Hallo,
wie angekündigt, möchte ich hier auf einen "lichtschwachen Aspekt" eingehen, der mir in den NGC 6764 Rohdaten aufgefallen ist. Zum besseren Verständnis zeige ich Euch die Lage des Spaltes in der nachfolgenden Grafik. Durch die große LISA Spaltlänge konnte ich einen großen Teil des Lichts des Balkens von NGC6764 auch in den Spalt fallen lassen.
Mit Astrometrica habe ich das FITS-Bild der Aufnahme, die ich damals für das "pretty picture" auf meiner Homepage genutzt habe, photometrisch ausgemessen. Die Magnituden habe ich eingetragen, die links liegenden aktiven Regionen am Balkenende besitzen eine Helligkeit im Bereich von 15mag. Betrachtet man das Rohspektrum, so sieht man, unterhalb des Spektrum des hellen Kernes, eim zweites lichtschwaches Spektrum, das dieser aktiven Region zugeordnet werden kann (siehe gelbes Rechteck). Dieses ist sehr schwach, doch vergleicht man es mit den helleren Kernspektrum, so erkennt man - zumindest sehe ich dies so - recht klar, dass auch hier Emissionslinien im Bereich der H-Alpha Linie enthalten sind. Der gelbe Pfeil zeitg auf diesen Bereich
Ich habe für dieses Spektrum auch ein Spektralprofil erstellt. In der gleichen Art udn Wiese wie schon für das Kernspektrum, d.h. ich habe auch hier den Himmelhintergrund oben und unterhalb markiert und subtrahiert.
Zur Linienindentifikation im Profil bin ich so vorgegangen, dass ich die, im Kernprofil gemessenen Linienlagen, als Bezug mit dargestellt habe. Im Spektralprofil erkennt leicht die H-Alpha Emissionslinie - das SNR liegt etwa bei 4. Rechts neben ihr liegt die [NII] Linie. Man sieht auch, dass es keine Linienverschiebungen zum Kernspektrum gibt. Damit haben die Linien der aktiven Regionen im Balken der Spiralgalaxie die gleiche Rotverschiebung bzw. Fluchtgeschwindigkeit wie der Kern. Dies klingt zwar trivial, ich wollte dies aber gerne als Beleg anführen, dass das zweite lichtschwache Spektrum auch wirklich zur Galaxie gehört.
Zum Vergleich - auch wenn es zuerst etwas unübersichtlich erscheint - habe ich die zwei Profile von Kern und Balkenregion zusammen übereinander gelegt. Die nachfolgende Grafik zeigt diese Montage - etwas unschön ist es, dass die Normierung fehlt, der Niveau-Unterschied ergibt sich hier dadurch, dass ich etwas unterschiedliche Bereiche zur Hintergrundsubtraktion gewählt habe. Dies werde ich das nächste Mal besser machen, bzw. hier werde ich noch einmal nacharbeiten müssen.
NGC6764-Kern-Spektrum ... violettes Spektralprofil
NGC6764-Balkenbereich-Spektrum ... grünes Spektralprofil
Astrophysikalisch kann man hier recht interessante Schlussfolgerungen ziehen - der Kern emittiert [SII]-Licht, im Balken-Spektralprofil ist dies nicht nachweisbar. Auch fällt auf, dass die [NII] Linie im Balken-Spektralprofil (grün) schwächer ist als im Kernspektrum (violett). Dieses Resultat, dass als [NII] und [SII] relativ zu H-Alpha, schwächer sind, entspricht genau den Erwartungen - diese relative Abschwächung wird auch beim vergleich von AGNs und HII-Galaxienkernen beobachtet. Der aktive Kern von NGC6764 wird als LINER klassifiziert und die aktive Balkenregion sendet Licht aus, wie es der Kern einer HII-Galaxie tun würde. Diese HII-Galaxien liegen am Übergang zu einer aktiven Galaxie, ihre Kernleuchtkraft ist im Vergleich zu den AGNs deutlich geringer, insb. bei hohen Energien.
Mich würde interessieren, wer im Forum schon einmal lichtschwache Objekte spektrometriert hat? Es bietet sich ja fast ein Wettbewerb an
Schöne Grüsse,
Michael
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14"-Hypergraph, Spektrographen: Dados & LISA