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PostPosted: 11. June 2019, 14:27:53 PM 
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Joined: 25. October 2016, 14:03:36 PM
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Hallo miteinander,

die folgende Pressemitteilung gibt die VdS heute anläßlich der Beeinträchtigung (amateur)astronomischer Beobachtungen durch Satellitenkonstellationen wie Starlink heraus.

Viele Grüße
Caro

----

Die Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS) und ihre Mitglieds-Sternwarten der haben in den vergangenen zwei Wochen eine Vielzahl von teils besorgten Anfragen von Sternfreundinnen und Sternfreunden, aber auch aus der allgemeinen Bevölkerung erhalten. Hintergrund sind 60 Satelliten der vom US-Raumfahrtunternehmen SpaceX geplanten Satellitenkonstellation „Starlink“, die am 24. Mai 2019 in eine Erdumlaufbahn gebracht wurden. Insbesondere in den Tagen unmittelbar nach dem Start waren die Satelliten als eine extrem auffällige Kette von über den Himmel ziehenden, hellen Lichtpunkten wahrnehmbar und lösten dadurch entsprechende Aufmerksamkeit und Verunsicherung aus. Zwar haben sich die einzelnen Satelliten mittlerweile räumlich verteilt und ihre Helligkeit hat durch das Anheben und Stabilisieren ihrer Umlaufbahnen nachgelassen, dennoch sind sie nach wie vor sporadisch als helles Aufblitzen sichtbar und durchgehend fotografisch nachweisbar.

SpaceX will mit Starlink eine satellitenbasierte Infrastruktur für Hochgeschwindigkeits-Internetanbindungen weltweit bereitstellen. Hierfür sind im endgültigen Ausbau der Konstellation etwa 12.000 Satelliten vorgesehen, was die Zahl aller sich zur Zeit in der Erdumlaufbahn befindlichen Satelliten bei weitem übersteigt. Weitere Unternehmen wie Amazon planen ähnliche Konstellationen, hier steht der Start der ersten Satelliten jedoch noch aus. Die VdS ist sich der Bedeutung des Internets und der Entwicklungschancen durch die Anbindung auch weniger privilegierter Regionen der Erde bewusst. Gleichwohl birgt der anstehende gewaltige Zuwachs an künstlichen Satelliten in der Erdumlaufbahn auch Risiken, mit denen verantwortungsvoll umgegangen werden muss.

Für die VdS ist als bundesweitem Interessenverband der Amateurastronominnen und Amateurastronomen in Deutschland der Schutz des Anblicks des gestirnten Himmels als einzigartigem Kulturerbe der Menschheit ein zentrales Anliegen. Das Erleben dieses Naturwunders ist bereits jetzt in großen Teilen der Erde in höchstem Maße durch ineffiziente und übermäßige künstliche Beleuchtung stark beeinträchtigt und würde durch die Vielzahl an zu erwartenden neuen künstlichen Satelliten möglicherweise auch in bislang von der Lichtverschmutzung weitgehend unbehelligten Regionen der Erde irreparablen Schaden erleiden. Bereits vor dem Start der ersten Starlink-Satelliten waren am Nachthimmel unzählige künstliche Satelliten beobachtbar. Mit zehntausenden zusätzlichen Objekten in der Erdumlaufbahn ist es kein unrealistisches Szenario mehr, dass am Nachthimmel mehr über das Firmament ziehende Satelliten als Sterne zu sehen sind. Dies könnte unser Bild des Nachthimmels, der die Menschheit seit Anbeginn begleitet, für immer verändern. Zudem werden die Beiträge von Amateurastronominnen und Amateurastronomen zur Erforschung des Universums ähnlich wie die der Kolleginnen und Kollegen aus der professionellen Astronomie beeinträchtigt. Zu nennen sind hier beispielsweise Zeitreihen von Helligkeitsmessungen lichtschwacher oder ausgedehnter Objekte oder Verfolgung von Kleinkörpern im Sonnensystem. Auch fotografische Aufnahmen von Himmelsobjekten, die seit jeher die Faszination der Astronomie in die Bevölkerung tragen und einen Beitrag zur Allgemeinbildung leisten, sind betroffen.

Die VdS befasst sich im Rahmen der Arbeit des gesamten Vereins auf allen Ebenen und insbesondere in ihrer Fachgruppe Dark Sky mit dem Schutz des nächtlichen Sternhimmels. Aus diesem Grunde möchten wir unsere Besorgnis zum Ausdruck bringen und gleichzeitig dazu aufrufen, beim zukünftigen Ausbau von Satellitenkonstellationen wie Starlink den Schutz des Nachthimmels als menschliches Kulturgut zu gewährleisten und durch Aufnahme eines Dialoges die Belange von Amateur- wie Profiastronomie miteinzubeziehen.


Attachments:
File comment: Wenn nur wenige Satelliten für solche Spuren zwischen den Sternbildern sorgen, wie wird der Himmel erst mit den geplanten 12.000 Satelliten aussehen? Bildnachweis: Vereinigung der Sternfreunde e.V./Sven Melchert
VdS_Starlink-Satelliten_2019-05-30kl.jpg
VdS_Starlink-Satelliten_2019-05-30kl.jpg [ 235.51 KiB | Viewed 547 times ]
File comment: Drei Tage nach ihrem Start tauchten die 60 Starlink-Satelliten als leuchtende Perlenkette am Nachthimmel auf. Bildnachweis: Vereinigung der Sternfreunde e.V./Sven Melchert
VdS_Starlink-Satelliten_2019-05-27kl.jpg
VdS_Starlink-Satelliten_2019-05-27kl.jpg [ 129.51 KiB | Viewed 547 times ]
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PostPosted: 10. July 2019, 09:33:44 AM 
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Joined: 31. July 2006, 16:43:32 PM
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Hallo zusammen,

es ist nachvollziehbar, wenn die VdS sich um dieses Thema Sorgen macht. Es spricht jedoch nicht für den Vorstand, wenn die obigen Warnungen unreflektiert und ohne echte Belege verbreitet werden. Besser wäre eine solide mit Fakten hinterlegte Antwort auf die besorgten Anfragen. Ich möchte hier nicht mit entsprechenden Kalkulationen kommen sondern auf offensichtliche Inkonsistenzen hinweisen.

Quote:
Mit zehntausenden zusätzlichen Objekten in der Erdumlaufbahn ist es kein unrealistisches Szenario mehr, dass am Nachthimmel mehr über das Firmament ziehende Satelliten als Sterne zu sehen sind.
Wenn der Vorstand von „zehntausenden zusätzlichen Objekten“ schreibt, obwohl er doch einige Zeilen vorher die korrekte Zahl 12.000 publiziert, ist das verwirrend. Dies besonders wenn hier mit einer durchaus fragwürdigen Aussage argumentiert wird.

Quote:
Zudem werden die Beiträge von Amateurastronominnen und Amateurastronomen zur Erforschung des Universums ähnlich wie die der Kolleginnen und Kollegen aus der professionellen Astronomie beeinträchtigt…
Um das beurteilen zu können benötigt die Öffentlichkeit entsprechende Zahlen. Es überrascht mich, dass der VdS-Vorstand bei subjektiven Einschätzungen bleibt. Wie viele Amateure forschen denn wirklich? Inwiefern sind Profis beeinträchtigt? Jeder Starlink-Satellit soll sich in einem 3.5 Quadratgrad großen Feld am Himmel finden. Wie lang hält er sich in diesem Feld auf und wann kreuzt der nächste Satellit diesen Bereich? Ist die obige Aussage damit noch gültig?

Man kann natürlich entsprechende Warnungen ausrufen, gerade in der heutigen Medienlandschaft wird man ja sonst leicht überhört. Ob das sowie realitätsfremde Bilder dem seriösen Diskurs helfen, darf man bezweifeln.

Thomas


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PostPosted: 13. July 2019, 16:19:19 PM 
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Joined: 25. October 2016, 14:03:36 PM
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Hallo Thomas,

die "korrekte Zahl" ist noch nicht bekannt, denn wie im nächsten Satz geschrieben
Quote:
Hierfür sind im endgültigen Ausbau der Konstellation etwa 12.000 Satelliten vorgesehen, was die Zahl aller sich zur Zeit in der Erdumlaufbahn befindlichen Satelliten bei weitem übersteigt. Weitere Unternehmen wie Amazon planen ähnliche Konstellationen
Bitte sorgfältig lesen.

Zu den Beeinträchtigungen der Profi-Astronomie schau dir am besten die diese Thematik eingehdender behandelnden Statements von IAU, AAS, RAS, ESO, usw. an. Vorläufige Zahlen zur Sichtbarkeit findest du zum Beispiel von Alex Parker und Cees Bassa. Daß es sowohl zum Zeitpunkt des Verfassens des Statements als auch noch heute in dieser Hinsicht noch viel ändern kann, stellt der Text dementsprechend ja auch heraus.

Viele Grüße
Caro


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PostPosted: 13. July 2019, 19:41:52 PM 
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Joined: 31. July 2006, 16:43:32 PM
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Hallo Carolin!

Ich habe nicht sorgfältig gelesen…? Das mag meiner Demenz geschuldet sein.

Richtig, die korrekte Satellitenzahl und deren Bahnelemente sind nicht bekannt. Auch die Profis schlagen also ohne wirkliche Informationsbasis die Alarmglocken. Ich finde, das ist Panikmache weil ein Sachverhalt nur suggeriert wird. Das sieht man im VdS-Text an den Konjunktiven und an dem ersten Bildkommentar. Für die VdS und auch für Wissenschaftler, egal ob ESO oder AAS, finde ich das etwas dünn. Was Alex Parker schreibt, hast Du ja nur wiederholt („If SpaceX launches all 12,000, they will outnumber stars visible to the naked eye.“). Das stimmt aber eben nur für die Dämmerung. Auch die Antwort von Cees Bassa auf den korrekten Einwurf von Elon Musk („…sats will be in darkness when stars are visible“) ist nicht souverän. Er redet von Beobachtungen bei 52° Breite. Herrje, welches Profigerät steht in solchen Breiten? Und wer erwartet dort einen dunklen Himmel zur Sommersonnenwende? Das ist doch ein krampfhaft bemühtes Argument. Hier hat Elon Musk nicht ganz unrecht. Auf Dauer überzeugt ihr die Öffentlichkeit so nicht für astronomische Belange. Ich finde, gerade in Zeiten, in denen mit viel Brimborium um Aufmerksamkeit gekämpft wird, sollte man die Fakten nicht aus den Augen verlieren.

Ich arbeite ja beim DLR im Bereich Weltraumlage und kümmere mich gerade um wirklich fundierte Informationen vom Weltraumlagezentrum in Uedem. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Gruß, Thomas


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