallo Lothar, Partikel von der Sonne brauchen maximal zwei Tage zu uns. Daher wäre ich sehr überrascht wenn eine Anregung durch Sonnenwind in der Mondnacht möglich ist. Realistischerweise kommt neben dem daraus resultierenden Kontrastproblem auch noch der Zeitaufwand ins Spiel. Zunächst braucht man einen zuverlässigen Alarm, der Beobachter aktiviert. Dann muss man sich wohl für einen Ort auf dem Mond entscheiden, den man beobachten will. Und in der Regel ist das wahrscheinlich erfolglos.
Gruß, Thomas


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PostPosted: 13. May 2019, 15:48:40 PM 
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Joined: 01. August 2006, 16:08:56 PM
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Location: 68163 Mannheim
Ja, die LPT sind im beleuchteten Teil des Mondes sichtbar:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lunar_Transient_Phenomena
und dort angegebene Literatur.

_________________
Herzliche Grüße / best regards

Lothar

https://lotharschanne.wordpress.com/


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PostPosted: 13. May 2019, 19:45:21 PM 
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Joined: 03. October 2016, 16:08:01 PM
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Liebe Freunde,
wenn die Sonne wirklich ins Spiel kommt, ist nur die beleuchtete Seite des Mondes interessant. Es gibt reichlich Erfahrung, dass LTP dort vorkommen. Sie müssen getrennt werden von sehr kurzen Lichtblitzen, die auf Impakts zurückgehen und überall auftreten können.

Eine spektrographische Suche nach LTP ist technisch warscheinlich schwierig und aufwändig. Mir schwebt eine Zusammenarbeit vor, mit einem "Warnsystem"
1. Eine Vorwarnung bei starkem Sonnenwind aufgrund der Daten von DSCOVR. Die Raumsonde steht am Librationspunkt zwischen Sonne und Erde und registriert den Sonnenwind ein bis drei Stunden, bevor er bei uns entrifft. Dafür würde sich ein Mailserver anbieten, der ab einem Schwellwert automatisch eine E-Mail schickt. Es gibt Interesse bei den Polarlicht-Beobachtern, das besprechen wir gerade. Eine entsprechende Webseite gibt es schon: https://www.polarlicht-vorhersage.de/
"Polarlicht-verdächtigen" Sonnenwind gibt es derzeit (wir sind im Aktivitätsminimum der Sonne) rund dreimal im Jahr, vor allem aus koronalen Löchern.

2. Eine Gruppe von Beobachtern, die den Mond dann nach LTP absucht. Es gibt nur rund zehn Objekte auf dem Mond, bei denen sich das wirklich lohnt, eigentlich sind es nur fünf Objekte. Bei einer positiven Sichtung, könnte wieder eine rasche Rückmeldung an die ganze Gruppe rausgehen, z.B. über die Mailfunktion dieses Forums für ein LTP-Unterforum. Außerdem sind natürlich Farbaufnahmen für die Dokumentation von Veränderungen heute leicht machbar. Auch Photometrie wäre ein sehr nützliches Werkzeug.

3. Spektrographie könnte sich auf ein positiv gemeldes LTP konzentrieren. Oder sie könnte gezielt zur Überwachung eines "höffigen" Objekts eingesetzt werden. Problem ist, dass LTP über Minuten bis über wenige Stunden auftreten. Wer erst bei einer positiven Meldung seine Ausrüstung aufbaut, könnte das LTP verpassen.

Ein bisher erhaltenes Spektrum eines LTP zeigt einen deutlichen "vorher-nachher-Effekt": http://articles.adsabs.harvard.edu//ful ... 5.000.html

Eure Diskussion bisher war sehr spannend. Ich hoffe, ich konnte hier nützliche Information und Gedanken liefern.

Viele Grüße
Heinz


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PostPosted: 13. May 2019, 19:52:34 PM 
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Hier noch die für LTP interessanten Objekte, die über 90 % der Sichtungen abdecken.

1. Aristarchus und dicht dabei
2. Vallis Schröteri und "Kobrakopf"
Beide zusammen rund 50 % der LTP
3. Plato
4. Kepler

2 bis 3 % der LTP-Sichtungen liefern jeweils:
Alphonsus, Copernicus, Gassendi, Mons Piton im Mare Imbrium, Grimaldi, Tycho und Messier.


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PostPosted: 01. June 2019, 09:08:49 AM 
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Dauernutzer

Joined: 06. July 2012, 13:03:02 PM
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Ich habe gerade diesen Artikel zu dem Thema LTP gefunden:
https://www.scinexx.de/news/kosmos/mond ... -der-spur/


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PostPosted: 02. June 2019, 19:21:41 PM 
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Joined: 03. October 2016, 16:08:01 PM
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Hallo Gerrit, vielen Dank. Das Projekt kannte ich noch nicht. Was dort als "Abgleich mit der ESA" erwähnt ist, bezieht sich auf das Neliota-Projekt, das seit einigen Jahren läuft (https://neliota.astro.noa.gr/ ). Dort werden automatisiert Impacts detektiert, die ziemlich häufig sind. Auch die NASA macht das vollautomatisch und noch eine spanische Gruppe.

Es geht um etwas anderes:
Automatische Detektion von solchen LTP, die potenziell auf Gasaustritte zurückgehen, dürfte sich allerdings als schwierig erweisen. Menschliche Beobachter sehen dabei sehr subtile Dinge. Diese Erscheinungen sind selten, also wenig Material zum Üben für die KI. Ich denke, auf diesem Gebiet bleibt der Mensch noch eine Weile überlegen. Vor allem der Ansatz, gerade keine permamente Überwachung zu machen, sondern auf starken Sonnenwind zu warten, geht einen ganz anderen Weg.

Alles Gute und vielen Dank
Heinz


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