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BeitragVerfasst: 22. Juli 2020, 06:46:27 AM 
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Liebe Beobachter,

angeregt durch unseren Fritz Gerber (inzwischen verstorben) habe ich mich mit der Beobachtung von Natriumemissionen sonnenaher Kometen beschäftigt. Darauf gibt es schon seit langem Hinweise, sehr bekannt ist das Bild des Na-Schweifs von Hale-Bopp.

Gemeinsam mit Fritz habe ich dazu etwas auf unseren Web-Seiten geschrieben, es geht v.a. um Tagbeobachtungen von Kometen.

Ich hatte zuerst ein Filterglas aus dem Spektroskopiebedarf, 10 nm Bandbreite. Dessen Haltbarkeit wurde mit zwei Jahren angegeben, und so war es dann auch: Nach einiger Zeit begann der Filter zu "rosten", ähnlich dem Problem bei den PST-Sonnenteleskopen. Die Ursache ist, dass als Filtermedium Silber benutzt wird.

Ich habe recherchiert, ob ich irgendwoher einen haltbaren Filter bekomme. Fritz hatte seine von seinem Sohn aus Amerika mitbringen lassen. Ich habe aber weltweit nichts gefunden, vielleicht aber nur ungeschickt gesucht. Ich war drauf und dran, wieder solch einen Spektroskopie-Filter von Thorlabs zu kaufen, mit fast 100€ kein Schnäppchen. Durch Zufall habe ich eine Alternative gefunden.

Die Firma Astro Electronic (=Michael Koch) hat spektroskopische Filter von Jenoptik (=Zeiß Jena). Ihr müßt auf dieser Seite etwas nach unten rollen. Der D-Linienfilter kostet 125€. Laut Herrn Koch liegen diese Filter schon etliche Jahre in seiner Schublade, keine Degradation. Ich habe einen bestellt, wurde schnell geliefert, gestern hatte ich ihn.

Dem Filter lag ein kleinen Meßprotokoll bei. Produziert wurde er 1992, scheint also tatsächlich etwas dauerhaftes zu sein. Die Bandbreite ist nominell 2 nm, gemessen 1,7 nm. Die zentrale Wellenlänge liegt exakt zwischen den beiden D-Linien, die maximale Transmission ist 74%. Das ist zwar weniger als bei den Nebelfiltern, die stets über 95% bei den interessierenden Linien haben. Für die Spektroskopie sind solch hohe Transmissionen nicht nötig und werden deshalb nicht gefertigt. Dies ist auch für unsere Anwendung - helle Kometen - nicht nötig.

Ich hatte überlegt, wie ich den Filter montiere. Bei 2 nm Bandbreite bleibt nicht viel Toleranz gegen Verkippung. Interferenzfilter andern ja die Farbe, wenn man sie verkippt, weil die Schichten effektiv dicker werden. Am Ende war es ganz einfach. Der Außendurchmesser der Fassung ist 32 mm. Das sind nur wenige Zehntel mehr als die Steckhülsen der 1,25-Zoll-Okulare. Ich habe einen zwei-auf-eineinviertel-Zoll-Adapter etwas ausgeschliffen und den Filter eingepresst. Da bleibt kaum Platz für Verkippung.

Herr Koch hat noch einige der Filter. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich den Kauf.

Ich habe gestern versucht, die Natriumemissionen des Kometen Neowise nochmals zu sehen. Sie waren sehr schwach.

Im alten Filter war mit meinem Setup vom Samstag (53x am 4-Zöller) war praktisch nichts zu sehen. Obwohl sich der alte Filter nicht mehr für eine geringere Vergrößerung eignet, habe ich dies dennoch versucht. Da war ein wenig zu sehen. Das kann aber auch das Kontinuum gewesen sein, bei 10 nm Bandbreite kommt ja einiges mit durch.
Der neue Filter zeigte bei 21x unter einem dunklen Beobachtungstuch und nach längerer Dunkelanpassung nur einen Hauch, und den auch nur indirekt. Einen Schweifansatz konnte ich im Natriumlicht nicht sicher erkennen. Es zogen dann Wolken durch, so dass ich das optische Gitter nicht noch einmal eingesetzt habe.

Ich hätte gleich am ersten Abend (10. Juli) den Filter benutzen sollen, als der Komet der Sonne noch näher war. Aber die Beobachtungseuphorie, ihn überhaupt erst mal zu sehen, hatte eben auch mich erfasst.


Dateianhänge:
filter.jpg
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_________________
Uwe Pilz, Fachgruppen Kometen und Astrophysik/Algorithmen.
Oft benutzte Instrumente: Swarovski SLC 7x50B, Fujinon 16x70 FMT-SX-2, TMB Apo 105/650, Skywatcher Evostar 120/900 ED, Ninja Dobson 320/1440
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BeitragVerfasst: 24. Juli 2020, 19:46:07 PM 
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Hallo Uwe,

vielen Dank für den Tip.
Ich habe das Filter in einer 1 1/4" Steckhülse mit teleskopseitigem T2-Gewinde untergebracht, so dass ich es visuell oder per Kamera nutzen kann. Zur Anpassung habe ich Wellpapier verwendet. Das Filter sitzt so recht stramm. Ob Feuchtigkeit später bei der Beobachtung eine Rolle spielt, wird sich zeigen. Besser wird sein, dass ich mir einen Anpassungsring drehen lasse, aber im Augenblick tut´s die Halterung.

Für Merkurs Natriumschweif, der kürzlich in der Planetenliste diskutiert wurde, und wohl nicht so schwierig zu beobachten sein soll, dürfte ich damit auch brauchbar gerüstet sein.

Bild


Grüße
Torsten


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