Hallo Lothar, Christian und Thomas,
herzlichen Dank für Eure Rückmeldungen.
Ich denke, dass man sich bei dieser Fehlerdiskussion vor Augen halten muss in welchem Wellenlängenbereich sich die Unsicherheiten bewegen. In Anbetracht der Auflösung und des hohen Rauschanteils etc. werde ich kaum unter +/- 20-30 Angström kommen. Also dürften Effekte die beispielsweise deutlich unter +/-5 Angström liegen vernachlässigbar sein.
Lothar:
Zitat:
willst du das Emissionsmaximum oder den Linienschwerpunkt wissen? Diese sind ja nur identisch bei symmetrischen einkomponentigen Linien.
Vspec liefert mir das Line-center - das verstehe ich als den Linienschwerpunkt und erscheint mir insbesondere bei den verrauschten Linien aussagekräftiger als das Linienmaximum. Ich gehe davon aus, dass mögliche Asymmetrien der Linen bei meiner Anordnung vermutlich durch Abbildungsfehler (Coma und Co) entstehen und die "echten" Linienasymmetrien überdecken. Abweichungen von Maximum und Schwerpunkt müssten sich in der HWB des Gaußfits niederschlagen.
Zitat:
Deine Überlegungen sind mir plausibel (praktische Erfahrungen mit Messungen mit einem SA habe ich allerdings nicht). In dem Zusammenhang würde mich interessieren, wie stark die Nichtlinearität der Dispersion bei deinem SA ist. Das solltest du ausmessen können, wenn du die Abstände zwischen nullter Ordnung und den Spektrallinien misst und sie relativ zu ihren Wellenlängen nach der Gittergleichung untersuchst.
Ich verwende als Referenzsterne nur Typen bei denen die Balmer Serie ausgeprägt ist (also in erster linie As) - bei anderen Typen hatte ich öfters Probleme mit der Linienzuordnung. Als Referenzlinie für die 2-Linien-Kalibrierung dient H-Alpha oder H-Beta und die 0te Ordnung (gelegentlich auch mal O2 bei 7610A - die ist aber meist ziemlich breit). Die anderen Linien dienen zur Kontrolle.
Wenn ich die Referenzwellenlängen von H-Beta und H-Alpha durch deren Pixelabstand zum 0-Punkt dividiere (also die Dispersion in Angström / Pixel ermittle) dann liegt die "H-Alpha Dispersion" bei meinen Referenzspektren immer 0.1 und 0.3 % höher als die "H-Beta-Dispersion". Wenn ich richtig gerechnet habe liefert die Bildfeldkrümmung hierzu einen Anteil von ca. 0.1%, der Rest könnte von der chromatischen Koma her kommen.
Also: wenn mein Spektrum auf 0te Ordnung und H-alpha kalibriert ist dann dürfte aufgrund der gemessenen Nichtlinearität die gemessene Wellenlänge von H-beta um ca. 5A zu niedrig liegen. In den meisten Fällen dürfte dieser Beitrag in den sonstigen Fehlern untergehen
Zitat:
Eigentlich müsstets du doch die Dispersionsfunktion, bestimmt aus Referenzspektren (ohne Dopplerverschiebungen), zur Kalibrierung deiner Stern- oder Novaspektren verwenden, damit du Dopplerverschiebungen erkennen kannst (bei (Super)Novaspektren können die ja sehr hoch sein). Also ein Pixel x hat ausgehend von der nullten Ordnung als Nullpunkt eine bestimmte Wellenlänge. Machst du das so? Oder anders?
Ja genau so - ich kalibriere meine Referenzspektren anhand 0ter-Ordnung und einer Balmerlinie, mittle die Dispersion mehrerer Referenzen und übertrage das Ergebnis auf mein SN-Spektrum wobei die 0te-Ordnung den Wellenlängennullpunkt setzt.
Christian:
Zitat:
Ich fürchte, die ganze Sache ist noch ein wenig komplizierter. Vergleichbarkeit herrscht doch nur, wenn das Spektrum 0-ter Ordnung immer an derselben Stelle ist, am besten auf der optischen Achse. Wenn die Linie, die das Spektrum 0-ter Ordnung mit dem Spektrum 1-ter Ordnung verbindet, nicht durch die optische Achse geht, muß man wahrscheinlich auch noch den Abstand von der optischen Achse berücksichtigen. Ich bin mir aber über die entsprechenden Größenordnungen der Abweichungen keineswegs im klaren.
Sowas habe ich noch nicht bedacht. Ich würde jetzt ohne es genau zu wissen optimistisch davon ausgehen, dass solche Effekte im Vergleich zu den anderen Einflüsse bei dem winzigen Chip (4x6mm - Abstand Gitter ca. 45mm - Dispersionswinkel 2-4°) nur eine vernachlässigbare Verzerrung bewirken. Dazu kommt, dass ich aus rein praktischen Gründen den Spektralfaden bei allen Aufnahmen (inklusive Referenz) immer im selben Bereich des Chips halte, so dass der Effekt zum Teil wegkalibriert werden kann. - Aber sicher bin ich mir nicht.
Thomas:
Ich befürchte, ich habe mich etwas unklar ausgedrückt. Mir geht es nicht um die Linienidentifizierung, diese setze ich als gegeben voraus, sonder vielmehr um die Genauigkeit der gemessenen Wellenlängen, um beispielsweise damit die Zuverlässigkeit der daraus berechneten Radialgeschwindigkeiten (Rotverschiebung) zu bewerten.
Die Faktoren Rauschen, Sampling, Auflösungsvermögen dürften sich, wie auch immer, auf die Halbwertsbreite der Linie bzw. des entsprechenden Gaußfits auswirken und damit auf die Standardabweichung des Kurvenmaximums.
Mit dieser Standardabweichung und der Standardabweichung einer analogen Festlegung des Nullpunktes und der Dispersion sollte meines Erachtens der Fehler der Wellenlängemessung beschrieben sein. - Das war meine Frage.
Aufgrund dieser Unsicherheiten müssen messbare Radialgeschwindigkeiten lichtschwacher Objekte für meine Ausrüstung mit StAn schon deutlich über 1000 km/s liegen, deshalb können die Referenzsterne in der Regel als ruhend betrachtet werden.
Viele Grüße
Roland