Hallo zusammen,
zunächst mal vielen Dank dafür, dass ich hier im Forum teilnehmen darf. Ich verfolge es seit einiger Zeit und konnte viel lernen. Ich möchte hier gerne mein Selbstbau-Projekt eines Littrow-Spektrographen vorstellen und hoffe auf viele gute Tipps von Euch. Kurz zu meiner Person: ich habe den klassischen Weg vieler durchlaufen, betreibe seit vielen Jahren Astronomie als Hobby, in der Vergangenheit vorwiegend planetary imaging und ein paar rudimentäre deep sky Versuche bei bescheidenem Equipment. In der Spektroskopie bin ich ein Newbie, sodass ich an dieser Stelle gleich um Entschuldigung bitte, wenn ich in den folgenden Ausführungen zu viel Unsinn schreibe … Daher bin ich für jeden Hinweis dankbar, was ich am Spektrographen oder bei den Aufnahmen und der Auswertung verbessern kann, oder wo vielleicht noch systematische Fehler liegen.
Da man maximal 5 Bilder einfügen kann, habe ich meinen Beitrag in 4 Teile gegliedert: Design und Bau Teil 1 und 2, Messungen Teil 1 und 2. Ich hoffe, es wird nicht zu länglich, aber der Leser kann ja weglassen, was für ihn uninteressant ist.
Aufgrund meines naturwissenschaftlichen Hintergrunds hatte ich schon immer mit der Astro-Spektroskopie geliebäugelt, hatte mich aber doch mit anderen Sachen abgelenkt und die Realisierbarkeit auch nur als mäßig eingeschätzt (Equipment und mehrere fette Straßenleuchten, die meine Dachterrasse bescheinen …). Nach einem Besuch der ATT 2015 und einem Gespräch mit Oliver Thizy wollte ich nun aber doch einsteigen und informierte mich über die Möglichkeiten.
Das Design
Nach einigem hin und her verwarf ich den Einstieg mit Star Analyser, denn ich wollte schon einen „richtigen“ Spektrographen zum Daten sammeln und entschied mich, nach kurzem Blick auf die Kosten eines Lhires III zum Selbstbau eines Littrow-Spektrographen, nicht zuletzt ermutigt durch die Postings in diesem Forum und die vielen guten Beiträge im Netz. Ich fand es auch klasse, dass die Gruppe um Chr. Buil die alten Lhires – Pläne öffentlich macht. Außerdem dachte ich mir, dass der Lerneffekt einfach größer ist, wenn man das Instrument selbst baut, und schließlich hat man dann auch keine Angst davor, ein x000 Euro Gerät auseinander zu bauen und zu ruinieren. So folgt das Design meines ‘‘Specthor I‘‘

auch den Grundzügen von Lhires III (Buil et al.) [1] und Spectra L200 (Harrisson) [2], jedoch mit einigen wesentlichen Änderungen. Diese sind insbesondere:
- 5mm plangefrästes Aluminium als Gehäuse
- verstellbarer Spiegelspalt mit Mikrometer
- großes Gitter 50x50mm und goßer Kollimator, um ggf. auch bei f/6 zu arbeiten
- Kollimator-Fokussierung über Rack & Pinion von außen
- Ne-Ar Kalibrierung (Relco SC480) außen am Gerät, mit Klapp-Spiegel zum Einspiegeln in den Strahlengang
- Zusätzliche Iris hinter dem Spalt zur Minimierung von Streulicht wenn erforderlich
- Optiken: 42,5/f 195mm Achromat von Edmund Optics, Planspiegel lambda/4 von Edmund Optics, 1200er Gitter (blaze 500nm) von Qioptics (plus 100er und 300er Horiba Gitter zum Wechseln)
- Theoretische Auflösung ca. R=5500 bei 6563nm
Das Ganze ist ausgelegt auf f/10, gerechnet mit Simspec [3], sollte aber mit den so dimensionierten Optiken auch bei f/6 funktionieren. Hier das grundsätzliche Design:
Dateianhang:
Bild 1 Design.png [ 115.88 KiB | 9169 mal betrachtet ]
Bild 1: Specthor I – schematischer Schnitt
Und nach einigem Sägen, Bohren und Gewindeschneiden (schneller gesagt als getan …) dann der fertige Spektrograph:
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Bild 2 Foto 1 klein.PNG [ 394.66 KiB | 9169 mal betrachtet ]
Bild 2: Der Spektrograph von der Seite mit Anschlüssen
Dateianhang:
Bild 3 Foto 2 klein.PNG [ 356.8 KiB | 9169 mal betrachtet ]
Bild 3: Weitere funktionale Einheiten
Und dann das Ganze noch geöffnet:
Dateianhang:
Bild 4 Specthor I geöffnet klein.PNG [ 342.67 KiB | 9169 mal betrachtet ]
Bild 4: Der Spektrograph, geöffnet
Wie man sieht habe ich aus Praktikabilitätsgründen nicht alles mit Anti-Reflexfarbe eingekleistert, sondern ein paar schmale Streifen gelassen, dort zeigt die Eloxierung doch deutliche Reflexionen. Aber die (sehr gute) Antireflexfarbe (Berger Astrogeräte) ist sehr empfindlich, und beim Öffnen / Hantieren würden sich leicht Farbkörner lösen.
Das Instrument ist wegen der, sagen wir mal stabilen, Ausführung recht schwer mit ca. 2,8 Kg. Dafür sind die verwendeten Kameras (Starlight Xpress HX916 und ALccd 5L II), recht leicht. In der Tat muss ich aber am verwendeten C8 eine zusätzliche Halteschiene anbringen, um Verkippungen zu vermeiden.
Wenn ich mit Simspec [3] richtig gerechnet habe, komme ich auf etwa folgende Grenzgrößen (nach Bowen) für das Instrument:
Dateianhang:
Bild 5 Grenzgrößen.png [ 26.19 KiB | 9169 mal betrachtet ]
Bild 5: Erwartete Grenzgrößen des Spektrographen, gerechnet mit Simspec [3]
Tatsächlich werden sich die meisten Belichtungszeiten aber eher zwischen 120 und 600 sec abspielen, vermute ich.
Die Kalibrierung erfolgt mit Ne-Ar-Glimmstartern Relco SC480 (Walker 2015, [4]). Merci auch an das Forum für den Tipp mit den Conrad Invertern für Kaltkathoden-Lampen! Die Wahl der geeigneten Software zur Spektren-Reduktion fand ich einigermaßen schwierig. Ich hatte es mit IRAF probiert, aber ehrlich gesagt finde ich eine CL-basierte Eingabe für Software im Jahr 2016 einfach anachronistisch und für den Einstieg sehr komplex, dazu noch in Unix ... Für meine Zwecke halte ich BASS-Project von John Paraskeva [5] für sehr gut geeignet. Hier würde mich interessieren, ob auch andere das Programm kennen und welche Vorteile/Nachteile sie gegenüber anderen Programmen wie IRAF, ISIS usw. sehen. BASS ist sehr intuitiv und leicht zu bedienen.
... Design und Bau Teil 2 folgt
Beste Grüße,
Thorsten