Hallo Bernd
Eigentlich sind so gut wie all neueren CCD Chips (Kodak KAF E
und insbesondere KAF ME) wesentlich blau-empfindlicher (die
Kodak KAI und Sony CCD Chips noch mehr als die Kodak KAF
MEs) als alles, was es bis Mitte der 90-iger (Kodak non-E, TI TC)
für Amateure gab. Die hatten damals ihre maximale QE meist noch
jenseits von 700 nm und höchstens noch eine minimale Empfind-
lichkeit unter 400 nm. Bei den Kodak KAI und Sony Chips liegt die
maximale QE heute im Bereich von 440-530 nm. Die meisten KAI
M und Sony Chips dürften, wie die KAF ME, bis etwa 320 nm her-
unter empfindlich sein (mit einem ziemlich linearen Abfall ab 400-
450 nm).
Die DSLRs verwenden meist CMOS Farbchips die für hohe Stück-
zahlen für den Consumer Market (Kameras, Handys) entworfen
und produziert werden. Meist muß man ziemlich tief graben, um
überhaupt herauszufinden, was für ein Chip von welchem Hersteller
tatsächlich verwendet wurde. Die CCD und CMOS Kameras mit
Farbchips sind eigentlich nicht für die Verwendung unter 400 nm
gedacht, da die aufgebrachten RGB Farbfilter dort eigentlich im-
mer so gut wie möglich absorbieren sollen. Sind es CYM Farbfil-
ter und der CMOS Chip NUV-empfindlich (z.B. der KAC-1310MC),
dann sollte für normale Aufnahmen eigentlich immer ein zusätzlicher
NUV+NIR-cut Filter verwendet werden, um die Farbbalance besser
kontrollieren zu können.
Es gibt aber auch einige CMOS BW-Chips, die aber nicht in han-
delsüblichen Kameras verwendet werden. Die, von denen ich eine
Sensitivitätskurve gesehen habe (Kodak KACs) sind ziemlich rot
empfindlich (maximimale QE bei ~ 740-800 nm) und haben unter
375 nm eigentlich keine nennenswerte Sensitivität mehr.
Es gibt auch spezielle Chips mit einer besonders hohen NUV
Empfindlichkeit (UV-Beschichtungen wie z.B. Lumongen, spe-
zielle Open-Electrode CCD Konstruktion, tw. auch Back-Illumi-
nated Chips mit Broadband Vergütung). e2v (früher Marconi,
ganz früher GEC) Chips bieten da wohl die vielfältigste Aus-
wahl. Leider kann man die aber meist wegen den doch gerin-
gen Stückzahlen kaum bezahlen. Die speziellen UV-Beschich-
tungen halten aber meist auch nur ein paar Jahre.
Kodak bietet teilweise auch "UV-Versionen" ihrer Chips an (z.
B. KAI-2020 (ohne M und ohne C). Das sind aber eigentlich nur
normale Chips ohne dicke Deckschichten (Mikrolinsen, Farb-
filter), die zwar bis ~ 240 nm empfindlich sind, aber meist nur
eine maximale QE im Bereich von 10 % haben.
Bei den meisten, üblicherweise verwendeten, modernen CCD
Chips haben eine relativ linear auf 0 abfallende QE im Bereich
von 420 bis ~ 320 nm. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit.
Die Kodak Chips werden von SBIG nur auf besonderen Kunden-
wunsch ohne MAR Deckglas geliefert, das seine steil absorbie-
rende Kante im Bereich von 320 bis 360 nm hat. Andere Her-
steller sind da tw. offener und geben den Käufer von sich aus
schon vor dem Kauf mehr Infos dazu. Die Kodak UV-Versionen
haben ein Quartz Deckglas mit einer ziemlich konstanten Trans-
mission von ~ 95 % bis 200 nm.
Ferner hat jede CCD-Kamera ein Fenster. SBIG liefert alle
ihre Kameras (zumindest die STs) mit einem 3 mm BK7 Fen-
ster aus, das eine einfache MgF2-Vergütung besitzt. Bei die-
sem fällte die Transmission bei 300 nm bis auf unter 50 % ab.
Bei anderen Herstellern kann man sich tw. das Material und
die Vergütung des Kamerafensters aus mehreren Möglich-
keiten aussuchen
Für eine "normale" SBIG ST-10XME dürfte das ungefähr wie
folgt aussehen, wenn man die verschiedenen gemessenen
Werte als korrekt annimmt (Werte in Klammern sind extra-
poliert und gründen sich auf typische Werte aus anderen
Quellen):
Code:
lambda [nm] 275 300 325 350 375 400 425 450
KAF-3200 QE [%] 1 6 25 36 49 59 60 62
cover glas [%] 0 5 55 90.0 96.6 98.6 99.3 99.5
entrance win [%] ( 0 45 83 91 93) 94.1 94.9 95.6
SBIG ST-10XME [%] ( 0 0.1 11.4 29.5 44.0) 54.7 56.4 59.0
lambda [nm] 475 500 525 550 575 600 625 650
KAF-3200 QE [%] 65 67 76 82 85 86 87 86
cover glas [%] 99.4 99.3 99.2 99.3 99.5 99.7 99.8 99.6
entrance win [%] 96.2 96.6 96.9 97.1 97.2 97.2 97.1 97.1
SBIG ST-10XME [%] 62.2 64.3 73.0 79.1 82.2 83.3 84.3 83.2
lambda [nm] 675 700 725 750 775 800 825 850
KAF-3200 QE [%] 82 78 70 64 58 54 49 42
cover glas [%] 99.1 98.4 97.3 96.0 94.6 93.1 91.6 90.0
entrance win [%] 97.0 97.0 96.9 96.8 96.6 96.4 96.3 96.2
SBIG ST-10XME [%] 78.8 74.4 66.0 59.5 53.0 48.5 45.3 36.4
lambda [nm] 875 900 950 1000 1050 1100 1150
KAF-3200 QE [%] 35 29 17 7 2 0.5 0
cover glas [%] 88.3 86.7 (83 79 74 68 61)
entrance win [%] 96.1 95.9 (95.5 95 94 93 92)
SBIG ST-10XME [%] (29.7 24.1 13.5 5.2 1.5 0.3 0)
Das reicht zwar noch nicht ganz aus, um gute U Band Standard-
Photometrie zu machen, sollte aber ausreichen, um ganz gut bis
zum Balmer-Sprung runter zu kommen.
Das ist aber nur die Kamera. Zusätzlich muß man auch noch die
Transmission des Teleskops und, wenn man will, die der Atmo-
sphäre mit einrechnen.
Sobald Glas im optischen Strahlengang ist (tw. mehrere cm dick),
wird die NUV Transmission deutlich gemindert (insbesondere bei
Kameraobjektiven und Refraktoren, aber auch schon bei SCTs und
FRs). Das liegt einerseits daran, daß viele Glassorten schon ziem-
lich bald unter 400 nm stark absorbieren (eine einzelne Linse einer
entsprechender Glassort reicht schon). Andererseits daran, daß die
heute MC-Vergütungen vieler dieser gängigen Teleskope speziell
für den visuellen Bereich optimiert sind und schon bald unter 400
nm sehr stark absorbieren/reflektieren. Je besser die Transmission
für den visuellen Bereich optimiert ist (tw. über 99 %), um so schlech-
ter wird die Transmission im NUV unter 400 nm sein. Das sieht man
z.B. daran, daß der U Band Flux eines alten, orangen C8 mit relativ
"veralteten" Glas und Spiegelvergütungen, doppelt so hoch ist, wie
der U Band Flux eines neuen, modernen M8 UHTC. Dabei dürfte
der Flux hauptsächlich auf der UV Seite abgeschnitten werden.
Bei der Atmosphäre ist die Absorbtion im NUV auch um einiges
größer für einen Amateur auf meist (fast) Meereshöhe, als für einen
Profi auf dem Gipfel eines 4000 m Berges. Bei geringen Zenitdi-
stanzen ist die NUV-Absorbtion natürlich auch geringer als am Ho-
rizont.
Clear skies
Wolfgang
--
Wolfgang Renz, Karlsruhe, Germany
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