Forum der Vereinigung der Sternfreunde
https://forum.vdsastro.de/

Modelle von Sternatmosphären
https://forum.vdsastro.de/viewtopic.php?f=9&t=4180
Seite 1 von 1

Autor:  Christian Netzel [ 09. Juni 2014, 19:20:11 PM ]
Betreff des Beitrags:  Modelle von Sternatmosphären

Hallo,
da z. Zt. die Beobachtungsmöglichkeiten wegen der spät einsetzenden und hier nur gut 3h dauernden Dunkelheit ziemlich ungünstig sind, habe ich mich mal mit Modellen von Sternatmosphären versucht. Ich habe die Modelle von Castelli (2004) gewählt, weil es dafür eine geeignete Software SPECTRUM gibt.
http://www.appstate.edu/~grayro/spectru ... ode12.html
Als erstes Versuchsobjekt habe ich gamma Andromedae mit der Spaktralklasse K3IIb gewählt. Meinem Spektrum kam ich mit folgenden Annahmen am nächsten:
T = 4500 K
log g = 0,5
log (Metallhäufigkeit verglichen mit der Sonne) = -0,1, also leicht niedriger als die Metallizität der Sonne, wobei ich nur mit diesem Wert gearbeitet habe.
Bei T und log g habe ich verschiedene Werte probiert. Wie man sieht, ist die Modellierung der Halpha-Linie nur sehr unzureichend. Daß dies mit der Metallizität zusammenhängt, erscheint mir unwahrscheinlich, aber sicher bin ich mir nicht. Einfach ist das ganze jedenfalls nicht.
Weiß: gemessenes Spektrum
Rot: Modellspektrum
Viele Grüße
Christian

Dateianhänge:
gamAnd_Modell_4500_05.png
gamAnd_Modell_4500_05.png [ 22.29 KiB | 1920 mal betrachtet ]

Autor:  Dieter Goretzki [ 10. Juni 2014, 14:53:15 PM ]
Betreff des Beitrags:  Re: Modelle von Sternatmosphären

Hallo Christian,

bei Castelli finde ich kein Modell mit M= -0.1,
die Adresse lautet übrigens: http://wwwuser.oats.inaf.it/castelli/

Aber unabhängig davon:
1. auf welche Auflösung wurde das berechnete Spektrum heruntergebrochen?
2. wurde die Rotation berücksichtigt?
3. welche Tubulenzgeschwindigkeit wurde angenommen?

4:nach Gray: Finally, if the user wants complete control over natural, quadratic Stark
and van der Waals broadening, it is possible to input the relevant halfwidths
using the “GA” transition type. These half-widths may either be
calculated by the user with her favorite broadening theory, or extracted
from the original Kurucz linelist files (see http://kurucz.harvard.edu)
or from, for instance, the VALD database (http://ams.astro.univie.ac.
at/~vald/). As an example, in the Kurucz hyperfine linelist file, for the
line Fe I 4620.128 it is given that log(rad) = 8.32, log(Stark) = −6.20 and
log(vdw) = −7.78. These values may be entered into the linelist file in the
following way:
4620.140 26.0 24772 46410 -3.739 1.000 GA 8.32 -6.20 -7.78 NIST

Es gibt also sehr viele "Stellschrauben" um das gemessene Spektrum dem berechneten anzupassen.
Das ist eine sehr mühevolle Arbeit, deren Sinn sich mir noch nie erschlossen hat.

Viele Grüße

Dieter

Autor:  Christian Netzel [ 10. Juni 2014, 16:33:10 PM ]
Betreff des Beitrags:  Re: Modelle von Sternatmosphären

Hallo Dieter,
daß es noch mehr Stellschrauben gibt, ist mir klar. Das ist auch nur ein erster Versuch. Übrigens kommt man von der von mir oben angegebenen Internetaddresse zu allen wichtigen Daten. Du kannst aber den Modellkatalog auch so erreichen:
http://kurucz.harvard.edu/grids.html
Dort findest Du auch unter GRIDM01 die von mir genannte Metallhäufigkeit mit Temparaturen von 3500 k bis 50000 K. Als Auflösung habe ich 0,5 A und als Mikroturbulenz 2 km/s genommen. Rotation und Makroturbulenz habe ich noch nicht berücksichtigt. Übrigens setzten alle von mir verwendeten Modelle LTE (Lokales thermisches Gleichgewicht) voraus.
Der Sinn solcher Bemühungen? Naja, wenn man sich für die Theorie der Sternatmosphären interessiert, ist doch ganz nett, auch einige praktische Beispiele durchzurechnen, ohne den Profis gleich ins Handwerk zu pfuschen.
Vielen Dank übrigens für die Links. Leider kann ich den zweiten nicht öffnen. Kannst Du ihn bitte nochmal mailen?
Viele Grüße
Christian

Autor:  Dieter Goretzki [ 10. Juni 2014, 16:45:11 PM ]
Betreff des Beitrags:  Re: Modelle von Sternatmosphären

Hallo Christian,

0,5 A sind nicht gut. Ich rechne meist mit 0,01 oder kleiner und
stumpe dann das Ergebnis auf meine Auflösung zurecht.
Dies schreibt auch Gray in der Beschreibung zu seinem Programm.

Der Link lautet nun:

http://vald.astro.univie.ac.at/~vald3/p ... newsitem=0

Du musst Dich aber erst dort Registrieren lassen. bei mir ging das problemlos, für
die Affiliation habe ich VdS, Fachgruppe Spektroskopie eingegeben.

Viele Grüße

Dieter

Autor:  Christian Netzel [ 10. Juni 2014, 17:09:34 PM ]
Betreff des Beitrags:  Re: Modelle von Sternatmosphären

Zitat:
Hallo Christian,

0,5 A sind nicht gut. Ich rechne meist mit 0,01 oder kleiner und
stumpe dann das Ergebnis auf meine Auflösung zurecht.
Dies schreibt auch Gray in der Beschreibung zu seinem Programm.

Der Link lautet nun:

http://vald.astro.univie.ac.at/~vald3/p ... newsitem=0

Du musst Dich aber erst dort Registrieren lassen. bei mir ging das problemlos, für
die Affiliation habe ich VdS, Fachgruppe Spektroskopie eingegeben.

Viele Grüße

Dieter
Hallo Dieter,
genauso habe ich es auch gemacht. Das synthetische Spektrum weiter oben wurde dann auf 0,5 A geglättet. Wieweit das von mir benutzte Programm spectrum den Stark-Effekt berücksichtigt ist mir nicht bekannt. Nur dürfte er bei einem Riesen (Leuchtkraftklasse IIb) mit einer effektiven Temperatur von ca. 4250 - 4750 K wegen des geringen Drucks und mangels Ionen und Elektronen keine große Rolle spielen.
Im übrigen finde ich es sehr Interessant den Einfluß von Temperatur und Druck auf das Spektrum zu studieren.
Viele Grüße
Christian

Seite 1 von 1 Alle Zeiten sind UTC+02:00
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Limited
https://www.phpbb.com/