cbet 4719 berichtet über spektroskopische Untersuchungen am Kometen Borisov, die zu Weihnachten an einem 8-Meter-Instrument der Europäischen Südsternwarte in Chile ausgeführt wurden. Dieses Mal wurde das Vorgehen recht genau beschrieben. Ich finde es bemerkenswert, welchen Aufwand man treiben muss, um von solchen diffusen Himmelskörpern auswertbare Spektren zu bekommen:
- Schlitzbreite 1,8 Bogenskeunden, Schlitzlänge 10 Bogensekunden
- Es wurden zwei auf den Nukleus zentrierte Spektren aufgenommen, Belichtungszeit je fast 2 Stunden
- Die Spektren wurde fluß-kalibriert (flux calibratet) gegen einen sog. Standardstern. Ich nehem an, dass hier die Wirkung der Atmosphäre und Eigenheiten des Instruments herausgerechnet wurden
- Das Kontinuum der Staubemissionen sollte nicht untersucht werden. Es wurde durch ein Modell beschrieben, dessen Parameter mit einer Regressionsanalyse gegen eine sonnenähnlichen Stern berechnet wurden und so abgezogen
- Die beiden Spektren wurden gemittelt, und die soebzen hellsten Lineien summiert [verstehe ich nicht; wenn das gemittelt ist, hat man nichts mehr zum summieren]
Die Ergebnisse:
- Leistungsaufnahme 10**-15 erg/s/cm**2 [Astronomen rechnen noch immer in
Erg]
- Wasserfreisetzung 2.0 x 10**26 Moleküle/s [6kg/s, das ist nicht viel]
- dazu wurde die Abströmgeschwindigkeit von Wasser benötigt, welche aus einem Modell zu knapp 600 m/s angenommen wurde
- Zum Vergleich: Untersuchungen einer
anderen Arbeitsgruppe ergaben im Verlauf des November eine Wasserproduktion von 10 kg/s, was aus den in der Publikation angegebenen Daten mit demselben Verfahren und denselben Annahmen berechnet wurde
Ich muss schon sagen, spektroskopische Untersuchungen an Kometen sind meist jenseits dessen, was Amateure leisten können. Borisov war im Dezember ca. 15 mag "hell". Wenn man statt eines 8-Meter-Instrumentes ein amateurübliches 30-cm-Instrument zur Verfügung hat, dann erreicht man mit demselben Aufwand Kometen im Bereich von 7...8 mag, also Fernglaskometen.