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PostPosted: 22. December 2017, 16:45:14 PM 
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Hallo,
in einem Post über bet Cep hatte ich mich neulich über abweichende atomare Fundamentaldaten einzelner chemischer Elemente gewundert bzw. mich gewundert, daß Thomas sich nicht gewundert hat :? . Wie die hier zitierte Arbeit zeigt, scheint die aber nicht ungewöhnlich zu sein:
https://arxiv.org/pdf/1712.07678.pdf
Obwohl hier einige atomare Daten genannt werden, deren Verständnis eine gründliche Kenntnis der Quantenmechanik erfordern, sollte man trotzdem mal hier reinschauen und unbekanntes überspringen, um einen Begriff von den vorhandenen Diskrepanzen zwischen einzelnen Datenbasen und ihren Konsequenzen zu bekommen. Wegen der unterschiedlichen atomaren Größen erhält man teils sehr verschiedene synthetische Spektren.
Viele Grüße
Christian


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PostPosted: 23. December 2017, 11:08:11 AM 
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Hallo Christian,

die unterschiedlichen Wellenlängen atomarer Übergänge sind nicht überraschend. Wie die Autoren ja schon im Abstract schreiben, sind verschiedene atomare Parameter mit signifikanten Unsicherheiten behaftet. So können Theoretiker zwar Übergangswahrscheinlichkeiten (Oszillatorenstärken) rechnen, doch die Wellenlängen vieler Übergänge können nicht in der Praxis kontrolliert werden. Die von Dir im Thread „LHires Stabilität“ gelisteten Atomlinien bedürfen m.W. fast alle hoher Temperaturen, die kein Ofen auf der Erde erzielen kann. Das wiederum zeigt, wie wichtig astronomische Beobachtungen an den heißen Regionen des Universums sind (im Paper geht es um die Modellierung der chemischen Zusammensetzung von Sternen) Die entsprechenden Interpretationen sind dann allerdings potentiell von Linienblends beeinflusst, womit wiederum der Test der Modelle gestört wird. Also in gewisser Weise ein schwer zu lösender Zirkelschluss. Ich vermute, dass genau deshalb die Autoren gar nicht erst ein Modell angesetzt sondern verschiedene Datenbanken verglichen und auf Konsistenz geprüft haben (siehe die Abbildungen im Paper). Die Stabilität des LHIRES hat mit diesem Problem nichts zu tun weil wir dessen Stabilität ja mit Kalibrationsquellen testen.

Gruß, Thomas


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PostPosted: 23. December 2017, 13:59:00 PM 
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Hallo Thomas,
natürlich können nicht alle Spektrallinien im Labor kontrolliert werden, insbesondere bei verbotenen Linien wird das auch heute noch Probleme bereiten. Die hohen Temperaturen dagegen sollten eigentlich kein Problem darstellen, da die Atome auch auf andere Art und Weise angeregt werden können, z. B. durch Photonen. Tatsächlich werden ja auch in den meisten Fällen bei NIST Laborwerte angegeben. In einer atomaren Datenbank sollten dann allerdings die ungestörten Werte aufgelistet werden, also ohne Druck bzw. Starkeffekt. Die NIST-Datenbank gibt in fast allen Fällen auch die theoretisch mit dem Ritzschen Verfahren ( auch unter Ritz Galerkin bekannt) errechneten Werte wieder. Man kann dann sehr gut vergleichen. Im übrigen sollte die Autoren die Quellen für ihre Daten darlegen. Mit der Stabilität des Lhires hat das nichts zu tun, aber mit der Bewertung der Arbeit von Hadrava und Harmanec.
Viele Grüße
Christian


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PostPosted: 23. December 2017, 22:01:55 PM 
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Hallo Christian!
Quote:
Mit der Stabilität des Lhires hat das nichts zu tun, aber mit der Bewertung der Arbeit von Hadrava und Harmanec.
Ich musste diese Arbeit leider erst einmal suchen weil Du die Quelle nirgendwo angegeben hattest.
http://articles.adsabs.harvard.edu/cgi- ... etype=.pdf

Hadrava und Harmanec kommen mit ihren Daten und nur neun (!) Linien auf einer RV-Genauigkeit von 0.7 km/s (gute Kalibration vorausgesetzt). Das ist doch sehr gut! Und da sie RV-Peak-to-Peak-Variabilitäten von rund 20 km/s untersuchen, sind ihre Fehlerbalken so groß wie ihre Datenpunkte. Die haben ihre Werkzeuge an die Aufgabe angepasst. Ich sehe hier kein Problem.

Gruß, Thomas


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PostPosted: 23. December 2017, 23:29:54 PM 
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Hallo Thomas,
ein Problem gibt es diesbezüglich nicht. Nur würde mich interessieren, wo die Ihre Wellenlängen her haben, die ja schon in der 2. Stelle von den NIST-Werten abweichen. Ich hatte diese Werte ja auch ursprünglich benutzt um die Radialgeschwindigkeit zu bestimmen. Mein Ergebnis war -3,2 km/s . Mit NIST-Werten komme ich auf -4,3 km/s. Die Differenz ist natürlich kleiner als meine Messungenauigkeit. Aber die Quelle für deren Lambdas würde mich schon interessieren. Nach dem Krieg haben die Russen ebenfalls systematische Messungen vorgenommen. Die Ergebnisse kann man in einem von einem früheren DDR-Verlag herausgegebenen Band nachlesen. Ich habe da leider nur die erste Ausgabe. Später ist noch eine zweite Ausgabe erschienen, die mir leider nicht zugänglich ist. Ich habe aber keine Ahnung, wie sich das ganze da im früheren Ostblock weiterentwickelt hat. Vielleicht kann Ulrich uns dazu näheres sagen.
Ich wünsche Dir und allen anderen ein frohes Fest und einen guten Rutsch
Christian


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PostPosted: 24. December 2017, 09:34:39 AM 
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Joined: 31. July 2006, 16:43:32 PM
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Ja, Christian, einheitliche Wellenlängen wären wünschenswert. Ich gebe zu, dass ich mich um so etwas nie gekümmert habe weil wir solche RV-Genauigkeiten nie auch nur im Ansatz bekommen hatten.
Auch Dir und Deinen Lieben alles Gute zu Weihnachten, Thomas


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PostPosted: 27. December 2017, 12:12:39 PM 
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Hallo Christian,

zum Thema Atomdaten kann ich ertsmal keinen Beitrag leisten. Ich habe ja erst nach der Wende mit Röntgenspektroskopie angefangen. Dort gibt es übrigens ganz ähnliche Probleme. Es gibt eine Reihe von Atomdaten (Wirkungsquerschnitte etc.), die mit Fragezeichen behaftet sind und Probleme bei sogenannten Vorwärtsrechnungen in der quantitativen Spektroskopie machen.
Um welches DDR-Buch ging es eigentlich? Ich kenne hier in Adlershof ein paar Kollegen, die schon zu Zeiten der Akademie der Wissenschaften optische Spektroskopie gemacht haben. Da könnte ich mal nachfragen, auch zur aktuellen Datensituation.

Viele Grüße

Ulrich


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PostPosted: 27. December 2017, 13:02:03 PM 
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Joined: 11. November 2007, 18:11:30 PM
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Hallo Ulrich,
ich meine folgendes Buch:
Saidel, Prokofjew, Raiski, Spektraltabellen 1. Aufl., VEB Verlag Technik Berlin
Dazu noch folgende Anmerkung: Heute wird selbst im deutschsprachigen Raum bei russischen Namen die englische statt der deutschen Transkription bevoprzugt. Dadurch weiß hier kein Mensch mehr, wie diese Namen ausgesprochen werden.
Viele Grüße
Christian


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