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| Jenseits der Auflösungsgrenze! https://forum.vdsastro.de/viewtopic.php?t=3828 |
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| Autor: | Tobias Feger [ 29. Mai 2012, 23:09:13 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Jenseits der Auflösungsgrenze! |
Hallo zusammen, ich habe ein generelles Verständnisproblem was die Messung von Radialgeschwindigkeiten betrifft. Angenommen man möchte einen Stern vermessen dessen Radialgeschwindigkeit 1m/s beträgt. Die dazu benötigte Auflösung kann gemäß dem Doppler Gesetz (656nm als Referenzwellenlänge) folgendermaßen bestimmt werden: dL = L * v/c = 2.18*10^-6nm wobei dL (delta Lambda), v = 1m/s und c die Lichtgeschwindigkeit ist. Daraus lässt sich dann das benötigte R ermitteln: R = L / dL = 3^*10^8 (Dreihundertmillionen!!!) So ... nimmt man einen gängigen Spektrographen wie etwa HARPS der ein Auflösungvermögen von R ~ 100000 liefert wäre eine Messung von 1m/s rein theoretisch ja gar nicht möglich. Das Verhältnis zwischen gefordertem und tatsächlich bereitgestelltem Auflösungsvermögen beträgt 3000. Angenommen das Auflösungselement beträgt exakt zwei Pixel (Nyquist Kriterium erfüllt) so ist der Wellenlängenversatz um 1/3000stel kleiner als das Auflösungelement selbst. Mir ist bekannt, dass man über die Kreuzkorrelation, Verwendung mehrerer Linien und ordentlicher Druck / Temperatur Stabilisierung einiges an Performance herausholen kann. Aber leider verstehe ich den Zusammenhang noch nicht wirklich. Es wäre also super wenn mir das mal jemand verständlich erklären könnte. Viele Grüße Tobias |
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| Autor: | Thomas Eversberg [ 30. Mai 2012, 08:55:43 AM ] | ||
| Betreff des Beitrags: | |||
Hallo Tobias! Vorab: Ich bin kein Experte zu diesem Thema und ich habe auch keine praktische Erfahrung dazu. Ich gehe davon aus, dass Du Dich mit Kreuzkorrelationen und einer mathematischen Faltung auskennst. Trotzdem versuche ich eine kurze Erläuterung aus meiner Sicht. Ich denke, wir sind uns einig, dass eine Kreuzkorrelation die Voraussetzung für Messungen in diesem Genauigkeitsbereich ist. Bei einer Faltung bildet man das Integral Wir schieben also die beiden Funktionen f und i entlang des gemeinsamen Definitionsraumes (hier Die Details zu Nyquist beleuchte ich hier nicht extra und habe das Nyquistkriterium wie Du mit 2 Pixel angenommen. Gruß, Thomas
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| Autor: | Otmar Stahl [ 30. Mai 2012, 09:22:57 AM ] |
| Betreff des Beitrags: | Jenseits der Auflösungsgrenze! |
Hallo Tobias, On 05/29/2012 11:09 PM, Tobias Feger wrote: Zitat: Hallo zusammen,
Diese Rechnung stimmt. Aber Du kannst natürlich selbst bei einerich habe ein generelles Verständnisproblem was die Messung von Radialgeschwindigkeiten betrifft. Angenommen man möchte einen Stern vermessen dessen Radialgeschwindigkeit 1m/s beträgt. Die dazu benötigte Auflösung kann gemäß dem Doppler Gesetz (656nm als Referenzwellenlänge) folgendermaßen bestimmt werden: dL = L * v/c = 2.18*10^-6nm wobei dL (delta Lambda), v = 1m/s und c die Lichtgeschwindigkeit ist. Daraus lässt sich dann das benötigte R ermitteln: R = L / dL = 3^*10^8 (Dreihundertmillionen!!!) So ... nimmt man einen gängigen Spektrographen wie etwa HARPS der ein Auflösungvermögen von R ~ 100000 liefert wäre eine Messung von 1m/s rein theoretisch ja gar nicht möglich. Das Verhältnis zwischen gefordertem und tatsächlich bereitgestelltem Auflösungsvermögen beträgt 3000. Angenommen das Auflösungselement beträgt exakt zwei Pixel (Nyquist Kriterium erfüllt) so ist der Wellenlängenversatz um 1/3000stel kleiner als das Auflösungelement. einzelnen Linie (scharf, nicht zu schwach) sehr viel genauer als als ein Auflösungselement zentrieren. Das übliche 1/10-Pixel ist das schon relativ schlecht. Harps und andere Planetensucher gewinnen zusätzlich über die Linienanzahl, wobei die einfachste Art, mehrere Linien zu messen, die Kreuzkorrelation ist. Zitat: Mir ist auch bekannt, dass man über die Kreuzkorrelation, Verwendung
Die Genauigkeit hängt, wenn der Apparat ausreichend stabil ist (wasmehrer Linien und ordentlicher Druck / Temperatur Stabilisierung einiges an Performance herausholen kann. Aber leider verstehe ich den Zusammenhang noch nicht wirklich. Es wäre also super wenn mir das mal jemand verständlich erklären könnte. nicht einfach zu bewerkstelligen ist) vom S/N und der Auflösung des Spektrums, der Linienanzahl und der Linienschärfe ab (Rotationsgeschwindigkeit). Aus den obigen Gründen ist die Genauigkeit von 1 m/s auch nur bei kühleren Sternen (sonnenähnlich) möglich. Heißere Sterne habe zu wenig und zu breite Linien. Die genaue Formel ist z.B. in dem folgenden Paper abgeleitet: http://articles.adsabs.harvard.edu//ful ... 7.000.html Zitat: Viele Grüße Tobias
Herzliche Grüße,Otmar |
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| Autor: | Lothar Schanne [ 30. Mai 2012, 16:12:00 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Jenseits der Auflösungsgrenze! |
Zitat: Die Genauigkeit hängt, wenn der Apparat ausreichend stabil ist (was
Hallo Tobi und Otmar,nicht einfach zu bewerkstelligen ist) vom S/N und der Auflösung des Spektrums, der Linienanzahl und der Linienschärfe ab (Rotationsgeschwindigkeit). Aus den obigen Gründen ist die Genauigkeit von 1 m/s auch nur bei kühleren Sternen (sonnenähnlich) möglich. die "Messung" eines Linienschwerpunktes (Zentrum) wird doch so durchgeführt, dass die Linie, welche durch wenige Pixelwerte gefittet werden muss, durch eine Funktion modelliert wird (z.B. ein Gaußprofil). Wenn nun eine Linie nicht diesem Modell entspricht, sondern Abweichungen zeigt, wird doch auch das Linienzentrum etwas fehlerhaft berechnet. Sind dadurch solche Genauigkeiten nur an besonders symmetrischen und klar getrennten (definierten) Linien erreichbar? OK, bei der Kreuzkorrelation wird das gesamte Spektrum (oder ein vorher definierter Ausschnitt) mit einem template zur Deckung gebracht. Da gelten meine obigen Anmerkungen bzgl. Fitting wohl nicht. Aber hier wird dann eine gute Übereinstimmung von template und auszuwertendem Spektrum vorausgesetzt (was die Profile und sonstige Störungen wie terr. Linien etc. betrifft). Generell sollte jede Linie wohl mit möglichst vielen Pixeln abgedeckt sein (damit nicht nur 3 oder 4 Pixelwerte für eine komplette Linie zur Verfügung stehen). Wir dürfen ja nicht vergessen, dass unsere gemessenen Spektren auf Grund der Pixelung des Detektors aus auf- und absteigenden Treppenstufen besteht (und keinen kontinuierlichen Kurven, wie es uns die Programme bei entsprechender Einstellung im Graph vorgaukeln). Hier könnte es vermutlich fallweise besser sein, das Nyquist-Kriterium nicht zu befolgen und besser ein oversampling zuzulassen? |
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| Autor: | Otmar Stahl [ 30. Mai 2012, 16:27:53 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Jenseits der Auflösungsgrenze! |
Hallo Lothar, On 05/30/2012 04:12 PM, Lothar Schanne wrote: Zitat: die "Messung" eines Linienschwerpunktes (Zentrum) wird doch so
Ja, das stimmt im Prinzip. Wenn man das verbessern will, muss man diedurchgeführt, dass die Linie, welche durch wenige Pixelwerte gefittet werden muss, durch eine Funktion modelliert wird (z.B. ein Gaußprofil). Wenn nun eine Linie nicht diesem Modell entspricht, sondern Abweichungen zeigt, wird doch auch das Linienzentrum etwas fehlerhaft berechnet. PSF (point spread function) genau modellieren. Für sehr hohe Genauigkeit ist das notwendig. Zitat: Sind dadurch solche Genauigkeiten nur an besonders symmetrischen und
Kreuzkorrelationen macht man über viele Linien. Man kann es sich nichtklar getrennten (definierten) Linien erreichbar? erlauben, die meisten Linien wegzuwerfen. Zentriert wird dann schließlich der Peak der Kreuzkorrelationsfunktion. Zitat: OK, bei der Kreuzkorrelation wird das gesamte Spektrum (oder ein
Terrestrische Linien und ähnliches muss man entfernen, sonst geht dasvorher definierter Ausschnitt) mit einem template zur Deckung gebracht. Da gelten meine obigen Anmerkungen bzgl. Fitting wohl nicht. Aber hier wird dann eine gute Übereinstimmung von template und auszuwertendem Spektrum vorausgesetzt (was die Profile und sonstige Störungen wie terr. Linien etc. betrifft). ganz schief. Dazu benutzt man i.a. eine Softwaremaske (0 oder 1), mit der man das Spektrum multipliziert, und die nur in "guten" Bereichen 1 ist. Zitat: Generell sollte jede Linie wohl mit möglichst vielen Pixeln abgedeckt
Ja, es empfiehlt sich, etwas besser, als nach Nyquist vorgeschrieben, zusein (damit nicht nur 3 oder 4 Pixelwerte für eine komplette Linie zur Verfügung stehen). Wir dürfen ja nicht vergessen, dass unsere gemessenen Spektren auf Grund der Pixelung des Detektors aus auf- und absteigenden Treppenstufen besteht (und keinen kontinuierlichen Kurven, wie es uns die Programme bei entsprechender Einstellung im Graph vorgaukeln). Hier könnte es vermutlich fallweise besser sein, das Nyquist-Kriterium nicht zu befolgen und besser ein oversampling zuzulassen? samplen. Mehr als ca. 3 Pixel pro FWHM bringt aber nichts mehr. Herzliche Grüße, Otmar |
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| Autor: | Christian Netzel [ 31. Mai 2012, 14:48:35 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | |
Hallo, aus: Physics@nature A spectrograph for exoplanet observations calibrated at the centimetre-per-second level Tobias Wilken et al. Nature doi:10.1038/nature11092 First Paragraph | Full Text | PDF Paßt doch zum Thema oder? Viele Grüße Christian |
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| Autor: | Otmar Stahl [ 31. Mai 2012, 14:59:43 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Jenseits der Auflösungsgrenze! |
Hallo Christian, On 05/31/2012 02:48 PM, Christian Netzel wrote: Zitat: Hallo,
Ja, das passt gut zum Thema. Lampen, bzw. deren Alterung, sindaus: Physics(==>)nature A spectrograph for exoplanet observations calibrated at the centimetre-per-second level Tobias Wilken et al. Nature doi:10.1038/nature11092 First Paragraph | Full Text | PDF Paßt doch zum Thema oder? tatsächlich eines der Probleme, wenn man sehr genau messen will. Es gibt aber auch andere Probleme, an die man nicht sofort denkt: Z.B. ändert sich die Geschwindigkeit der Erde während der Belichtung merklich, vor allem wegen der Erdrotation. Man muss also die Mitte der Belichtung sehr genau kennen (Sekunden oder besser), um die heliozentrische Korrektur richtig zu berechnen. Mitte heißt hier, wann die Hälfte der Photonen angekommen sind. Nachführfehler oder variable Transparenz können sich da schon stark auswirken. Von der Sorte Probleme gibt es noch mehr, z.B. sind nicht alle CCD-Pixel exakt gleich groß usw. Zitat: Viele Grüße
Herzliche Grüße,Christian Otmar |
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