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ich bin Astronomielehrer an einem Gymnasium, das mit einer Sternwarte ausgestattet ist und habe gerade ein W-Seminar, bei dem Schüler der 11 Klasse u.a. Sterne und Nebel spektroskopieren sollen.
Hallo Roland,
willkommen hier in unserer Spektroskopiegemeinschaft ! Wir werden dir sicherlich jede Hilfe zu kommen lassen, die in einem Forum möglich ist. Übrigens, in welcher Gegend Deutschlands liegt dein Gymnasium?
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Unsere Ausstattung: ein Dados-Spektrographen, der an einen C11-Spiegel angeschossen ist, eine Canon EOS 60da zur Aufnahme der Spektren, RSpec zur Auswertung der Spektren (Kalibrieren kann ich mit ein Ne-Dampflampe), zum Autoguiden verwende ich die STV von Sbig.
OK, damit habt ihr ja eine bereits respektable Ausrüstung. Dass du zur Auswertung nur die "RAW"-Aufnahmen der Farbkamera heranziehen darfst, wirst du wohl bereits wissen.
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Da ich ein Neueinsteiger in die Spektroskopie bin, bräuchte ich einige Tipps: Gib es eine Faustregel für die Belichtungszeit von Spektren?
Es gibt keine vernünftige Faustregel, aber das lernst du in der Praxis sehr schnell, wie lange du belichten musst. Ich kenne mich mit der EOS 60da nicht aus, aber du wirst wohl auch ausprobieren müssen, wie lange du dark-belichten kannst, bis das Rauschen zu stark wird. Das hängt wohl auch von der Umgebungstemperatur ab. Am besten an einem hellen Stern-Objekt mal ausprobieren. Darks immer extra machen, das automatische Abziehen eines Darks bereits durch die Kamera ist suboptimal.
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Brauche ich nur eine Aufnahme oder macht man besser viele, die dann gestackt werden?
Das hängt davon ab, welche Genauigkeitsanforderungen du an das Meßergebnis stellst. Alleine die Photonenstatistik besagt, dass du für eine relative Standardabweichung des Signals eines Pixels von 1% (= 1/100 = 1/sqrt(10000)) ca. 10000 Photonen registrieren musst. In der Regel macht man bei lichtschwachen Objekten (und dazu gehören Nebel, Kometen und Galaxien) möglichst lange Einzelbelichtungen, so wie es das Kamerarauschen (Dunkelstrom) erlaubt und belichtet davon eine ganze Serie, bis man das gewünschte S/N erreicht. Auch da hilft die Erfahrung.
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Wie werte ich die Spektren am besten aus?
RSpec, IRIS, ISIS, VSpec (alle windows-basiert) oder mittels ESO-MIDAS (Linux) oder IRAF (Linux). Bischen was darüber findest du auch unter
www.astrospectroscopy.eu.
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Kann ich mehr als die Spektralklasse von Sternen bestimmen?
Viel mehr, auch mit dem Dados. Bei genauer Kalibrierung kannst du auch Radialgeschwindigkeiten messen, kannst die Variabilität von Spektren an variablen Sternen messen (manche ändern ja sogar die Spektralklasse innerhalb ihres Cyclus), kannst Sternwinde (PCyg, WR-Sterne...) und Gase in der Sternumgebung (Be, Emissionsliniensterne) vermessen.....
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Wie gehe ich am besten beim Linienspektrum eines Nebels vor?
Emissionsnebel aufnehmen. Dann erhälst du Spektren wie etwa hier:
http://www.astrospectroscopy.eu/spektre ... e1OriC.htm. Dann kannst du die Intensitäten der Linien entlang der Spaltlänge auswerten und so die Emissionsintensität in Richtung des Spalts kartieren.