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 Betreff des Beitrags: Selbstbau - Refraktor 55/500mm
BeitragVerfasst: 05. Juni 2018, 20:34:00 PM 
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Liebe Sternfreunde,

ich habe in den letzten Monaten viel Freude beim Beobachten mit Refraktoren und mein letzter war ein Vixen ED70SS. Durch Zufall bin ich über eine Anzeige bei astronomie.de gestolpert, wo ein 55/500er Refraktor-Objektiv (2-Linser mit Luftspalt) angeboten wurde. Die Herkunft des Objektivs ist unbekannt (es wird TeleVue vermutet), der Zustand sehr gut und für einen Preis von 30 Euro eine äußerst überschaubare Investition. Ich wollte einfach mal wieder einen kleinen Refraktor zusammenbauen. Das Objektiv hat beidseitig verschieden große Gewinde und mittig eine plane Fläche. Von einem Leipziger Sternfreund bekam ich einen Tubus (inkl. OAZ, Schellen und Prismenschiene) von einem 70/700er Skylux-Refraktor spendiert. Danke lieber Frank. Er bot mir sogar an, einen justierbaren Flansch für das Objektiv auf der Drehbank zu machen, aber ich wollte es selbst erst einmal versuchen.

Der 1.25-Zoll-OAZ ist komplett aus Plastik und kippelte deutlich. Ich habe ihn mit etwas Velour verbessern können. Theoretisch hätte ich das Rohr vom OAZ kürzen müssen, aber ein späterer Test am defokusierten Stern zeigte eine ausreichende Ausleuchtung mit einem 32mm Plössl. Ich habe diesen am Ende nur komplett mit der Anti-Reflex-Farbe von "Astrogeräte Berger" geschwärzt, die ich immer wieder sehr gerne einsetze. Die Blenden im Tubus habe ich entfernt und den Tubus innen mit Velour ausgekleidet.

Der Tubus musste natürlich gekürzt und das Objektiv irgendwie an den Tubus befestigt werden. Die plane Fläche am Objektiv liegt vom Durchmesser zwischen Innen- und Außendurchmesser vom Tubus. Meine endgültige Umsetzung ist vielleicht etwas "russisch", aber sie tut es und war mit einfachen Mitteln und etwas Zeit umsetzbar: Ich habe am Tubusende einen Streifen dicken Filz eingeklebt, in welchem sich das hintere Gewinde des Objektivs leicht "einschrauben" lässt. Das Objektiv sitzt dann plan auf dem Tubusrand. Dann habe ich ein HT-Rohr DN75 aus dem Baumarkt gekauft und innen solange ausgeschliffen, dass es sich gerade so über den Tubus schieben lässt. Die plane Fläche des Objektiv wurde mit einer Lage Velour-Folie beklebt, sodass das Objektiv satt im HT-Rohr sitzt. Damit das Objektiv nicht vorn rausfällt, habe ich einen weiteren Velour-Streifen in das HT-Rohr geklebt. Das alles hält erstaunlich gut. Den Tubus habe ich vorher so plan und rechtwinklig geschliffen, wie es mir möglich war, um die Koma auf ein Minimum zu reduzieren. Am Ende habe ich auch den OAZ leicht verkippt, in dem ich ebenfalls mit kleinen Velourstreifen nachgeholfen habe.

Als Sucher habe ich vorerst einen 5x24-Sucher als einfachen Peilsucher missbraucht, nachdem ich die Plastik-Linsen entfernt habe. Er ist für den Anfang ausreichend. Eine Taukappe aus Moosgummi wird die Tage noch kommen. Das Teleskop wiegt komplett mit einem Zenitspiegel ca. 1kg.

Zwischendurch habe ich immer wieder an meinen selbstgebauten, künstlichen Stern (Taschenlampe mit selbstgestochener Lochblende und vorgeschaltetem 6mm-Okular) sowie am Cheshire-Okular die Justage überprüft. Nicht perfekt, aber die Koma ist wirklich sehr gering. Astigmatismus ist für meine Augen nicht sichtbar, die sphärische Aberration zeigt keine Auffälligkeiten. Das Beugungsscheibchen ist schön rund und auch der Farbfehler scheint sehr gering zu sein.

Durch die ganze Bastelei sind auch ein paar Fingerabdrücke auf den Linsen gelandet, die ich mit einem Lenspen entfernen konnte. Keine gute Idee, denn das hat feine Kratzer auf der Linse verursacht. Es scheint aber nur oberflächlich die Vergütung gelitten zu haben. Etwas leid tut mir die Sache schon, allerdings scheint mir die optische Leistung visuell in keinster Weise beeinträchtigt zu sein.

Am 05.06. habe ich dann die Gelegenheit genutzt, um den neuen Refraktor an Jupiter zu testen. Bei 90-facher Vergrößerung zeigte er mir einen wirklich schönen, kontrastreichen Jupiter ohne erkennbaren Farbfehler (vergleichbar mit dem Farbfehler meines Vixen ED70SS). Das NEB und SEB waren sofort auffällig, ebenso die dunkelschattierten Polregionen sowie ein schwaches Wolkenband, welches die südliche Polregion begrenzt. Im NEB waren einige dunkle Flecken sichtbar und es zeigte sich recht unregelmäßig. Der GRF stand anfangs noch weit am Rand, war aber ebenfalls gut sichtbar. Später, gegen 00:15 (06.06.), war der GRF sofort auffällig und erschien als dunkle, leicht elongierte Struktur am südlichen Rand vom SEB. Die Elongation verlief dabei parallel zum SEB. Ich war sehr angetan von der Abbildung.

Zudem habe ich noch zwei Doppelsterne in's Visier genommen. Epsilon Lyrae (STF2383 CD) war bei schon bei 90-facher Vergrößerung sauber getrennt, die Komponenten AB zumindest als '8' erkennbar. Bei 125-facher Vergrößerung waren dann alle Komponenten zweifelsfrei getrennt. Das hat mir sehr gut gefallen. Dann habe ich noch espilon Bootis (2.6 mag / 4.8 mag, 2.9") eingestellt: Bei 125-facher und 160-facher Vergrößerung zeigte sich mir eine sehr schöne Abbildung mit durchgängigem ersten Beugungsring, welcher konstant an einer Stelle deutlich aufgehellt war - die zweite Komponente.

Soviel erst einmal zu meiner neuen Errungenschaft...

Liebe Grüße,
Robert


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstbau - Refraktor 55/500mm
BeitragVerfasst: 07. Juni 2018, 16:14:20 PM 
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Registriert: 26. November 2017, 11:05:18 AM
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Gestern Abend habe ich den 55/500er Refraktor kurz mit meinem Vixen ED70SS (70/400mm) an Jupiter vergleichen können. Der 55er Refraktor wurde mit einem Zenitprisma und 6mm Ortho (83-fach, AP~0.67mm), der 70er ED mit einem Zenitspiegel und 9mm Ortho + Barlow (100-fach, AP~0.70mm) bestückt. Zenitprisma und -spiegel zeigten am 55er Refraktor ein sehr ähnliches Bild. Gegen Mitternacht konnte auf Jupiter der Schattentransit von Europa beobachtet werden.

Die Kurzfassung: Beide Instrumente lieferten ein ordentliches Bild ab, wobei die Luft hätte etwas ruhiger sein können. Im direkten Vergleich war im 55er Refraktor ein dunkler Farbsaum zu erkennen, der mich allerdings nicht stört. Obwohl der Öffnungsunterschied nicht groß zu sein scheint, waren im 70er ED sofort mehr Details in den Wolkenbändern erkennbar. Der Schatten von Europa war nach Mitternacht im 70er ED gut erkennbar und lag scheinbar direkt auf einem schwachen Wolkenband in der nördlichen Polregion, wobei man schon genau hinschauen musste, da der Schatten sehr klein ist. Im 55er Refraktor war der Schatten schwieriger zu erkennen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstbau - Refraktor 55/500mm
BeitragVerfasst: 09. Juni 2018, 22:57:43 PM 
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Hallo Robert, kleine Öffnungen haben ihren Reiz. Die Mühe lohnt sich auf jeden Fall, damit man überhaupt vergleichen kann! Gruß, Andreas

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