Hallo Lothar, Thomas und Klaus
ich danke euch vielmals für die ausführlichen Antworten. Dies bringt uns doch schon ein gutes Stück weiter.
Wir befinden uns ja noch in der Phase der Grobplanung, deshalb sind wir auch noch sehr flexibel bzw. bereit, das bisherige Konzept über den Haufen zu werfen.
Einer der Astronomieprofessoren, der auch an der Uni Basel doziert, hat vor einiger Zeit einen Spektrographen für die Sternwarte der Uni Basel gebaut. Wenn ich richtig informiert bin, hängt dieses Instrument ebenfalls an einem 60cm-Teleskop. Wir werden dieses Instrument sicher besichtigen dürfen, das könnte uns auch noch helfen.
Ich möchte nun etwas detaillierter auf die von euch angesprochenen Punkte eingehen.
@Lothar:
- Ich habe die Spaltbetrachtungseinheit des LHIRES III nachgeschaut. So etwas sollte wohl realisierbar sein. Es gilt nun abzuklären, ob eine Nachführung über das Leitrohr genügen würde. Das Leitrohr ist im selben Tubus wie der Cassegrain, zusammen noch mit einer 40cm-Schmidtkamera. Das Leitrohr wurde früher zum Nachführen der Aufnahmen mit der Schmidtkamera verwendet. Dies waren aber sicher keine besonders langbrennweitigen Aufnahmen.
- Das mit der Na-Lampe hatte ich offenbar falsch im Kopf. Das Zuschalten einer Neonlampe (Glimmlampe?) sollte also kein grösseres Problem darstellen.
@Thomas:
- Das mit den mm/µm kann ich nicht nachvollziehen. Welche Angaben sind nicht korrekt?
- Ich kam auf das 2"-Seeingscheibchen, weil ich mit meinem 6Zoll-Newton visuell Epsilon Lyrae (2.4") noch eindeutig trennen kann. Aber offenbar darf ich dies nicht einfach so auf das Seeingscheibchen übertragen.
- Wie poliert ihr das Metall? Bisher habe ich nur Glas poliert (bzw. poliere...

).
Ich sehe, dass unsere bisherige Planung nicht gut überlegt war. Ich fand das Littrow-Design wegen seiner Einfachheit bestechend. Auf die Brennweite von ca. 1 Meter kamen wir aufgrund von Überlegungen zu den aus unserer Sicht noch einigermassen erträglichen Ausmassen des Spektrographen. Aber offenbar haben wir uns bezüglich der erforderlichen Auflösung geirrt. Sinnvoller wäre wohl eine Auflösung um ca. 0.2 Å, was vielleicht noch erreichbar wäre, aber zwei Nachteile hat: Das s/n-Verhältnis sinkt, was uns auf hellere Sterne einschränkt, und ausserdem wird der aufgenommene Spektralbereich beim Littrow-Design sehr klein (wenige nm). Dies will mir nicht so recht passen.
Wir müssen offenbar umdenken. Das ist aber nicht besonders tragisch. Wir dachten einfach, Radialgeschwindigkeitsmessungen wären eine spannende Sache, aber es gibt ja noch viele interessante Gebiete in der Spektroskopie. Wolf-Rayet-Sterne interessieren mich auch, ich habe bereits von ein paar der helleren mit einfachen Mitteln Spektren aufgenommen.
Ein Spektrograph mit etwas geringerer Auflösung, der aber auch die Untersuchung von schwächeren Sternen erlaubt, bietet sicherlich viele Möglichkeiten. Wenn wir uns dafür entscheiden, müssen wir uns wohl noch nicht gerade auf ein Gebiet festlegen.
Ich muss das noch mit meinem Studienkollegen besprechen, ich glaube aber nicht, dass er etwas einzuwenden hat.
Das mit der Institutsunterstützung ist so eine Sache. Insgeheim hoffen wir auf eine Unterstützung. Unsere Hoffnung wird dadurch genährt, dass unser sehr hilfsbereiter Astronomie-Dozent die Idee des Spektrographen durchaus positiv aufgenommen hat und sogar meinte, das könne vielleicht auch zu Ausbildungszwecken genutzt werden. Da wir aber bislang das Thema der Unterstützung nicht angeschnitten haben, müssen wir auch damit rechnen, auf uns gestellt zu sein.
@Klaus:
- Ich werde unseren Professor fragen, ob ich gelegentlich das Leitrohr testen kann. Dass die drei Instrumente in einem Tubus sind, spricht ja eigentlich für eine relativ verwindungssteife Verbindung. Ich muss das wirklich testen. Bisher habe ich das Instrument nur einmal gesehen, und dies bei Tage.
Eine automatische Nachführung wird kaum möglich sein, da es sich um ein etwas älteres Instrument handelt. Mir graust schon vor stundenlangem Nachführen... Aber das nehmen wir in Kauf.

- Da das Teleskop schon ein ziemlicher Brocken ist, dachten wir, dass ein 1 Meter grosser Spektrograph noch machbar sein sollte. Der Fokus kann etwa 10 bis 20 cm hinter die letzte mechanische Fläche des Teleskops gebracht werden. Es ist eine Sekundärspiegelfokussierung vorhanden, ich bin mir aber nicht sicher, ob diese nur zur Grobpositionierung des Fokus verwendet werden kann oder grundsätzlich zur Fokussierung genutzt wird.
Zur Fokussierung des Spektrographen habe ich noch eine Frage: Was muss eigentlich alles fokussiert werden? Zuerst muss sicher der Spalt in den Fokus des Teleskops gebracht werden. Dies sollte über die Teleskopfokussierung möglich sein. Dann muss der Spalt auch im Fokus des Kollimators stehen und schliesslich der Sensor im Kamerafokus. Wird ein Spektrograph üblicherweise so gebaut, dass der Spalt einmal zum Kollimator fokussiert wird, oder muss dies verstellbar eingeplant werden, so dass man vor jeder Aufnahme neu fokussiert? ???
- Zur Kamera: Ich habe in das Sheet die Daten meiner Nikon D70 eingetragen (DSLR). Die CCD-Kamera meines Kollegen ist irgend eine SBIG (leider eine Farb-CCD) mit ähnlich grossen Pixeln. Das Modell weiss ich nicht mehr.
Ich stelle mit simspec ein neues Konzept zusammen. Allerdings stosse ich auf ein Problem: Ich gehe jetzt mal vom klassischen Design aus. Das Seeing sei 4", damit das Seeingscheibchen im Teleskopfokus etwa 240 µm. Das Seeingscheibchen soll auf zwei Pixel abgebildet werden (also 2*7.8 µm = 15.6 µm), also müsste die Kamerabrennweite 240/15.6 = 15.4 mal kleiner als die Kollimatorbrennweite sein. Nun ergibt sich aber für die Kamera ein Öffnungsverhältnis von ca. 15.4/21 = f/1.36 . Dies scheint mir doch etwas gross. Fotoobjektive z.B. haben ja selten eine Blende von 1.36.
Sind die zwei Pixel des Nyquist-Kriteriums nicht ein Minimum? (So etwas habe ich noch im Kopf aus einer Informatikvorlesung.) Dies würde das Problem wieder lindern.
So, der Kopf beginnt mir langsam zu rauchen.
Ich danke euch herzlich für die freundliche Aufnahme und eure Hilfsbereitschaft.
Mit besten Grüssen
Peter Stoffer
PS: Für die schweizerischen Schreibkonventionen (Doppel-s, Dezimalpunkt usw.) bitte ich um Nachsicht - ebenso für Schreibfehler (es ist schon etwas spät).
