| Forum der Vereinigung der Sternfreunde https://forum.vdsastro.de/ |
|
| Auswertung von Spektren https://forum.vdsastro.de/viewtopic.php?t=3737 |
Seite 1 von 1 |
| Autor: | Christian Netzel [ 31. Dezember 2011, 15:34:45 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Auswertung von Spektren |
Hallo, für alle, die sich an diesem Nachmittag langweilen und den verbleibenden Rest des Jahres am Computer verbringen wollen Ich habe ein sehr umfangreiches Programmpaket gefunden, das sehr interessant aussieht und unter Linux läuft . http://astro.dur.ac.uk/~pdraper/splat/s ... occontents Vielleicht hat sich jemand von Euch schon mal damit beschäftigt. Viele grüße und einen guten Rutsch Christian |
|
| Autor: | Christian Netzel [ 02. Januar 2012, 20:59:35 PM ] | |||
| Betreff des Beitrags: | ||||
Hallo, ich habe mich inzwischen etwas mit splat-vo beschäftigt. Es bietet sehr viele Möglichkeiten, u. a. Linienprofile mit Gauß-, Lorentz- und Voigtprofilen anzufitten. Die untere rote Kurve gibt ein Gaussprofil, die obere grüne Kurve ein Lorentzprofil und schließlich die mittlere graue Kurve, die leider nur an einigen Stellen gut erkennbar ist, da sie das tatsächliche Profil weitaus am besten approximiert, gibt ein Voigtprofil wider. Die gestrichelte Kurve stellt einen "Quickfit" dar, den man für diese Zwecke nicht benutzen sollte. Die Zentren der drei Kurven unterscheiden sich nur wenig, wohl aber die Fehlerabschätzungen, wie man der Datei im Anhang entnehmen kann. Ich habe den Eindruck, daß sich die intensive Beschäftigung mit diesem Programm durchaus lohnt. Mit vielken guten Wünschen für das neue Jahr Christian
|
||||
| Autor: | Thomas Eversberg [ 03. Januar 2012, 10:18:39 AM ] |
| Betreff des Beitrags: | |
Hallo Christian, ich bin nicht sicher, ob ein Gauß-, Voigt oder Lorentz-Fit überhaupt anwendbar sind. Bedenke, daß Emissionslinien ihren Ursprung im Sternwind haben und daher einen von Absorptionslinien unterschiedlichen Verlauf zeigen. Spätestens wenn die Linie wegen Dichtestörungen unsymmetrisch wird oder ein Weinflaschenprofil zeigt, werden die Fits vielleicht problematisch werden. In diesem Fall kann man evtl. die Linie nur noch "spiegeln", so wie es Parimucha 2006. Ich empfehle daher, sich dazu genau zu informieren, um die Grenzen eines Fits zu verstehen. Bezüglich der RV ist m.E. die Kreuzkorrelation das Tool der Wahl. Und dazu ist ein Fit unnötig. Gruß, Thomas PS: Frohes neues Jahr an alle! |
|
| Autor: | Otmar Stahl [ 03. Januar 2012, 11:07:54 AM ] |
| Betreff des Beitrags: | Auswertung von Spektren |
Hallo Thomas, On 01/03/2012 09:18 AM, Thomas Eversberg wrote: Zitat: Hallo Christian,
Ein Fit hat natürlich immer Grenzen, wenn man kein physikalisches Modell ich bin nicht sicher, ob ein Gauß-, Voigt oder Lorentz-Fit überhaupt anwendbar sind.Bedenke, daß Emissionslinien ihren Ursprung im Sternwind haben und daher einen von Absorptionslinien unterschiedlichen Verlauf zeigen. Spätestens wenn die Linie wegen Dichtestörungen unsymmetrisch wird oder ein Weinflaschenprofil zeigt, werden die Fits vielleicht problematisch werden. In diesem Fall kann man evtl. die Linie nur noch "spiegeln", so wie es Parimucha 2006. Ich empfehle daher, sich dazu genau zu informieren, um die Grenzen eines Fits zu verstehen. fittet, sondern nur eine bequeme mathematische Funktion. Das kann trotzdem sehr nützlich sein, um wichtige Parameter der Beobachtung zu extrahieren. Zitat: Bezüglich der RV ist m.E. die Kreuzkorrelation das Tool der Wahl.
Die Kreuzkorrelation hat auch ihre Grenzen: Sobald die Profile Und dazu ist ein Fit unnötig. asymmetrisch oder variabel werden, oder nur von Linie zu Linie variieren, ist es völlig unklar, was die ermittelte RV eigentlich bedeuten soll. Dazu kommt eine gewisse Willkür in der Wahl des Templates. Wenn es, wie hier um Be-Sterne geht, ist eine Kreuzkorrelation jedenfalls nicht unbedingt besser als ein Fit. Zitat: Gruß, Thomas
Herzliche Grüße,Otmar Zitat: PS: Frohes neues Jahr an alle!
Von mir ebenfalls ein gutes neues Jahr an alle.
|
|
| Autor: | Thomas Eversberg [ 03. Januar 2012, 12:08:35 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | |
Hallo Otmar, Zitat: Das kann
Das ist selbstverständlich richtig. Ich will auch nicht sagen, dass die Methode unbrauchbar ist sondern habe meine Unsicherheit über deren Grenzen ansprechen wollen. Meine Erfahrung ist da begrenzt.
trotzdem sehr nützlich sein, um wichtige Parameter der Beobachtung zu extrahieren. Zitat: Sobald die Profile
Das kann ich (noch) nicht teilen. Die Profilvariabilität bei Be-Sternen bewegt sich ja in der Regel nicht in Zeitskalen der Messungen (es sei denn, man vergleicht Spektren sehr unterschiedlicher Epochen). Normalerweise wählt man ja sehr spezifische Beobachtungszeiten (z.B. Periastronpassagen von wenigen Tagen). Die Linien verändern sich in solchen Zeitskalen wenig. Man muß aber natürlich vorsichtig sein.asymmetrisch oder variabel werden, oder nur von Linie zu Linie variieren, ist es völlig unklar, was die ermittelte RV eigentlich bedeuten soll. Anders ist das natürlich bei WR-Sternen mit Variabilitäten in wenigen Minuten. Doch hier geht es ja auch um stochastische Veränderungen (Klumpen), die für eine Nacht gemittelt werden können. Sebastien Lèpine hatte das in Montréal so gut gemacht, daß er individuelle Atomspezies in den breiten Emissionslinien identifizieren konnte. Ich meine, wenn die Linien aber tatsächlich schnelle und unsymmetrische Veränderungen zeigen, ist die Methode des Linienfits eben auch problematisch. Gruß, Thomas |
|
| Autor: | Otmar Stahl [ 03. Januar 2012, 12:23:51 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Auswertung von Spektren |
Hallo Thomas, On 01/03/2012 11:08 AM, Thomas Eversberg wrote: Zitat: Hallo Otmar,
Du hast natürlich Recht, dass man immer die Grenzen der Methode im Auge Zitat: Das kann trotzdem sehr nützlich sein, um wichtige Parameter der
Das ist selbstverständlich richtig. Ich will auch nicht sagen, dassBeobachtung zu extrahieren. die Methode unbrauchbar ist sondern habe meine Unsicherheit über deren Grenzen ansprechen wollen. Meine Erfahrung ist da begrenzt. habe sollte. Zitat: Zitat: Sobald die Profile asymmetrisch oder variabel werden, oder nur von
Das kann ich (noch) nicht teilen. Die Profilvariabilität beiLinie zu Linie variieren, ist es völlig unklar, was die ermittelte RV eigentlich bedeuten soll. Be-Sternen bewegt sich ja in der Regel nicht in Zeitskalen der Messungen (es sei denn, man vergleicht Spektren sehr unterschiedlicher Epochen). Normalerweise wählt man ja sehr spezifische Beobachtungszeiten (z.B. Periastronpassagen von wenigen Tagen). Die Linien verändern sich in solchen Zeitskalen wenig. Man muß aber natürlich vorsichtig sein. Beleuchtungseffekten, periodische Linienprofilvariationen zeigen, mit der Periode des Doppelsternumlaufs. Das täuscht RV-Variationen vor, unabhängig davon, welche Methode man benutzt. Mit einem geeigneten Fit, der auch einen Asymmetrieparameter ausgibt, bemerkt man die Profilvariationen, während das bei einer einfache Kreuzkorrelation eventuell unbemerkt bleibt. Emissionslinien sind eben grundsätzlich nur bedingt geeignet, eine Bahn zu bestimmen, da sie nicht zwangsläufig dem Massenschwerpunkt folgen. Zitat: Anders ist das natürlich bei WR-Sternen mit Variabilitäten in wenigen
Ja, in so einem Fall ist jede Methode problematisch und man muss in Minuten. Doch hier geht es ja auch um stochastische Veränderungen (Klumpen), die für eine Nacht gemittelt werden können. Sebastien Lèpine hatte das in Montréal so gut gemacht, daß er individuelle Atomspezies in den breiten Emissionslinien identifizieren konnte. Ich meine, wenn die Linien aber tatsächlich schnelle und unsymmetrische Veränderungen zeigen, ist die Methode des Linienfits eben auch problematisch. jedem Fall die Ergebnisse interpretieren. Ein Fit hat den Vorteil, dass man mehr Informationen über die Linien bekommt. Das manchmal eine Kreuzkorrelation besser ist, ist auch klar. Zitat: Gruß, Thomas
Herzliche Grüße,Otmar |
|
| Autor: | Thomas Eversberg [ 03. Januar 2012, 12:42:53 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | |
Ok, das habe ich verstanden. Ich stimme Dir zu. Diese Geschichte mit den Beleuchtungseffekten: Wo finde ich das? Zitat: Emissionslinien sind eben grundsätzlich nur
Genau!
bedingt geeignet, eine Bahn zu bestimmen, da sie nicht zwangsläufig dem Massenschwerpunkt folgen. |
|
| Autor: | Otmar Stahl [ 03. Januar 2012, 12:59:38 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Auswertung von Spektren |
Hallo Thomas, On 01/03/2012 11:42 AM, Thomas Eversberg wrote: Zitat: Ok, das habe ich verstanden. Ich stimme Dir zu. Diese Geschichte mit den Beleuchtungseffekten: Wo finde ich das?
Z.B. hier:http://www.asu.cas.cz/PAI/pai93d.pdf Herzliche Grüße, Otmar |
|
| Autor: | Otmar Stahl [ 03. Januar 2012, 13:06:29 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Auswertung von Spektren |
On 01/03/2012 11:42 AM, Thomas Eversberg wrote: Zitat: Ok, das habe ich verstanden. Ich stimme Dir zu. Diese Geschichte mit den Beleuchtungseffekten: Wo finde ich das?
Oder hier:http://articles.adsabs.harvard.edu//ful ... 6.000.html Otmar |
|
| Autor: | Thomas Eversberg [ 03. Januar 2012, 14:43:17 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | |
Aha, die Heidelberg-Gang. |
|
| Autor: | Christian Netzel [ 03. Januar 2012, 18:15:25 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | |
Zitat: Hallo Christian,
Hallo Thomas,ich bin nicht sicher, ob ein Gauß-, Voigt oder Lorentz-Fit überhaupt anwendbar sind. Bedenke, daß Emissionslinien ihren Ursprung im Sternwind haben und daher einen von Absorptionslinien unterschiedlichen Verlauf zeigen. Spätestens wenn die Linie wegen Dichtestörungen unsymmetrisch wird oder ein Weinflaschenprofil zeigt, werden die Fits vielleicht problematisch werden. In diesem Fall kann man evtl. die Linie nur noch "spiegeln", so wie es Parimucha 2006. Ich empfehle daher, sich dazu genau zu informieren, um die Grenzen eines Fits zu verstehen. Bezüglich der RV ist m.E. die Kreuzkorrelation das Tool der Wahl. Und dazu ist ein Fit unnötig. Gruß, Thomas natürlich solltre man bei einer Modellierung immer die physikalischen Hintergründe bedenken. Bei Sternwinden gibt es aber so viele Möglichkeiten, daß man die mit einer Standardsoftware kaum abdecken kann. Hier ging es aber nur um die Bestimmung von RV. Da sollte man doch einfach das am besten passende Profil auswählen, was hier zweifellos das perfekt passende Voigt-Profil ist. Soweit ich sehen kann (falls falsch bitte sofort korrigieren!) bietet Midas lediglich ein Gaussfit zur Bestimmung von RV. Bei unsymmetrischen Profilen ist meiner Ansicht nach erstmal zu klären, was man unter RV überhaupt versteht. Dies mag man als spitzfindigen Einwand eines Mathematikers abtun, aber man sollte diese Frage doch zuerst klären. Die hinter der Kreuzkorrelation stehende Logik würde mich interessieren. Womit wird das Spektrum korreliert? Wenn es mit sich selbst korreliert wird, sollte man besser von Autokorrelation sprechen. Aber welchen physikalischen Hintergrund gibt es? Gibt es eine entsprechende detaillierte Beschreibung? Unabhängig von dieser Problematik lohnt sich die Beschäftigung mit splat-vo. Man kann dort u. a. leicht mehrere Spektren in einem Frame zusammenstellen oder ein Spektrum, das aus mehreren sich überlappenden Unterspektren besteht zu einem Gesamtspektrum zusammenfügen. Viele Grüße Christian |
|
| Autor: | Otmar Stahl [ 03. Januar 2012, 18:43:18 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Auswertung von Spektren |
Hallo Christian, On 01/03/2012 05:15 PM, Christian Netzel wrote: Zitat: Hallo Thomas, natürlich solltre man bei einer Modellierung immer die
Das stimmt.physikalischen Hintergründe bedenken. Bei Sternwinden gibt es aber so viele Möglichkeiten, daß man die mit einer Standardsoftware kaum abdecken kann. Hier ging es aber nur um die Bestimmung von RV. Da sollte man doch einfach das am besten passende Profil auswählen, was hier zweifellos das perfekt passende Voigt-Profil ist. Zitat: Soweit ich sehen kann (falls falsch bitte sofort korrigieren!)
Mit etwas mehr Aufwand gibt es viele Funktionen zur Auswahl:bietet Midas lediglich ein Gaussfit zur Bestimmung von RV. http://www.eso.org/sci/software/esomida ... de127.html Zitat: Bei unsymmetrischen Profilen ist meiner Ansicht nach erstmal zu
Das ist ein sehr richtiger Einwand.klären, was man unter RV überhaupt versteht. Dies mag man als spitzfindigen Einwand eines Mathematikers abtun, aber man sollte diese Frage doch zuerst klären. Zitat: Die hinter der Kreuzkorrelation stehende Logik würde mich
Thomas dachte vermutlich an *Variationen* der RV. Dann kann man ein interessieren. Womit wird das Spektrum korreliert? Wenn es mit sich selbst korreliert wird, sollte man besser von Autokorrelation sprechen. Aber welchen physikalischen Hintergrund gibt es? Gibt es eine entsprechende detaillierte Beschreibung? Spektrum einer Serie als Template benutzen und die Verschiebung der anderen gegen das Template messen. Das setzt voraus, dass sich das Spektrum nur verschiebt, ohne Profiländerungen. Bei der Planetensuche ist das ein Standardverfahren, da man damit viele Linien gleichzeitig messen kann und auch unsymmetrische Linien benutzen kann. Zitat: Unabhängig von dieser Problematik lohnt sich die Beschäftigung mit
Ja, das ist ein schönes Werkzeug.splat-vo. Man kann dort u. a. leicht mehrere Spektren in einem Frame zusammenstellen oder ein Spektrum, das aus mehreren sich überlappenden Unterspektren besteht zu einem Gesamtspektrum zusammenfügen. Viele Grüße Christian Herzliche Grüße, Otmar |
|
| Seite 1 von 1 | Alle Zeiten sind UTC+02:00 |
| Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Limited https://www.phpbb.com/ |
|