Hallo Erik,
ein schönes Spektrum und sicherlich auch nahe an dem, was mit einem SA100 machbar ist. Nur ca. 2 Stunden später konnte ich ebenfalls diese recht helle Nova spektroskopisch ablichten, ebenfalls spaltlos und im konvergenten Strahlengang. Verwendung fand ein C8 (f reduziert auf 1116 mm) und meine "TA300" basierte Prismen-/Gitterkombination (interne Bezeichnung für "Thorlabs Analyser", d.h. das Thorlabs Transmissionsgitter 300 l/mm, Ausführung 25mmx25mm). Die beiden zusätzlichen Prismen von jeweils 6° Ablenkung biegen die gebeugte 1. Ordnung wieder in die Nähe der optischen Achse zurück und beseitigen die chromatische Aberration weitgehend. Zudem haben sie den Vorteil, dass man sich keine "Kontaminierungen" durch 0. Odnungen anderer Objekte einfängt.
Im speziellen kam hier die Infrarot-Variante des Gitters zum Einsatz, daher auch die gute Effizienz in diesem Bereich (sowie die schlechte Statistik unterhalb Hβ). Für das IR-Spektrum wurde zusätzlich ein Gelbfilter (Baader, #15) eingesetzt.
Als Referenzstern zur Ermittlung und Korrektur der Ansprachefunktion wurde β Cas (Caph) verwendet (weniger als 2° Höhendifferenz, die auch noch näherungsweise mit einem gerechneten atmosphärischen Transmissionsprofil korriegiert wurden). Von daher sollte auch der Kontinuumsverlauf relativ genau sein. Der Anstieg zum IR scheint mir deshalb auch real zu sein, die bei der AAVSO hinterlegten Daten zeigen ebenfalls einen starken Überschuss im Roten (vermutlich hat die Explosion auf dem weißen Zwerg ordentlich Staub aufgewirbelt, der jetzt im IR leuchtet

).
Die genaue Ermittlung des Kontinuumsverlauf ist natürlich eine der Stärken der spaltlosen Spektroskopie. Bei Verwendung eines Spaltspektrographen ist das konstruktionsbedingt nicht unmittelbar möglich. Ich hätte gerne noch eine genaue Spektrophotometrie gemacht, aber das ließen die Wetterbedingungen dann doch nicht zu.
Wie von Dir bereits erläutert, handelt es sich anhand der spektralen Charakteristik wohl um eine He/N - Nova. Allerdings scheint die Geschwindigkeit für die Explosionswolke am unteren Ende für diesen Typ zu sein (ca. 2200 km/s, selbst grob abgeschätzt aus den P-Cygni - Flügeln); man sieht es auch schon an den relativ schmalen Emissionslinien, die eher an das Aussehen von Fe-Novae erinnern.
Besonders interessant finde ich die starke Emission der Paschen-Linien, die hier bis herunter zu (wenigstens) Pa 19 identifizierbar sind. Vom Stickstoff sehe ich hier auf Anhieb nur die Linie bei 5679Å. Insbesondere fehlen in meinen (sowie in dem mir bislang bekannten weiteren) Spektren die von Dir angegebenen Linien bei 6670Å und 7485Å vollständig. Könnte es sich bei Deinem Spektrum hierbei vielleicht um Artefakte handeln (insbesondere 0. Ordnungen anderer Sterne)? Bis auf diese Anomalien scheinen unsere Messungen gut überein zu stimmen.
Beste Grüße
Uwe