Forum der Vereinigung der Sternfreunde

Forum of the German Amateur Astronomy Association
Aktuelle Zeit: 20. Oktober 2020, 02:21:47 AM

Alle Zeiten sind UTC+02:00




Ein neues Thema erstellen  Auf das Thema antworten  [ 104 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige 1 2 3 Nächste
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 12. Juli 2020, 22:34:42 PM 
Offline
Nutzer

Registriert: 24. April 2017, 18:33:56 PM
Beiträge: 30
Zitat:
2020-07-10/11
Der gestrige Abend ... ((2020-07-10/11))
...
Heute klappte es dann auch visuell, oberhalb von NLC zu "dunkler" Stunde etwa gegen 22:30 - 23:00 UT (und später noch mal kurz am Morgen).
Grobe Helligkeitsschätzung bei etwas über 2 bis 2,5. Er erschien mir nicht viel schwächer als Beta AUR (Menkalinan).

Kometentechnisch war es kurzfristig schon sehr beeindruckend. Die meist versteckten NLC hätten sich ruhig in ihrer Gesamtheit auch mal zeigen dürfen!

...
...

Für letzte Nacht (2020-07-11/12) gebe ich für die dunkelsten Stunden am Nordhimmel gut die gleiche visuelle Helligkeit wie für Beta AUR (Menkalinan), also um die 1,7 bis 2.
! Bin aber kein typischer Sternschätzer - erst recht kein Kometenschätzer !

_________________
Gruß,
Olaf


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 13. Juli 2020, 07:36:04 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Werner Celnik ist im Moment verhindert und bittet mich, ein paar Bilder samt Erklärung hier einzustellen:

Hallo, zusammen,

zunächst einmal Gratulation an alle, die die hier gezeigten schönen
Aufnahmen von NEOWISE gewinnen konnten!

Kaum aus dem Urlaub zurück bin ich in der Nacht vom Freitag auf den
Samstag in die Eifel auf 540m Höhe gefahren, um NEOWISE aufzunehmen, mit
der kleinen Star Adventurer Reisemontierung.

Anbei 3 Aufnahmen zur Ansicht, und eine Anregung von mir am Schluss.

- Um 00:01 UT gaben die Wolken den Kometen kangsam frei. Stativ-Aufnahme
mit Wolken und Windrädern am Nordhorizont mit Zoom 24-105mm bei 105mm
Brennweite und Blende 4,0. 8s belichtet bei ISO6400 mit Canon 5DMkII.

- Um 01:24 UT Summenbild nachgeführter Aufnahmen mit Zoom 100-400mm
(mein 2,8/200 hatte ich zuhause auf dem Tisch vergessen...) bei 200mm
Brennweite und Arbeitsblende 5,0. 57x20s belichtet bei ISO1600 mit Canon
5DMkII. Strukturen in den beiden Schweifen sind erkennbar, sowie ein
leichter Farbunterschied.

- Um 00:36 UT Bildausschnitt: Summenbild nachgeführter Aufnahmen mit
Zoom 100-400mm bei 400mm Brennweite und Arbeitsblende 7,1, 20x2s
belichtet bei ISO100 mit Canon 700Da. Das Komazentrum erscheint
grünlich. ---> Bitte mal genauer die Strukturen ansehen:

Das Bild ist nur leicht (!) unscharf maskiert. Hinter dem False Nucleus
ist ein bogenförmiger Schatten erkennbar, und rechts neben dem False
Nucleus ein heller Bogen, der sich möglicherweise um den Kopf herum
zieht. Sieht aus wie helle und dunkle Spiralen. Es ähnelt Hale-Bopp mit
seinen Bögen und Schalenstrukturen.

Ich glaube, dass das echt ist. Wir hier mit längerer Brennweite
herangehen kann, möge das bitte prüfen, was da um den False Nucleus
herum erkennbar ist und sich möglicherweise veränderlich zeigt...


Es war toll, den Kometenschweif hinter den horizontnahen Wolken
auftauchen zu sehen... Visuell waren dann ca. 3,8 Grad Schweiflänge
auszumachen, mit dem Feldstecher 15x50 vielleicht etwas mehr.

Auf dem Bild mit 200 mm Brennweite war der Schweif doppelt so lang, und
der Gasschweif wurde in den Aufnahmen sichtbar.

Halley erschien visuell Anfang März 1986 sehr ähnlich, war aber noch
etwas heller und länger (16 Grad).

Am Ende der Beobachtungen stand ich im Nebel und das Wasser tropfte von
den Kameras...

Auf jeden Fall ein tolles Erlebnis. Der Aufwand lohnt sich!

Freundliche Grüße
Werner


Dateianhänge:
2020-07-11 0124UT (0059-0149) C2020F3-NEOWISE 5,0-200 700Da ISO1600 57x20s HD kl.jpg
2020-07-11 0124UT (0059-0149) C2020F3-NEOWISE 5,0-200 700Da ISO1600 57x20s HD kl.jpg [ 470.03 KiB | 4427 mal betrachtet ]
2020-07-11 0036UT (0035-0038) 7,1-400mm 700Da ISO100 20x2s um.jpg
2020-07-11 0036UT (0035-0038) 7,1-400mm 700Da ISO100 20x2s um.jpg [ 43.05 KiB | 4427 mal betrachtet ]
2020-07-11 0001UT C2020F3-NEOWISE 4,0-105 ISO6400 8s IMG_2176 VGA.jpg
2020-07-11 0001UT C2020F3-NEOWISE 4,0-105 ISO6400 8s IMG_2176 VGA.jpg [ 270.55 KiB | 4427 mal betrachtet ]

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 13. Juli 2020, 07:38:29 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Liebe Beobachtergemeinde,

ich habe mal die Extinktionstabellen aus dem Kometenbuch leichter verfügbar gemacht. Es gibt jetzt einen Link gleich auf der Startseite. Visuelle Beobachter benötigen das jetzt gerade.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 13. Juli 2020, 09:07:12 AM 
Offline
Nutzer
Benutzeravatar

Registriert: 08. Februar 2019, 14:16:40 PM
Beiträge: 21
Wohnort: Ludwigsburg
Hallo zusammen!
Ich war gestern Abend im Feld, diesmal mit meinem 12".
Leider konnte ich nur durch eine leichte Schleierbewölkung hindurch beobachten, aber es war dennoch ein grandioser Anblick!

Ich kann den visuellen Eindruck von Christian und seiner Zeichnung bestätigen. Der Schweifansatz/Koma war in westlicher Richtung deutlich ausgeprägter. Am vorderen in der Zeichnung rechten Seite an der Spitze war hier ein "Delle" und mir schien, wie Werner es beschreibt, als "spiralte" der Schweif aus dem dem Kern heraus. Vielleicht war es ein Kontrasteffekt, aber ich sah tatsächlich eindeutig einen Schatten hinter dem Kern.
Mit dem 15x70 FG war der Schweif 2,5-3 Grad zu verfolgen.

Weiterhin frohes Beobachten!
Ray


Dateianhänge:
Zeichnung_C2020-F3-NEOWISE_20200712k.jpg
Zeichnung_C2020-F3-NEOWISE_20200712k.jpg [ 258.34 KiB | 4415 mal betrachtet ]

_________________
---------------------------------------------
12" Orion-UK & SW ED80/600
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 13. Juli 2020, 09:10:44 AM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 04. Juni 2018, 16:12:24 PM
Beiträge: 82
Wohnort: Linter
Je höher der Komet jetzt steigt, desto besser ist der Schweif auch visuell zu erkennen. Ich konnte ihn gestern Abend aus dem Erzgebirge auf über 4 Grad im 10x50 verfolgen. Helligkeit extinktionskorrigiert 1.7 mag mit bloßem Auge und 1.9 mag im Feldstecher.

Bin mal gespannt, ob er noch länger wird.

Maik


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 13. Juli 2020, 10:33:09 AM 
Offline
Meister

Registriert: 02. September 2017, 10:40:01 AM
Beiträge: 204
Hallo eine erste Beobachtung unter sehr guten Gebirgsbedingungen (Hochkar 1410 Meter Seehöhe): Ich konnte den Schweif zu Dämmerungsende definitiv 8 Grad freisichtig sehen, er wirkt leicht gekrümmt und ist nach hinten leicht aufgefächert. Selbst in 3 Grad Höhe waren Komet und mehrere Grad Schweif freisichtig. Eine Mosaikaufnahme zeigt einen Ionenschweif >20 Grad. cs Michael Jäger


Dateianhänge:
2020F320200712blueweb.jpg
2020F320200712blueweb.jpg [ 1.73 MiB | 4389 mal betrachtet ]
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 13. Juli 2020, 14:53:39 PM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 24. Oktober 2016, 13:44:37 PM
Beiträge: 5
Nach dem Bestaunen von Michaels Bildern überlegt man immer überhaupt noch zu fotografieren und etwas herzuzeigen... ;-)
Dennoch hier mein kleines Bild von gestern, am Kirchhügel von Graz-Mariatrost. Am Gehsteig neben dem Friedhof unter einer Straßenlaterne - das gab ein paar überraschte Blicke, aber auch ein paar nette Gespräche mit interessierten Passanten...

VG Burkhard

Dateianhang:
neowise_1207s.jpg
neowise_1207s.jpg [ 1.69 MiB | 4338 mal betrachtet ]


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 14. Juli 2020, 10:23:12 AM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 07. Juli 2020, 14:43:28 PM
Beiträge: 2
Guten Morgen liebe Kometenjäger,
Neowise bringt uns zur Zeit faszinierende Beobachtungs- und Fotografie-Möglichkeiten. Endlich mal wieder ein heller Komet am nördlichen Himmel, der bisher exzellent am Morgenhimmel beobachtet werden kann und ab dem Wochenende sicher auch gut am Abendhimmel.
Angehängt zwei Aufnahmen von heute morgen 1:45 UT in Eurasburg bei Augsburg mit meiner Canon EOS 550 D und einem Tamron 300 mm-Objektiv mit 4 sek belichtet bei ISO=6400.
Wünsche allen weiterhin gutes Wetter und viel Spaß beim Neowise-Jagen ,-)
Beste Grüße und clear skies
Markus Büchler


Dateianhänge:
neowise 14072020 0400 70 mm.JPG
neowise 14072020 0400 70 mm.JPG [ 6.61 MiB | 4225 mal betrachtet ]
neowise 14072020 0340 300 mm 4.jpg
neowise 14072020 0340 300 mm 4.jpg [ 3.51 MiB | 4225 mal betrachtet ]
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 14. Juli 2020, 12:22:48 PM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Zwischendrin mal eine frische Prognose. Wenig Änderung gegenüber der Vor-Perihel-Ansage.


Dateianhänge:
prognose.jpg
prognose.jpg [ 80.74 KiB | 4200 mal betrachtet ]

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 19. Juli 2020, 10:48:13 AM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 06. Juli 2020, 20:27:36 PM
Beiträge: 3
Hallo Forum,

bei der Helligkeitsschätzung von C/2020 F3 am Abend des 17.Jul. bemerkte ich dass der Komet mit zunehmender Dunkelheit immer heller zu werden schien.
Ich beobachtete mit freiem Auge (ich bin kurzsichtig und seh die Sterne ohne Brille ziemlich unscharf -- das macht den Vergleich mit dem Kometen leichter).
Ich versuchte sowohl in-out (Komet mit Brille, Sterne ohne) als auch out-out (ohne Brille) Schätzungen.

Um 20:45 UT (Sonne 13,9° tief, Komet 14,3° hoch) schätzte ich den Kometen in der Mitte zwischen alfa und gamma Persei.
Mit Korrektur auf differentielle Extinktion ergibt das m1 = 2,4mag.

Eine halbe Stunde später (Sonne 16,3° tief, Komet 12,0° hoch) erschien der Komet eindeutig etwas heller als alfa Persei.
Als Ergebnis der Helligkeitsschätzung habe ich 1,5mag angenommen.
Zu dieser Zeit war der Himmel nach Durchzug einer Kaltfront ziemlich klar für meinen Beobachtungsort am Nordrand von Wien am Bisamberg.
Die freisichtige Grenzgröße betrug 5,8mag in UMi.

Das scheinbare Hellerwerden des Kometen war ziemlich auffallend. Natürlich kommt bei zunehmender Dunkelheit der helle Staubschweif immer
mehr zur Geltung aber eine wirkliche Erklärung habe ich für diesen Eindruck nicht.

Was meint ihr?

Viele Grüße
Wolfgang Vollmann

PS: Anbei ein dem freisichtigen Eindruck einigermassen nahekommendes Foto. Die Kometenhelligkeit läßt sich darauf aber nicht ausmessen,
die helleren Vergleichssterne sind überbelichtet.

#####

Anmerkung:
Nun habe ich mit meinen DSLR Aufnahmen auch ein weiteres
Experiment gemacht: Objektiv 1:4 f=24mm, gemessen sind 5 Aufnahmen,
Belichtungszeit 10, 15 und 20 Sekunden zwischen 20:23 und 20:45 UT. Als
Vergleichsstern für die Photometrie der Grünbilder nahm ich 10 Lyn
(3,99mag V) da iota und kappa UMa schon überbelichtet waren. Der Komet
wurde mit immer größerer Blende gemessen (also mehr von Staubschweif und
eventueller Koma) bis die gemessene Helligkeit nicht mehr angestiegen
ist. Ich hab das Verfahren schon früher ausprobiert und im "Schweifstern
154" http://fg-kometen.vdsastro.de/schweifstern/schw154.pdf beschrieben.
Ergebnis: m1 = 1,51 ± 0,10 mag (!) Was mich an der DSLR Messung noch
nicht zufrieden stellt ist die recht große Helligkeitsdifferenz
Vergleichsstern-Komet. Aber die Übereinstimmung mit der visuellen
Schätzung bei dunklerem Himmel ist erstaunlich.

#####


Dateianhänge:
Dateikommentar: 17.Jul.2020, 20:35 UT. Canon EOS 77D, Objektiv 1:4 f=24mm, 20 Sekunden belichtet
IMG_0349p0web1.jpg
IMG_0349p0web1.jpg [ 373.96 KiB | 3843 mal betrachtet ]


Zuletzt geändert von Wolfgang_Vollmann am 19. Juli 2020, 20:27:31 PM, insgesamt 1-mal geändert.
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 19. Juli 2020, 15:30:12 PM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 26. Januar 2019, 13:26:37 PM
Beiträge: 5
Tolle Bilder, vielen Dank!

Nachdem ich quasi die ganze Woche durch Regenwolken keine Chance auf Kometensicht hatte, konnte ich gestern Abend gegen 23:30 MESZ den NEOWISE bei klarem Himmel ohne besondere Suche sofort am Nachthimmel entdecken bei 2-3 mag und einer Schweiflänge von mindestens 1 Grad mit bloßem Auge. Im 11x80 Bino mit 4.5 Grad Sichtfeld reichte der Schweif fast komplett durch das Sichtfeld mit 3-4 Grad Länge und erkennbarer Krümmung.

Irgendwo las ich in dieser Woche, der helle Komet wäre ein Generationenereignis. Nach meinen eigenen Aufzeichnungen von Kometenbeobachtungen waren "meine" hellsten die beiden Kometen im Jahr 1996, nämlich Hyakutake und vor allem Hale-Bopp. Allerdings habe ich in den letzten 15 Jahren die Kometen wohl eher vernachlässigt, erinnere mich nur dunkel an einen vor vielleicht 5-7 Jahren, von dem ich gerade keine Aufzeichnungen finde.

_________________
Leiter der Sektion für Kataklysmische und Eruptive Sterne in der BAV
https://www.bav-astro.eu/


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 19. Juli 2020, 17:45:30 PM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 20. Oktober 2016, 07:46:12 AM
Beiträge: 67
Wohnort: Zwischen HH und HB
hallo Forum,

anbei eine Gesamtansicht mittels FG erhalten:

17.7.2020, 1:20 MESZ, Feld nahe Jeersdorf

8x44 Steiner NightHunter XP

Ich sah erstmalig den Gasschweif visuell !
Dateianhang:
20200717C2020F3AT.jpg
20200717C2020F3AT.jpg [ 363.09 KiB | 3784 mal betrachtet ]
Meine Messung:

2.5mag, DC 8, Durchmesser 13` mit Schweif 5.5° in PA 355°

Gruß
Christian


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 20. Juli 2020, 06:51:01 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Sehr schön! Ich war am Samstag auch unter einem dunklen Himmel, habe aber den Gasschweif nicht ausmachen können. Es war aber auch leicht diesig-verhangen (16x70).


Dateianhänge:
2007182330C!2020~F3(NEOWISE]_16x70_16.jpg
2007182330C!2020~F3(NEOWISE]_16x70_16.jpg [ 60.87 KiB | 3682 mal betrachtet ]

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 20. Juli 2020, 12:31:21 PM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 04. Juni 2018, 16:12:24 PM
Beiträge: 82
Wohnort: Linter
Hallo zusammen,

für mich erscheint der Komet mittlerweile klar schwächer als 3. Größenklasse. Die sehr hellen Schätzungen, die derzeit noch ab&an zu sehen sind, kann ich leider nicht nachvollziehen. Das Problem kann hier aber auch daran liegen, dass die Komagröße überschätzt wird, weil Teile des sehr hellen Schweifes mit in den Komadurchmesser einbezogen werden, was in der Konsequenz zu einer helleren Schätzung führt.

Maik


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 20. Juli 2020, 21:29:20 PM 
Offline
Nutzer

Registriert: 29. März 2020, 15:51:29 PM
Beiträge: 15
Hallo zusammen,

anbei meine Zeichnungen aus der Nacht von Samstag auf Sonntag mit 8x56 Feldstecher und 12" Dobson. Mit dem Feldstecher konnte ich den Staubschweif über 11° verfolgen und den Ionenschweif über 10°.

Mal eine Frage:
Wenn man fürs Fachgruppenarchiv oder für COBS den Positionswinkel des Schweifs angibt, was gibt man bei einem gekrümmten Schweif an? Richtung des Schweifansatzes hinter der Koma, Richtung des wahrgenommenen Schweifendes, oder ein Mittelwert dazwischen?

Clear skies

Robin


Dateianhänge:
C2020F3Robin20200719.jpg
C2020F3Robin20200719.jpg [ 148.61 KiB | 3580 mal betrachtet ]
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 20. Juli 2020, 21:43:22 PM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 20. Oktober 2016, 07:46:12 AM
Beiträge: 67
Wohnort: Zwischen HH und HB
hallo Forum,

Robin:
sehr schöne Zeichnungen zeigst Du uns !
Man sieht aus ihnen aber das Du keine "bremsenden" weißen Nächte hast wie wir Nordlichter.

Gruß
Christian


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 21. Juli 2020, 09:50:16 AM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 06. Juli 2020, 20:27:36 PM
Beiträge: 3
Zitat:
Hallo zusammen,

für mich erscheint der Komet mittlerweile klar schwächer als 3. Größenklasse. Die sehr hellen Schätzungen, die derzeit noch ab&an zu sehen sind, kann ich leider nicht nachvollziehen. Das Problem kann hier aber auch daran liegen, dass die Komagröße überschätzt wird, weil Teile des sehr hellen Schweifes mit in den Komadurchmesser einbezogen werden, was in der Konsequenz zu einer helleren Schätzung führt.

Maik
Hallo Maik und Forum,

das ist die Erklärung. Wenn ich ohne Brille schätze dann ist ja der helle Staubschweif in der Kometenhelligkeit mit drin.
Auch auf den DSLR Aufnahmen ist der helle Schweif in der großen Blende.

Gestern am 20.Jul. um 21:00 UT schätzte ich freisichtig ohne Brille (also mit Staubschweif) 2,9mag.
Im 10x50 Fernglas bin ich auf 3,5mag gekommen, da habe ich versucht nur die kleine Koma zu beurteilen.

Mit den DSLR Aufnahmen von gestern habe ich den Kometen je nach Blendengröße zwischen 3,5mag (nur Koma) und 2,6mag (mit Staubschweif).

Viele Grüße
Wolfgang


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 21. Juli 2020, 09:55:57 AM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 04. Juni 2018, 16:12:24 PM
Beiträge: 82
Wohnort: Linter
Hallo Robin,

zu Deiner Frage bezüglich des Positionswinkels bei gekrümmten Schweifen:

Das Standardformat kann natürlich solche Dinge nicht abbilden. Ich selbst halte es meistens so, dass ich den Positionswinkel des Schweifansatzes angebe und dann, wenn nötig, weitere Angaben verbal in den Kommentaren hinzufüge (dies lässt auch das ICQ-Format zu). Dann kann man auch z.B. den Öffnungswinkel des Schweifes oder den überdeckten Positionswinkel-Bereich etc. mit angeben. Letztlich sehe ich aber die Angabe des Positionswinkels bei visuellen Beobachtungen als untergeordnet an, da dies fotografisch natürlich besser erfasst wird. Die Länge selbst ist sicher interessanter, besonders zum Vergleich mit historischen Erscheinungen.

Gruß,
Maik


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 21. Juli 2020, 10:03:00 AM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 04. Juni 2018, 16:12:24 PM
Beiträge: 82
Wohnort: Linter
Hallo Wolfgang,

man glaubt es oft nicht, aber auch das Schätzen heller Kometen hat seine Tücken. Auch ich tue mich da wirklich sehr schwer. Und sicher spielen hier Beobachtereigenschaften (das Auge!) eine ebenso große Rolle. Mein Farbsehen im Dunkeln ist zum Beispiel ganz schlecht. Ich habe auch schon mit anderen Beobachtern beobachtet, die Dinge sahen, die ich überhaupt nicht wahrgenommen habe.

Die Schätzungen mit bloßem Auge laufen bei mir als Brillenträger ähnlich ab: Komet mit Brille, Vergleichssterne ohne Brille oder mit dem Nahsichtbereich der Gleitsichtbrille. Ich habe nur ca. 2 Dioptrien, da geht das ganz gut. Nachteil hier: gezielte Defokussierung ist nicht möglich. Und mein Astigmatismus macht es auch nicht einfacher.

Gruß,
Maik


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 21. Juli 2020, 22:38:49 PM 
Offline
Nutzer

Registriert: 24. April 2017, 18:33:56 PM
Beiträge: 30
Zitat:
Zitat:
Hallo zusammen,

für mich erscheint der Komet mittlerweile klar schwächer als 3. Größenklasse. Die sehr hellen Schätzungen, die derzeit noch ab&an zu sehen sind, kann ich leider nicht nachvollziehen. Das Problem kann hier aber auch daran liegen, dass die Komagröße überschätzt wird, weil Teile des sehr hellen Schweifes mit in den Komadurchmesser einbezogen werden, was in der Konsequenz zu einer helleren Schätzung führt.

Maik
Hallo Maik und Forum,

das ist die Erklärung. Wenn ich ohne Brille schätze dann ist ja der helle Staubschweif in der Kometenhelligkeit mit drin.
Auch auf den DSLR Aufnahmen ist der helle Schweif in der großen Blende.

Gestern am 20.Jul. um 21:00 UT schätzte ich freisichtig ohne Brille (also mit Staubschweif) 2,9mag.
Im 10x50 Fernglas bin ich auf 3,5mag gekommen, da habe ich versucht nur die kleine Koma zu beurteilen.

Mit den DSLR Aufnahmen von gestern habe ich den Kometen je nach Blendengröße zwischen 3,5mag (nur Koma) und 2,6mag (mit Staubschweif).

Viele Grüße
Wolfgang
Da bin ich als ungeübter Helligkeitsschätzer doch etwa bei Euch.
Für letzte Nacht (20./21.) habe ich ihn mit 9 + 25 UMa festgemacht, also bei etwa 3,1 mag visuell (Brille - ohne wird nichts). Auf jeden Fall geht es nicht einfach so "rausgehen, gucken, da "isser" unter Einfluß von etwas Mitternachtsdämmerung bzw. es gab noch tiefe NLC.

_________________
Gruß,
Olaf


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 22. Juli 2020, 06:09:33 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Im ATEL #13884
http://www.astronomerstelegram.org/?read=13884
wird von der Analyse von Strukturen der inneren Koma berichtet. Offensichtlich gibt es zumindest ein großes Aktivitätsgebiet, dessen Rotation sichtbar ist.

In CBET 4816 wird von einer Spiralstruktur und anderen EInzelheiten der inneren Koma berichtet, Bilder vom 19. Juli.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 22. Juli 2020, 07:04:49 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Ich habe den Kometen gestern nach meiner Schmalbandbeobachtung natürlich auch die Helligkeit geschätzt: 3m1. Das war viertel 12, es war noch Dämmerung im Himmel.

Das muss man beim Vergleich der Messungen beachten: Im Norden wird es überhaupt nicht dunkel, und auch in anderen Teilen Deutschlands wird wohl nicht immer die volle Dunkelheit abgewartet. Da der Komet der Erde näher gekommen ist, sich aber von der Sonne netfernt, ist er größer und diffuser - und nicht unbedingt viel lichtschwächer als gesamte Erscheinung.

Am Samstag war ich ja im Dunklen und habe weit nach Mtternacht gemessen.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 22. Juli 2020, 18:44:06 PM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 04. Juni 2018, 16:12:24 PM
Beiträge: 82
Wohnort: Linter
Ich konnte mich gestern Abend nicht zurückhalten, nochmal einen Fotoversuch zu starten. Anbei das Ergebnis von 8x13 Sek mit einer nicht-modifizierten Canos EOS 350D, 50 mm, ISO 800. Nur ein Dark wurde korrigiert, kein Flat oder Bias. Schwerst bearbeitet, um den Ionenschweif sichtbar zu machen.

Das war's dann aber auch mit den Versuchen der Kometenfotos für mich... ist zwar nicht schön, aber ich bin trotzdem stolz wie Bolle. :D

Maik


Dateianhänge:
2020f3_jul21_2215UT_small.jpg
2020f3_jul21_2215UT_small.jpg [ 1.19 MiB | 2945 mal betrachtet ]
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 22. Juli 2020, 20:13:57 PM 
Offline
Nutzer

Registriert: 24. April 2017, 18:33:56 PM
Beiträge: 30
Zitat:
...
Das war's dann aber auch mit den Versuchen der Kometenfotos für mich... ist zwar nicht schön, aber ich bin trotzdem stolz wie Bolle. :D
...
Das zählt doch ganz viel, Maik!
Ich fühle mit Dir :-)

Hier an der Ostsee ließ auch die letzte Nacht nur Wolken-/Kometenkämpfe zu. Viel an Einzelaufnamen oder zum Stacken kam da nicht zusammen.
Das Kunstlicht tat mit den beleuchteten Cumuluswolken das Übrige für einen netten Orangebraunton.
Eine Helligkeitsschätzung konnte ich während der Lückensuche nicht vornehmen.
Wenn er auch insgesamt schwächer wird, so wird er fotografisch durchaus interessanter!
Auch wenn das meine Bilder nicht wirklich wiedergeben - aber immerhin, für mich ist es immerhin auch ein Ergebnis.

Sony Alpha 7S + Pentacon 4@5,6/300 mm

Einmal mit Parallelschnuppe?? Satellit??
Dateianhang:
Dateikommentar: Mit Sternschnuppe oder Sat-Flare??
30", ISO 1600, auf 25 % verkleinert, 23:55 UT

_DSC05802_Schnuppe_Sat_25proz_sw.jpg
_DSC05802_Schnuppe_Sat_25proz_sw.jpg [ 116.1 KiB | 2926 mal betrachtet ]
Dateianhang:
Dateikommentar: 7 x 30", ISO 1600, auf 30 % verkleinert, 23:59 - 00:04 UT, stark an den Reglern gedreht
_DSC05807-14_ausser_09_7x_Median_sw.jpg
_DSC05807-14_ausser_09_7x_Median_sw.jpg [ 365.38 KiB | 2926 mal betrachtet ]

_________________
Gruß,
Olaf


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 23. Juli 2020, 06:45:12 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
In der Kometen-Mailing-Liste berichtet Charles Morris über seine eigenen Schwierigkeiten bei der Helligkeitsschätzung des Kometen. Er probagiert - wen wunderts - seine eigene Methode. Sie ist ein Mittelding zwischen Sidgwick (In-Out) und Bobrovnikoff (Out-Out): Der leicht defokussierte Komet wird mit dem stark defokussierten Stern verglichen. Charles kommt gut damit zurecht.
Ich empfehle übrigens, die harmonisierende Wirkung des indirekten Sehens zu verwenden. Die ist bei allen Verfahren anwendbar und macht das einfach handzuhabende Bobrovnikoff leistungsfähiger: Die Unterschiede in der Helligkeitsverteilung zwischen Stern und Komet sind ja der größte Störfaktor. Im indirekten Sehen geht die Auflösung des Auges runter, und es kommt stärker der integrale Helligkeitseindruck zum Tragen. Außerdem werden schwache Außenbereiche besser erfasst.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 23. Juli 2020, 09:33:01 AM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 04. Juni 2018, 16:12:24 PM
Beiträge: 82
Wohnort: Linter
Hallo Uwe,

bei mir ist mit Sidgwick (S) spätestens ab DC 5 Schluss. Danach nehme ich immer Morris (M). Bobrovnikoff (B) ist selten anwendbar, da theoretisch der Komet und die Vergleichssterne zugleich im Gesichtsfeld sein müssen.

Viele Grüße

Maik


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 23. Juli 2020, 12:44:45 PM 
Offline
Nutzer
Benutzeravatar

Registriert: 08. Februar 2019, 14:16:40 PM
Beiträge: 21
Wohnort: Ludwigsburg
Hallo zusammen!
Vorgestern Abend, am 21.07., konnte ich einen entspannten Abend im Feld mit meinem 12-Zöller, dem ED-80 und dem Kometen verbringen!

Der Komet nimmt, so wie ich es wahrnehme, immer weiter an Helligkeit ab, die Größe legt dafür deutlich zu. Die subjektive Abnahme der Helligkeit kann aber tatsächlich auch von dieser zunehmenden Göße herrühren. Es ist schon erstaunlich, wie lang der Schweif, auch der Gasschweif auf den wunderbaren Bildern hier im Forum herauskommt! Wahnsinn!

Ich habe versucht, den Gasschweif visuell mit dem 12-Zöller zu sichten, aber das ist mir leider nicht gelungen. Auch mit größeren Gesichtsfeldern mit dem ED oder meinem 15x70er FG war der Komet zwar sehr eindrucksvoll und ein herrlicher Anblick, jedoch der Ionenschweif blieb mir verborgen.

Ich habe vor dem Abbau noch ein Bild mit 50 Aufnahmen à 15 Sekunden/ISO1600 mit dem ED80 und einer DSLR (70D) gemacht, das ich hier noch gerne anhänge. Ganz erstaunlich finde ich, wie die Koma mittlerweile sehr grün leuchtet. Meine Aufnahmen, die ich in den letzten Tagen davor erstellt habe, zeigen keine bis wenig Grünfärbung. Hat sich der Komet diesbezüglich verändert? Vielleicht bilde ich mir das ein, da mein Dunkel-Farbsehen wie bei Maik auch nicht so prickelnd ist, aber ich hatte den Eindruck, die Grünfärbung auch visuell wahrzunehmen.

Liebe Grüße! Raymond

EDIT: Gerade habe ich auch den parallelen Thread über das Spektrum von F3 gelesen, von allem die Grafik von Thorsten verdeutlicht ja auch meine visuelle und fotografischen Eindrücke! Spannend! Da stellt sich mir die Frage, wie so etwas geschehen kann? Ist der Kometenkern in seiner Verteilung der chemischen Elemente inhomogen, so dass zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Elemente/Moleküle herausgelöst werden/sublimieren? Oder hat das mit der Entfernung von der Sonne zu tun?


Dateianhänge:
C2020-F3-Neowise_20200721_50x15s_ED80k.jpg
C2020-F3-Neowise_20200721_50x15s_ED80k.jpg [ 288.43 KiB | 2815 mal betrachtet ]

_________________
---------------------------------------------
12" Orion-UK & SW ED80/600
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 23. Juli 2020, 22:45:10 PM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 18. November 2018, 22:05:15 PM
Beiträge: 4
Ist es nicht wunderbar, dass wir ein so besonderen Kometen erleben dürfen?
Ein Geschenk des Himmels für mein überglückliches Sternguckerherz.
In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli habe ich den eindrucksvollen Kometenkopf
mit seinem Kern, der Koma und den Strahlen und Strukturen im Schweifansatz
bei langer Brennweite dokumentiert. Auch visuell sehr imposant.

Sternfreundlicher Gruß
Günther


Dateianhänge:
Komet Neowise 21_22_7_2020 Bild_3.jpg
Komet Neowise 21_22_7_2020 Bild_3.jpg [ 572.06 KiB | 2674 mal betrachtet ]
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 24. Juli 2020, 06:20:57 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
> Ist der Kometenkern in seiner Verteilung der chemischen Elemente inhomogen, so dass zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Elemente/Moleküle herausgelöst werden/sublimieren?

Kurz gesagt: Grün ist Plasma, gelb ist Staub.

Vor dem Perihel war der Komet ein typishc gasreicher Körper, wie das Foto von Gerald schön zeigt. Offenbar ist beim Periheldurchgang jede Menge Staub freigesetzt worden, denn der Komet war typisch staubreich. Das ist auch für einen langperiodischen Kometen gut zu erklären: Nach einem Perihel bildet sich auf der Oberfläche eine dicke Kruste, ähnlich einem Schneehaufen am Straßenrand gegen Ende des Winters (jetzt kaum noch zu beobachten). Neowise ist der Sonnes ehr nahe gekommen, was zu einem hoghen Energieeintrag geführt hat. Man kann davon ausgehen, dass große Teile dieser Kuste weggesprengt wurden und dann Staub freisetzten. Bei geringerem Perihelabstand werden nur einzelen Aktivitätsgebiete freigelegt und der Effekt ist nicht so ausgeprägt.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 24. Juli 2020, 18:11:02 PM 
Offline
Nutzer
Benutzeravatar

Registriert: 08. Februar 2019, 14:16:40 PM
Beiträge: 21
Wohnort: Ludwigsburg
Lieber Uwe!
Danke für Deine Erklärungen! OK, das verstehe ich. Ich habe mir gerade auch wieder das Buch von Burkhard und Dir vorgenommen. Nachdem ich Kometenneuling nun endlich auch mal einen richtigen Kometen zu Gesicht bekommen habe, lese ich es nun "mit anderen Augen" :-)


@Günther: das ist ja ein klasse Bild! Waren die Strahlen am Schweifansatz denn auch visuell zu sehen?


Liebe Grüße!
Raymond

_________________
---------------------------------------------
12" Orion-UK & SW ED80/600


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 25. Juli 2020, 12:14:13 PM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 22. Oktober 2016, 08:15:59 AM
Beiträge: 80
Hallo,
meine neuesten Aufnahmen schlummern noch in der Kamera. Aber ich konnte am Do. abend überraschend (Wetter) doch gut beobachten. Im 10" Newton meines Mitbeobachters war die grüne Farbe eindeutig zu sehen. Im Vergleich zu den Beobachtungen am 10.7. im 4" Refraktor war wenig Detail zu sehen. Meine Beobachtungen mit dem 4" am 10.7 waren "schöner" und interessanter. Meine visuellen Beobachtungen am 10.7. entsprechen meinem Bild vom 10.7. http://fg-kometen.vdsastro.de/pix/2020F ... 072020.htm

Gruß,
Stefan


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 25. Juli 2020, 14:58:53 PM 
Offline
Nutzer

Registriert: 24. April 2017, 18:33:56 PM
Beiträge: 30
Ich kann für diese Nacht tatsächlich wieder meinen Text von weiter oben zitieren ;-(

"Hier an der Ostsee ließ auch die letzte Nacht nur Wolken-/Kometenkämpfe zu. Viel an Einzelaufnamen oder zum Stacken kam da nicht zusammen.
Das Kunstlicht tat mit den beleuchteten Cumuluswolken das Übrige für einen netten Orangebraunton.
Eine Helligkeitsschätzung konnte ich während der Lückensuche nicht vornehmen.
..."


Einen Unterschied gibt es: Ich habe noch weniger Bilder zusammenbekommen.
Eigentlich nur eines, siehe Anhang. Mit Satellit.

Sony Alpha 7S + Pentacon 4/300 mm
23:13 UT
t 25"
ISO 1600
auf 25 % verkleinert, in Graustufen umgewandelt und ordentlich an den Reglern gedreht

Dateianhang:
Dateikommentar: 2020-07-24, 23:13 UT
_DSC05825_sw_25proz.jpg
_DSC05825_sw_25proz.jpg [ 210.26 KiB | 2374 mal betrachtet ]

_________________
Gruß,
Olaf


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 25. Juli 2020, 16:02:58 PM 
Offline
Meister

Registriert: 02. September 2017, 10:40:01 AM
Beiträge: 204
Hallo aktuell bin ich mit mittlerer Brennweite unterwegs. Da kommen die Strukturen im Ionenschweif besonders schön, Bild vom 23.7. cs Michael


Dateianhänge:
2020F320200723rgb-1_3.jpg
2020F320200723rgb-1_3.jpg [ 1.37 MiB | 2371 mal betrachtet ]
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 25. Juli 2020, 19:55:14 PM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Lieber Olaf, die Ähnlichkeit zu meiner Zeichnung (16x70) ist frappierend. Du kannst den Schweif aber weiter verfolgen, als mir es gelang.


Dateianhänge:
2007242145C!2020F3(NEOWISE)_16x70.jpg
2007242145C!2020F3(NEOWISE)_16x70.jpg [ 10.4 KiB | 2270 mal betrachtet ]

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 28. Juli 2020, 21:44:41 PM 
Offline
Nutzer

Registriert: 24. April 2017, 18:33:56 PM
Beiträge: 30
Hier noch ein kleiner Nachtrag vom 26./27.07.
Das war die erste gemütliche Sommernacht in dieser Saison. Kein störender Wind, kein Daunenjackenzwang ;-) und (nahezu) durchgehend keine Wolken.
Dann kamen noch ab einem Sonnenstand von unter -16° zunächst schwache NLC dazu, welche am Morgen von Rostock aus nahezu den gesamten Himmel überspannten. Die Nacht wollte scheinbar nicht aufhören :-)
Zunächst begann sie aber mit Ruhe bevor für NEOWISE gegen 22:40 UT der Wecker ging.

Heute schaltete ich mal einen Astrnomik CLS Sony Clip-Filter in den Strahlengang.
Sony Alpha 7S + Pentacon 4/300 mm (1/2 Stufe abgeblendet).

Das Auffinden klappte noch recht gut.
Anfangs sah ich ihn noch blickweise bzw. indirekt bei etwas über 10° Höhe über dem Horizont. Dies ließ aber bald nach. Er näherte sich noch dem Horizont.
Ein Helligkeitsvergleich fiel mir schwer. Der Himmel selbst hatte für hiesige Bedingungen sehr gute Transparenz. Die Milchstraße im Schwan kam durch. Das heißt hier in der Stadt schon was. Etwas später hielt ich mich wg. der Grenzgröße an den ca. 60° hoch stehenden Eta Ursa Minoris (4,95 mag - nach Stellarium). Den konnte ich blickweise bzw. indirekt erkennen. Das ist hier seltener der Fall.
So ungefähr, dachte ich mir, sah vorhin NEOWISE aus - allerdings bei viel niedrigerem Stand!

Nun ja, vom Fotoergebnis hatte ich mir ganz ehrlich mehr erhofft.
Hier ein Stack aus 11 x ISO 3200 bei t 30", verkleinert (35 %), beschnitten, Graustufenumwandlung + "wie immer" kräftig an Reglern gedreht ;-)
Dateianhang:
DSC05868-11x_3200_Median_LUMINAR_sw_35proz.jpg
DSC05868-11x_3200_Median_LUMINAR_sw_35proz.jpg [ 256.2 KiB | 1930 mal betrachtet ]

_________________
Gruß,
Olaf


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 29. Juli 2020, 19:57:56 PM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 20. Oktober 2016, 07:46:12 AM
Beiträge: 67
Wohnort: Zwischen HH und HB
hallo Forum,

anbei etwas verspätet eine weitere Gesamtansicht :
21.7.2020, 0:20 MESZ, der Komet stand in 16.5° Höhe
Bino 8x44 Steiner Nighthunter XP

Dateianhang:
20200721C2020F3CN.jpg
20200721C2020F3CN.jpg [ 263.26 KiB | 1868 mal betrachtet ]

Erneut war der schwache Gasschweif visuell erfassbar.



Gruß
Christian


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 29. Juli 2020, 20:01:14 PM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 20. Oktober 2016, 07:46:12 AM
Beiträge: 67
Wohnort: Zwischen HH und HB
hallo Forum,

anbei drei weitere Detailstudien des Kernbereiches :

18.7.2020, 0:15 MESZ
12" f/4 Dobson, V 86x

Dateianhang:
20200718C2020F3CN.jpg
20200718C2020F3CN.jpg [ 169.31 KiB | 1865 mal betrachtet ]


20.7.2020, 23:09 MESZ
12" f/4 Dobson, V 133x

Dateianhang:
20200720C2020F3CN.jpg
20200720C2020F3CN.jpg [ 58.82 KiB | 1865 mal betrachtet ]


21.7.2020, 22:55 MESZ
12" f/4 Dobson, V 96x

Dateianhang:
20200720C2020F3kCN.jpg
20200720C2020F3kCN.jpg [ 125.56 KiB | 1865 mal betrachtet ]

Gruß
Christian


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 29. Juli 2020, 21:04:10 PM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 04. Juni 2018, 16:12:24 PM
Beiträge: 82
Wohnort: Linter
Hallo Christian,

beeindruckend! Dafür habe ich weder den Himmel noch die Augen.

Klasse!

Maik


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 29. Juli 2020, 22:49:41 PM 
Offline
Nutzer

Registriert: 24. April 2017, 18:33:56 PM
Beiträge: 30
Christian, das "fetzt" :-)

_________________
Gruß,
Olaf


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 30. Juli 2020, 09:26:33 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Der Schweif zeigt interessante Strukturen, auch wenn jetzt alles etwas schwächer wird. Ich habe das mal nachgerechnet an einem Bild von Michael vom 25. Juli. Zumindest im Okular ware für mich in der letzten Zeit zwei deutlich getrennte Schweifteile auszumachen, ein wenig gekrümmter heller und eine schwächere Ausfaserung entgegen der Bahn am Himmel. Die Simulation zeigt, dass der helle Schweif aus Partikeln zwischen 0,5 un 1,5 µm besteht, und die schwache Ausfaserung aus Partikeln bis zu 30 µm. Letztere sind 20-fach weniger häufig, als ich es nach den Annahmen im Programm für einen kontinuierlichen Schweif sein sollte.

Parametersatz als Referenz:
cmttail -k2020f3 -T20200725 -S100 -X600 -Y100 -m05000050150030015300


Dateianhänge:
2.jpg
2.jpg [ 158.73 KiB | 1755 mal betrachtet ]

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 30. Juli 2020, 09:31:36 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Am Anfang der Sichtbarkeitsperiode war der Schweif ja nicht so breit. Da stellt sich nun die Frage: Haben wir das nur nicht gesehen, weil zu schwach, oder hat sich das erst entwickelt? Ich habe auch das simuliert, wieder gegen ein Bild von Micha vom 7. Juli. Es sieht so aus, als ob diese schweren Teilchen zumindest dagewesen sein könnten. Viel interessanter ist jedoch, dass eine deutliche Fraktion von Teilchen in Bereich 0,2 -05 µm vertreten sind. Noch kleinere Teilchen sieht man nicht, weil sie weit unterhalb der Lichtwellenlänge sind und nichts reflektieren.
Diese kleinen Teilchen sind natürlich kurzlebig und werden durch die Sonnenstrahlung zermüllert, das heißt in noch kleinere, dann nicht mehr sichtbare Partikel zerlegt.

All das lässt darauf schließen, dass zum perihel jede menge Staub freigesetzt wurde. Ein weiterer Hinweis darauf ist ja auch, dass der Komet vor dem Perihel gasreich war, fast kein Staub sichtbar, und in den letzten Tagen wieder gasreich wird.

Parametersatz:
cmttail -k2020f3 -T20200707 -S100 -X100 -Y300 -m001000501500030153000090002005 -v1


Dateianhänge:
3.jpg
3.jpg [ 141.75 KiB | 1755 mal betrachtet ]

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 02. August 2020, 19:04:58 PM 
Offline
Dauernutzer
Benutzeravatar

Registriert: 20. Oktober 2016, 07:46:12 AM
Beiträge: 67
Wohnort: Zwischen HH und HB
hallo Forum,

Anbei noch eine Zeichnung vom 31.7.2020, 23:45 MESZ, in nur 17.7° Höhe, Mondschein ( 91.5% beleuchtet )
16x70 TS Bino
Grenzgröße bis 10.0 mag, gesehen, und hier dargestellt :

Dateianhang:
20200731x2020Fcn.jpg
20200731x2020Fcn.jpg [ 33.34 KiB | 1368 mal betrachtet ]

Messung mit dem 16x70:
5.5mag, DC 6, Durchm. 8` mit Schweifansatz 35` in PA 82°

Gruß
Christian


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 02. August 2020, 23:16:44 PM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 11. Juli 2020, 00:04:48 AM
Beiträge: 5
Guten Abend,
als Neuling hier im Forum möchte ich allen meinen Dank und Respekt über die vielfältigen Arbeiten ausrichten. Wirklich toll und das hat mich überzeugt der VDS beizutreten.


@Uwe : Die Simulation der Partikelgröße im Staubschweif finde ich sehr spannend. Welches Programm benutzt du dafür und wo finde ich mehr zu dem Thema?


Als kleinen Beitrag von mir meine Beobachtung vom 31.07.2020 21:15 UT
B 7*42
5,1 mag - In - Out - Vergleichstern 13 Com - 5,15 mag HI
Schweif nur ansatzweise erkennbar - Mond und Dämmerung störten erheblich

Koma ca. 7' - DC 6 - Nach Auswertung der Aufnahmen

Beste Grüße,
Hermann


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 03. August 2020, 10:40:03 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Lieber Herrmann, das programm habe ich selbst geschrieben. Es generiert kontinuierlich Partikel, rechnet für alle die Kräftebilanz und verfolgt deren Weg relativ zum Kometen. Mehr Informationen gibt es also nur von mir :)

Ich habe das vor paar Jahren mal geschrieben, weil eben nichts vergleichbares zu finden war. Bei einem der Treffen unter uns Kometenfreunden habe ich dazu auch mal einen kleinen Workshop gemacht. Im Prinzip kannst du das Programm auch bekommen, aber ohne Einweisung und etwas tieferes Wissen wird da nichts vertrauenswürdiges rauskommen. ich tue mich ja selbst manchmal noch schwer bei verwickelten Fragestellungen.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 03. August 2020, 18:11:44 PM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 12. Juli 2020, 23:06:02 PM
Beiträge: 1
Hallo, zusammen,

am letzten Freitagabend, 31.7.2020, konnte ich den NEOWISE endlich auch mal von Rheinberg aus aufnehmen. Mit der 700Da am C11 habe ich 101 20s-Aufnahmen gemacht, die ich in 3 zeitliche Portionen aufgeteilt und per Hand in Photoshop gestackt habe.

In Photoshop habe ich dann das Radial-Helligkeitsprofil der Koma entfernt und kernnahe Strukturen herausgearbeitet. Die 3 zeitlichen Portionen habe ich in einer gif-Animation zusammengestellt, damit man die Bewegung besser erkennen kann, s. Anhang. Alle 3 Aufnahmen wurden natürlich identisch behandelt.

Man sieht einerseits die ringförmigen/spiralartigen Strukturen, wie sie sich im Aufnahmezeitraum ausdehnen und schwächer werden, und auch den Gasschweif, der mit seiner Spitze genau auf den hellen Fächer am False Nucleus zielt. Wegen der kurzen Belichtung sind im Gasschweif keine Strukturen erkennbar. Aber das war ja auch nicht das Hauptziel der Beobachtung.

Den kleinen Bruch-Kometen, den Bernd Gährken an einem 80-cm-Spiegel drauf hatte, erkenne ich bei meinen Aufnahmen nicht. Vielleicht braucht es dafür längere Belichtungszeiten.

Liebe Grüße
Werner


Dateianhänge:
Dateikommentar: Zeitreihe am 31.07.2020, 20:40, 21:19, 22:09 UT
Zeitreihe 3img 2040+2119+2209UT untereinander mTxt 4K.jpg
Zeitreihe 3img 2040+2119+2209UT untereinander mTxt 4K.jpg [ 1.59 MiB | 1267 mal betrachtet ]
Dateikommentar: Animation vom 31.07.2020, 20:40 bis 22:09 UT
Gif-Anim 1-3 2040-2209UT VGA pipp.gif
Gif-Anim 1-3 2040-2209UT VGA pipp.gif [ 325.64 KiB | 1267 mal betrachtet ]
Nach oben
   
BeitragVerfasst: 04. August 2020, 00:58:38 AM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 11. Juli 2020, 00:04:48 AM
Beiträge: 5
Guten Abend Uwe,

Mich interessiert zunächst einmal, mehr über die Physik und Chemie der Kometenschweife zu erfahren. Gibt es dazu entsprechende Lirteratur? Und im Speziellen zu deiner Simulation: Welche Annahmen über die Partikel und welche Wechselwirkungen gehen in deine Berechnung ein? Ich stelle mir das sehr komplex vor. Was mich fasziniert ist, wie die Auffächerung des Staubschweifs anscheinend nur durch unterschiedliche Partikelgrößen zustande kommt.

Beste Grüße,
Hermann


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 04. August 2020, 06:51:17 AM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Es gibt zwei deutschsprachige Bücher über Kometen. Das ältere ist nicht mehr im Hanbel erhältlich, steht aber auf unseren Internetseiten. Das Oculum-Buch von 2013 entstand unter Mitwirkung der gesamten fachgruppe, es wurden viele Fotos dort publiziert. Es wurde im Preis imzwischen herabgesetzt.

Das Prinzip des Simulationsprogramms besteht darin, dass jeden Tag (zyklisch) eine Menge Partikel freigesetzt werden. Das Durchmesser-Spektrum habe ich aus der Literatur entnommen, es kann aber beeinflusst werden. Die freigesetzten Partikel haben eine Lebensdauer, denn sie werden ja durch die Sonnenstrahlung zermüllert.
Für alle Teilchen, die noch im Umlauf sind (also die frischen und diejenigen der vorigen Tage) berechne ich die Kräftebilanz aus Sonnenanziehung und Strahlungsdruck. Das Ergebnis hängt vom Durchmesser ab. Große Teilchen sind weniger beeindflusst und verbeleiben länger in der Nähe des Nukleus. Den Poynting-Robertson-Effekt berücksichtige ich nicht.
Aus dieser resultierenden Kraft wird die Beschleunigung, die Geschwindigkeit und schließlich der Ort jedes Teilchens berechnet. Ich berechne zudem den neuen Ort des Nukleus mit ganz normaler Bahnrechnung. Die Teilchen werden dann relativ zum Nukleus dargestellt, entweder heliozentrisch oder (interessanter) geozentrisch.

Es gibt zahlreichen Schnickschnack, den man anschalten kann. Zum Beispiel Syndynen (stärkere Emission von Teilchen eines Durchmesserspektrums), Synchronen (kurze zeitliche Erhöhung der Aktivität zB. durch Rotation eines Aktivitätsgebietes) oder die Anfangsgeschwindigkeit der Teilchen. Diese Parameter und vor allem das Teilchenspektrum müssen an einem Foto kalibirert werden. Dann kann man auch mit einer gewissen Erfolgsrate in die Zukunft rechnen.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 04. August 2020, 16:53:04 PM 
Offline
Meister
Benutzeravatar

Registriert: 20. Januar 2013, 20:03:54 PM
Beiträge: 952
Wohnort: Leipzig
Ich habe in meinen Aufzeichnungen nachgeschlagen: Laut Literatur sind die Teilchen in ihrer Anzahl 1:d^4 verteilt: halbe Große = 2^4 = 16-fache Anzahl. Auf dem Bildschirm projiziert geben die Teilchen einen Eindruck, der quadratisch mit dem Durchmesser wächst. Das habe ich gleich verrechnet, so dass ich eine 1:d²-Verteilung erzeuge und dafür alle Teilchen gleich groß plotte. Das Programm ist technisch in der Lage, auch 1:d³ und 1:d² zu rechnen, also verhältnismäßig weniger kleine Teilchen. Das habe ich aber noch nicht auf einen Parameter gelegt und muss durch Neukompilation eingestellt werden.

Krumme Exponenten kann ich übrigens derzeit nicht, weil ich Zufallszahlen erzeuge, welche dieser Verteilung entsprechen. Für krumme Exponenten lässt sich das nicht mehr formelmäßig auflösen und ich benötige eine iterative Methode zu ihrere Erzeugung, welche für ein Ergebnis mehrere Zufallszahlen verschlingt. Ordentlich erzeugte Zufallszahlen kosten aber recht viel Rechenkraft.

Ich versuche mal die Literaturstelle für das 1:d^4 zu finden. Das Programm habe ich übrigens zur Weihnachtszeit 2013 geschrieben, ist also schon eine Weile her.

_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 06. August 2020, 00:28:01 AM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 11. Juli 2020, 00:04:48 AM
Beiträge: 5
Guten Abend Uwe,
vielen Dank für deine Ausführungen. Ja das ist wie gedacht, eben etwas komplexer. Der grobe Weg ist zu erkennen, aber ich muss mir das mal in Ruhe am Wochenende skizzieren.

Gestern hab ich nochmal nach Neowise ausschau gehalten. Leider war eine ordentliche Beobachtung nicht möglich. Zu Mond und Dämmerung gesellten sich dann auch noch Wolken von Nordwest dazu. Ich konnte notdürftig ein paar Aufnahmen machen und danach lag die Helligekeit grob zwischen 6 und 7 mag.

Beste Grüße,
Hermann


Nach oben
   
BeitragVerfasst: 06. August 2020, 14:42:22 PM 
Offline
Neueinsteiger

Registriert: 11. Juli 2020, 00:04:48 AM
Beiträge: 5
Kleiner Beobachtungstipp nicht nur für Astrofotografen:
Heute Nacht kann eine schöne Konstellation beobachtet werden. Der Komet ist nur 30' von M53 und 45' von NGC 5053 entfernt.

Beste Grüße,
Hermann

Dateianhang:
200807 C2020F3 bei M53.jpg
200807 C2020F3 bei M53.jpg [ 25.14 KiB | 786 mal betrachtet ]


Nach oben
   
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen  Auf das Thema antworten  [ 104 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige 1 2 3 Nächste

Alle Zeiten sind UTC+02:00


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Limited
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de