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 Betreff des Beitrags: LWL Experimente
BeitragVerfasst: 12. Juli 2009, 02:01:28 AM 
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Hallo,

da bei uns seit Wochen schlechtes Wetter herrscht, habe ich die Zeit genutzt, um versuchsweise einen LWL an meinen Spektrographen anzubasteln. Vor einiger Zeit habe ich mir bei glasfaserinfo.de 9m LWL (Innen / Aussenkabel I/A-D(ZN)BH12G50/125µm) besorgt. Das Kabel hat 12 Gradientenfasern mit einem Innendurchmesser von 50µm. Von den Enden wurde die Ummantelung entfernt. Dann habe ich 2 Stck. Okularhülsen mit Epoxidharz ausgegossen, die Hülsen nach dem Aushärten in die Drehbank eingespannt und mittig jeweils ein Loch gebohrt, die Kabelenden hineingesteckt und das Loch mit den Fasern final mit Epoxid vergossen. Teleskopseitig sind die Fasern im Bündel (rund) angeordnet, spektrographenseitig linear. Nach dem Aushärten habe ich die Flächen mit der Schleifmaschine grob plan-, anschließend mit Spiegelschleif-Carbo feingeschliffen und dann mit Ceroxid auf einer Glasplatte poliert.

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Wie man vielleicht erkennen kann, weist nicht jede Faser eine plane und komplett polierte Oberfläche auf.

Der erste Versuch mit einer Leuchtstoffröhre brachte dann deutliche Qualitätsunterschiede der polierten Faseroberflächen zutage.

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Es ist mir nicht gelungen, die Fasern in der 1. Ordnung punktförmig darzustellen.

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Bei extrafokaler Einstellung erhalte ich in der 1. Ordnung scharfe horizontale Linien, bei intrafokaler Einstellung sind scharfe senkrechte Linien zu sehen. Vielleicht hat jemand eine Erklärung dafür… :?:

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Ich habe mit der intrafokalen Einstellung einen Versuch am bewölkten Himmel (und leichtem Regen) unternommen:

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1. H alpha
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2. Mg Triplet
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3. Na Linien
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Sobald ich einen Versuch am Stern durchführen kann, stelle ich die Ergebnisse hier ein.

_________________
Gruss Jürgen


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 Betreff des Beitrags: Ein paar Tipps
BeitragVerfasst: 13. Juli 2009, 22:39:21 PM 
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Registriert: 24. Dezember 2006, 17:26:22 PM
Beiträge: 27
Wohnort: Potsdam
Hallo!

Ich finde es gut, dass sich jemand an die Herstellung von Faserbündeln wagt und da erste Ergebnisse zeigen kann. Für die generelle Vorgehensweise zur Herstellung ist ein Blick auf http://www.aip.de/~verheyen/PPAK/PPak.html lohnenswert, dort ist der komplette Arbeitsgang zur Herstellung eines Faserbündels für PMAS (Am 3,5m Teleskop des Calar Alto-Observatoriums.) fotografisch dokumentiert.
Im Detail werden auf der Spektrografenseite die Fasern mit einem speziellen, sehr langsam und spannungsfrei härtenden Epoxidharz (Epotek 301-2) auf Platten mit vielen V-Nuten geklebt. Es sieht so aus, als hättest du die Fasern zwischen 2 Schrauben eingespannt und dann eingeharzt und runtergeschliffen. Dabei kann es leicht zu Brüchen im Cladding kommen, weswegen ich von Anfang an Korngrößen unter 5 Mikrometern einsetzen würde.
Betreffend des extremen Astigmatismus würde ich gerne wissen, was das für ein Spektrograf ist, an dem du das Faserbündel verwendest. Prinzipiell kann ein Astigmatismus bei der Einkopplung auch durch die GRIN-Fasern abgebildet werden, wenngleich ich das für unwahrscheinlich halte. Im Allgemeinen verwendet man in der Astronomie step-index-Fasern, unter anderem, weil die NA einer GRIN-Faser sich etwas komplizierter verhält.

Vielleicht hilft das etwas bei Verbesserungen.

Viele Grüße

Fabian


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 14. Juli 2009, 00:53:29 AM 
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Hallo Jürgen,

saulässig Dein erster Versuch! ;)
Zitat:
Im Detail werden auf der Spektrografenseite die Fasern mit einem speziellen, sehr langsam und spannungsfrei härtenden Epoxidharz (Epotek 301-2) auf Platten mit vielen V-Nuten geklebt. Es sieht so aus, als hättest du die Fasern zwischen 2 Schrauben eingespannt und dann eingeharzt und runtergeschliffen. Dabei kann es leicht zu Brüchen im Cladding kommen, weswegen ich von Anfang an Korngrößen unter 5 Mikrometern einsetzen würde.
... außerdem wäre es sinnvoll die Fasern wegen der Zwischenräume zu entmanteln ehe sie nebeneinander mithilfe einer entsprechenden Vorrichtung angeordnet werden. Dazu kann ich Dir folgendes Paper empfehlen:

http://spektroskopie.fg-vds.de/pdf/oliveira2005.pdf

Dieser Epotek Kleber ist vermutlich nicht gerade billig!? Beim Conne gäbe es eine Alternative zum spannungsarm kleben:

http://www.conrad.de/Werkzeug-Werkstatt ... f_9496.sap

Viele Grüße

Tobias

_________________
Dein Projekt. Mach es fertig, bevor es Dich fertig macht!


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BeitragVerfasst: 14. Juli 2009, 12:35:16 PM 
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Registriert: 14. November 2010, 17:22:33 PM
Beiträge: 271
Wohnort: Pittenhart
Hallo zusammen,

vielen Dank für Euere Infos.
Zitat:
Es sieht so aus, als hättest du die Fasern zwischen 2 Schrauben eingespannt und dann eingeharzt und runtergeschliffen.
Ja, so ist es.
Zitat:
Betreffend des extremen Astigmatismus würde ich gerne wissen, was das für ein Spektrograf ist, an dem du das Faserbündel verwendest.
Hier siehst Du das Teil geöffnet, allerdings ohne LWL mit Spalt:
Bild

Astigmatismus hatte ich auch schon vermutet, allerdings frage ich mich, warum dieser dann nicht in der "nullten" Ordnung, also am "Spalt" auftritt.
Zitat:
saulässig Dein erster Versuch! Wink
Wenn das "saumässig" heissen soll, hast Du natürlich recht. Das war jetzt halt die Version 1.0 Ich bin ja froh, dass ich überhaupt was gesehen habe. :)
Zitat:
Für die generelle Vorgehensweise zur Herstellung ist ein Blick auf http://www.aip.de/~verheyen/PPAK/PPak.html lohnenswert..
Zitat:
Dazu kann ich Dir folgendes Paper empfehlen:
http://spektroskopie.fg-vds.de/pdf/oliveira2005.pdf
Super Tipps! Vielen Dank. Den Kleber besorge ich mir auch.
Zitat:
Dabei kann es leicht zu Brüchen im Cladding kommen, weswegen ich von Anfang an Korngrößen unter 5 Mikrometern einsetzen würde.


Beim Grobschliff habe ich mit 400er Carbo angefangen, das waren unter dem Mikroskop gleich eine Menge Muschelbrüche zu sehen.

Beim nächsten Versuch fange ich mit 1000er Körnung an. Statt auf einer Glasplatte versuche ich die Politur auf der Pechhaut. Vielleicht bringt das auch was.

_________________
Gruss Jürgen


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 14. Juli 2009, 17:19:49 PM 
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Registriert: 02. Oktober 2008, 16:42:33 PM
Beiträge: 29
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Hallo Jürgen,

zum Konfektionieren von Glasfaserkabeln gibt es spezielle Schleif- und Polierpapiere. Wir haben da mal welche von Huber + Suhner eingesetzt. Vielleicht hilft das. Ansonsten kann ich gern mal schauen, ob ich je noch ein Blatt auftreiben könnte. Wir setzen wann immer möglich mittlerweile vorkonfektionierte Kabel ein :)

Gruß
Torsten


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15. Juli 2009, 21:11:35 PM 
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Registriert: 14. November 2010, 17:22:33 PM
Beiträge: 271
Wohnort: Pittenhart
Hallo Torsten,
Zitat:
Ansonsten kann ich gern mal schauen, ob ich je noch ein Blatt auftreiben könnte.
vielen Dank für das Angebot. Ich schreibe Dir eine PN.

_________________
Gruss Jürgen


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