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 Betreff des Beitrags: Spektroskopie für Anfänger
BeitragVerfasst: 31. Mai 2013, 07:53:35 AM 
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Liebe Sternfreunde,

vielleicht wisst ihr, dass ich in der Zeitschrift interstellarum eine Einsteiger-Rubrik "befülle". Nach meinen ersten eigenen Experimenten mit dem Staranalyser werde ich diese Technik der Leserschaft nahzubringen versuchen. Im nächsten Heft erscheint der erste Aufsatz, ich werde noch ein paar weitere bringen.
~
Ich selbst habe begonnen mit diesem einfachen Gitte zu experimentieren, weil mich die spektralen Eigenschaften von Kometen interessieren. Da wird ja nicht allzuviel gemacht, ist ja auch aufwendig, wenn man hochwertige Ergebnisse benötigt.
Ich werde vorrangig visuell arbeiten und freilich spaltlos. Die spektrale Auflösung sit dann gering, selbst wenn man die Dispersion mit allen Tricks erhöht. Es geht ja bei Kometen nicht um das Erkennen schmaler Linien, sondern um kräftige Emissionen in den C2- und gelegentlich Na-Linien. Diese ändern sich aber rasch, was visuelle zugänglich ist. Meine ersten Experimente habe ich mit Panstarrs gemacht, und auch Na-Emissionen gesehen (gerade so). Neben dem SA100 benötigt man nur noch ein Messokular, das ist alles.

Die Anregung zu dieser Beschäftigung bekam ich von Fritz Gerber, der mit Objektivprismen gearbeitet hat.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02. Juni 2013, 16:44:55 PM 
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Hallo Uwe,

Kometenspektroskopie ist bei uns wirklich ein vernachlässigtes Thema.

Du kannst ja mal deine ersten Ergebnisse an Panstarrs hier vorstellen. Würde mich/uns interessieren.

_________________
Herzliche Grüße / best regards

Lothar

https://lotharschanne.wordpress.com/


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BeitragVerfasst: 04. Juni 2013, 20:39:26 PM 
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Liebe Sternfreunde,

anbei das erste spektroskopische Ergebnis an Kometen. Ich übe da ja immer noch, will aber dennoch berichten. Außerdem bin ich ein Visueller und beschäftige mich nicht ernsthaft mit Himmelsfotografie.
Angeregt durch Fritz Gerber habe ich mir das SA100-Gitter zur Beobachtung von Kometen gekauft, vor allem für die als hell angekündigten PanSTARRS und ISON. Duch Vorversuche an Planetarischen Nebeln habe ich übrigens ermittelt, dass an meinem 12-Zoll-Dob die visuelle Beobachtung von bis zu 10 mag hellen Kometen sinnvoll ist. Außerdem habe ich mir einen Natrium-Linienfilter (10 nm, D-Linie) besorgt, um einen eventuellen Natriumschweif nachzuweisen - das ist ja auch eine Art von spektroskopischer Untersuchung.

Meine spektroskopischen Ergebnisse an PanSTARRS sind eher dürftig, was hauptsächlich am Wetter lag. Zuerst gesehen habe ich ihn am 13, März, tief in der Dämmerung. Während der ca. halbstündigen Beobachtung schraubte ich mal kurz das Na-Filter ein: Ein total schwarzes Bild an einem 8-cm-Refraktor. Die erste spektroskopische Beobachtung war am 24. März, auch mit dem kleinen Apo. Ich sah einen unscharfen Kontinuumsstreifen, nicht einmal besonders deutlich.

Die erste Möglichkeit, PanSTARRS mit dem großen Newton zu beobachten, ergab sich am Abend des 1. April. Ich war an meinen ländlichen Beobachtungsplatz gefahren und hatte mit dem Wetter "Glück" in Form einer Wolkenlücke im Nordwesten. Der Komet stand dreiviertel 9 nur knapp 10° hoch: Zwei Gründe, zügig zu arbeiten. Und es war viel zu tun: Helligkeits- und Morphologie-Beurteilung, eine Zeichnung und natürlich ein visuelles Spektrogramm. Mit wenig Ruhe war dies mein erster spektrographischer Versuch. Ich sah nur einen Kontinuumsstreifen, keine Farben darinnen. Ich bemühte mich darum, ausgehend vom Spektrum 0. Ordnung den sichtbaren Wellenlängenbereich zu ermitteln und stellte fest, dass das Baader-Messokular dafür schlecht geeignet ist: Zu kurzbrennweitig und vor allem zu viele Skalen im Gesichtsfeld.

Ich besorgte danach ein Mikroskop-Okular, welches nur eine einfache Skala im Gesichtsfeld hat und mit 25 mm deutlich langbrennweitiger ist. Dieses kalibrierte ich dann (wie das Baader auch) gegen entfernte Quecksilber- und Natriumdampflampen.

Das Wetter ließ erst wieder eine Beobachtung am 3. Mai zu. Der Komet war deutlich schwächer geworden (7m5), stand aber viel höher, das Wetter war auch stabil. Ein Wort zur Beobachtungstechnik. Bei spaltloser Beobachtung flächiger Objekte braucht man eine relativ große Dispersion. Ich habe einen Adapter von 2 Zoll auf 1,5 Zoll, welcher ein versenktes Stecken des Okulars ermöglicht, also weiter innen. Damit komme ich mit den meisten Okularen auch dann in den Fokus, wenn ich eine 36-mm-Verlängrungshülse dazwischenstecke und somit die Dispersion erhöhe (Gitter in die Hülse). Ich hatte Bedenken wegen der Flächenhelligkeit des Spektrums und begann mit einem 32-mm-Okular. Die Dispersion und scheinbare Größe des Spektrums waren viel zu gering, wieder sah ich nur einen Kontinuumsstreifen ohne Farben. Ich steckte ein 20er Okular hinein (Vergrößerung 72x), auch noch nicht besonders. Schließlich drehte ich den Fokussierer ganz nach innen und klemmte das Okular noch ein paar Millimeter höher. Erst jetzt war eine schwache Aufhellung auf der Seite des Spektrums zu sehen, welche dem Spektrum 0. Ordnung nahe ist (bei mir immer links). Schwierig zu erkennen, nur im indirekten Sehen. Ich steckte das Messokular hinein, auch hier musste ich höher klemmen. Hierfür war das Okular zwar nicht kalibriert, aber ich maß dennoch und machte eine Markierung an die Steckhülse und kalibrierte diese Dispersion später nach. Es war eindeutig eine Natriumemission und kein Swan-Band-Leuchten. Panstarrs ist ja auch ausgesprochen gasarm.


Dateianhänge:
Dateikommentar: Skizze aus meinem Beobachtungsbuch. Die Na-Emission ist durch den schwarzen Balken gekennzeichnet. Da ich spaltlos arbeite, sind solche Details stets genau so groß wie der helle Teil der Koma.
skizze.jpg
skizze.jpg [ 2.04 KiB | 5249 mal betrachtet ]

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BeitragVerfasst: 06. Juni 2013, 19:58:18 PM 
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Zitat:
Hallo Uwe,

Kometenspektroskopie ist bei uns wirklich ein vernachlässigtes Thema.

Du kannst ja mal deine ersten Ergebnisse an Panstarrs hier vorstellen. Würde mich/uns interessieren.
Hello Lothar,

I gave a short talk on spectroscopy to the BAA comet section last month there are examples of Panstarrs and Lemon taken using a Star Analyser and a DSLR and a LHIRES there. You can see the slides (and listen to me if you want to!) here

http://britastro.org/baa/index.php?opti ... mid=100033

Cheers
Robin


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07. Juni 2013, 07:10:15 AM 
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Dear Robin,

interesting to see that you clearly identified the Na tail of PanSTARRS. Visually I got only a hint of it.

Yesterday I looked through my grating at Lemmon. Interestingly I could not detect any continuous spectrum, only a C2 image of the comet which was nearly identical to the image without grating (slightly less sharp).

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