| Forum der Vereinigung der Sternfreunde https://forum.vdsastro.de/ |
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| Dipolmagnetfeld killt Keplerscheibe https://forum.vdsastro.de/viewtopic.php?t=5256 |
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| Autor: | Christian Netzel [ 13. Mai 2018, 20:20:01 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Dipolmagnetfeld killt Keplerscheibe |
Hallo, das folgende Paper dürfte für all interessant sein, die sich für OBA-Sterne interessieren: https://arxiv.org/pdf/1805.03001.pdf Viele Grüße Christian |
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| Autor: | Christian Netzel [ 15. Mai 2018, 07:24:00 AM ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Dipolmagnetfeld killt Keplerscheibe |
Hallo, in einer privaten Mail fragte mich Georg Pieler, welcher Mechanismus zur Auflösung der Keplerscheibe führt. Ich nehme an, daß diese Frage auch andere interessiert und gebe deshalb hier in diesem Forum meine Ansicht zum besten. Da ich ebenso wie Georg auf dem Gebiet der Plasmen nicht sattelfest bin, kann ich hier nur folgende Vermutung aufstellen. Die Materie der Keplerscheibe wird durch der Strahlung des Sterns in ein Plasma umgewandelt. Alle Teilchen, die sich außerhalb einer äquatorialen Bahn befinden haben eine Geschwindigkeitskomponente parallel zum Magnetfeld. Da die Scheibe eine positive Dicke hat, betrifft das die Mehrzahl der Teilchen. Wegen der elektrischen Ladung werden sie durch das Magnetfeld auf eine schraubenförmige Bahn entlang der Feldlinien gezwungen und damit wird die Dichte der Scheibe verringert. Ich denke, daß man so zumindest eine qualitative Erklärung bekommt, die das Verständnis erleichtert. Vielleicht hat jemand unter uns mehr Kenntnisse über Plasmaphysik. Der möge sich bitte melden. Viele Grüße Christian |
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| Autor: | Thomas Eversberg [ 15. Mai 2018, 08:42:46 AM ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Dipolmagnetfeld killt Keplerscheibe |
Hallo zusammen, es geht in dem Paper nicht darum, dass ein Magnetfeld eine Keplerscheibe auflöst. Vielmehr wird theoretisch berechnet, dass schon ein sehr schwaches Magnetfeld (< 10 Gauss) eine Plasmascheibe zerstören würde - In Wirklichkeit würde sich eine Scheibe bei einem B-Feld gar nicht erst bilden können. Be-Sterne besitzen aber eine Scheibe und es wurden auch noch keine B-Felder gefunden sondern nur in rund jedem 10ten massereichen Stern vom Typ O, B und A. Das bedeutet nach der Rechnung der Autoren: Be-Stern => kein Feld zu erwarten. Gruß, Thomas |
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| Autor: | Christian Netzel [ 15. Mai 2018, 10:37:26 AM ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Dipolmagnetfeld killt Keplerscheibe |
Hallo Thomas, was die Intention der Autoren betrifft, hast Du recht. Das kommt auch im Text zum Ausdruck. Aber was passiert, wenn wir die Zeit t durch -t ersetzen. Kann dann sozusagen aus dem Nichts eine Plasmascheibe entstehen? Vermutlich nicht. Aber mit welcher Begründung? Viele Grüße Christian |
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| Autor: | Thomas Eversberg [ 15. Mai 2018, 10:48:44 AM ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Dipolmagnetfeld killt Keplerscheibe |
Nein, das geht nicht. Die Zeit läuft nicht rückwärts. |
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| Autor: | Christian Netzel [ 15. Mai 2018, 14:35:36 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Dipolmagnetfeld killt Keplerscheibe |
Die Transformation t -> -t bedeutet natürlich nicht, daß die Zeit rückwärts läuft, sondern der Vorgang in umgekehrter Richtung abläuft. Solange der 2. Hauptsatz der Thermodynamik keine Rolle spielt (wegen der Entropie) erlauben die physikalischen Gesetze, daß ein Vorgang auch rückwärts abläuft. S. z. B. Landau Lifschitz Bd. 3 Christian |
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| Autor: | Thomas Eversberg [ 15. Mai 2018, 18:03:59 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Dipolmagnetfeld killt Keplerscheibe |
Ich verstehe! Du willst das kaputte Ei vom Boden springen lassen und es „fällt“ dann heile auf den Tisch. Und das willst Du für eine Keplerscheibe betrachten. Oder versteh ich das jetzt total falsch? |
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| Autor: | Christian Netzel [ 15. Mai 2018, 19:16:01 PM ] |
| Betreff des Beitrags: | Re: Dipolmagnetfeld killt Keplerscheibe |
Genau! Der Vergleich ist wirklich hervorragend. Meine Frage ist zunächst, ob das im Paper verwendete Modell irgendeinen Bezug auf die Entropie nimmt. In dem Fall wäre die Umwandlung des kaputten Eis in ein "heiles" Ei zwar theoretisch möglich aber extrem unwahrscheinlich. Im anderen Fall wäre zu unterscheiden, ob das Modell entweder - korrekt ist und eine Scheibe tatsächlich aus durch Umkehrung des dort beschriebenen Prozesses mit hinreichen großer Wahrscheinlichkeit entstehen kann - oder das Modell durch zu große Vereinfachung so eine Möglichkeit nur vortäuscht. Im ersten Fall würde das Modell vermutlich die Wirklichkeit nur sehr unvollkommen beschreiben, da mir ein derartiger Vorgang nicht sehr plausibel erscheint. Ich konnte dem Text keinen direkten Hinweis entnehmen. Die Autoren weisen zwar auf verschiedene Vereinfachungen hin geben aber auf meine Frage nur einen indirekt Hinweis, indem sie betonen, daß der Auflösungsvorgang der Scheibe nur sehr schwach von einigen Parametern z. B. Rotationsgeschwindigkeit und Massenverlustrate abhängt. Dies würde bedeuten, daß der zeitlich umgekehrte Vorgang instabil von seinem Ausgangszustand ist, da von sehr ähnlichen Endzuständen des originalen Vorgangs mit t (für den Vorgang mit -t = Anfangszustand) sehr unterschiedliche Anfangszuständen (für den Vorgang mit -t = Endzustände) erreicht werden können. Damit würde die wachsende Entropie durch Instabilität des zeitlich umgekehrten Vorgangs modelliert. Das klingt (und ist auch) jetzt etwas umständlich, aber ich weis nicht wie ich es besser ausdrücken soll. Dein Vergleich mit Ei bringt das ganze auf den Punkt. Christian |
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