Hallo,
nach längerer Zeit möchte ich gerne über das first light mit dem LISA Spektrografen von Shelyak berichten. Zur Gerätetechnik werde ich noch ein separates Posting verfassen, zumal ich annehme, dass es eher wenig verbreitet ist. Es handelt sich um einen Gitterspektrografen mit fest verbautem 300 l/mm Gitter (es wird noch eine IR-Variante angeboten), ich nutze dabei einen 50mu Spalt. Nett ist, dass LISA eine Kalibration-Unit mirbringt, die - per Schalter - das Licht einer ArNe-Glimmlampe einspiegelt und man so ohne Umbau vor und nach der Erfassung der Objektspektren Kalibrationsspektren aufnehmen kann.
Meine Absicht war, mit LISA zu lichtschwächeren Galaxien vorzustoßen. Mit dem Dados erreichte ich 10mag bei Belichtungszeiten von 30min. Und als Testobjekt wählte ich die Galaxie NGC 6764 im Cygnus.
http://www.astro-images.de/gallery/gala ... c6764.html
Helligkeitsangaben bei Galaxien sind wg. der Flächigkeit immer problematisch, für NGC6764 wird 12.6 mag genannt, im NED findet man auch den Hinweis LINER, d.h. der Galaxienkern dieser Balkenspiralgalaxie sollte auch Emissionslinien zeigen.
In den klaren Sommernächten der letzten Woche habe ich 6 30min-Einzelspektren aufgenommen und aufaddiert. Nachfolgend seht ihr den Screenshot des Spektrums - man erkennt das dramatische Störlicht durch die Natriumdampf- und Energiesparleuchten in meiner Nachbarschaft.
Im Spektralfaden findet man schon Hinweise auf Emissions-Anteile. Es folgte die Auswertung - ich habe dazu BASS Projekt genutzt, aber dies ist sicher Geschmackssache. Gefallen haben mir die einfachen Auswahlwerkzeuge im FIT-Bild, die einfache Kalibration und die Labels, die man den Profile hinzufügen kann. Das nachfolgende Profil zeigt das NGC6764 Spektrum, mit dargestellt sich die 10 Kalibrationslinien. Die Emissionslinien finden sich bei 660nm und bei 490nm. Die Linien bei 550nm sind Artefakte der Hintergrundsubtraktion - hier liegen Na- und Hg-Linien sowie die irdische O-Linie bei 557.7nm.
Die nachfolgenden zwei Ausschnitte zeigen die Bereich mit den Emissionslinien. Die gemessenen Linien-Lagen sind mit schwarzen Linien und Wellenlängen-Angaben eingetragen.
Grüner Bereich ... (anhand der H-Beta-Ruhelage erkennt man die Rotverschiebung des Spektrums)
Roter Bereich ...
Man erkennt die prominenten H-Alpha, [NII] und [SII] Linienemission im roten Spektralbereich. Die spektrale Auflösung reicht leider nicht aus, bei dieser lichtschwachen Galaxie die zwei [SII] Linien zu trennen. Das SNR ist aber groß genug, das man die Linienlagen messen kann - siehe Tabelle unten. Im grünen Bereich sind die Linien weniger deutlich - bei Seyfert-Galaxien wären diese Linien stärker ausgeprägt, aber bei einem LINES reicht die Kernleuchtkraft nicht aus, um diese Beiträge zu leisten. Interessant ist aber, dass man die Linien feststellt. Wobei man hier sagen muss, dass man schon weiß, wonach man sucht
Linie Delta-Lambda (nm) Lambda_0 (nm) z v/c v (km/s) v-HelioCorr (km/s)
- Hbeta 4.1 486.1 0.00843 0.00840 2518.0 2513.5
- [OIII] 4.4 500.7 0.00879 0.00875 2623.0 2618.5
- [OIII] 4.2 495.9 0.00847 0.00843 2528.4 2523.9
- Halpha 5.5 656.3 0.00838 0.00835 2501.9 2497.4
- [NII] 5.5 658.4 0.00835 0.00832 2493.9 2489.4
- [SII] blend 5.5 672.4 0.00818 0.00815 2442.2 2437.7
Man erhält aus den Messungen einen Mittelwert von 2513 +/- 60 km/s. Der Literaturwert der Fluchtgeschwindigkeit von NGC 6764 beträgt 2416 km/s. Für das first light bin ich mit den etwa 4% Abweichung ganz zufrieden. Und, so wie es ausschaut, erlaubt es das Setup, Galaxienkerne mit 12+mag zu spektrometrieren. Damit vergrößert sich die To-Do-Liste merklich.
Schöne Grüsse,
Michael
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http://www.astro-images.de
14"-Hypergraph, Spektrographen: Dados & LISA