Hallo
Otmar,
Zitat:
Das ist im Prizip richtig. Es hängt davon ab, wie groß die Rotationsgeschwindigkeit ist. Bei schnell rotierenden Sternen sind aber i.a. andere Verbreiterungseffekte vernachlässigbar (außer bei den Balmerlinien).
Ab welcher Rotationsgeschwindigkeit ist es denn nicht mehr vernachlässigbar? Gibt es da einen Richtwert?
Zitat:
Bei der Emission spielt die Dopplerverbreiterung die Hauptrolle, bei der Absorption Druckverbreiterung und Dopplerverbreiterung, je nach Linie, Leuchtkraftklasse und Rotationsgeschwindigkeit. Die Balmerlinien bei B-Sternen sind ein Indikator für die Leuchtkraftklasse. Die instrumentelle Verbreiterung ist bei heißen Sternen i.a. nicht so wichtig, weil die Linien breit sind. Bei wirklich niedriger Auflösung gilt das aber auch nicht mehr. Bei kühlen Sternen kann das ganz anders aussehen, da die sehr schmale Linien haben können.
Ich habe einmal um v sin i zu bestimmen an ein paar Spektren die He I 6678 vermessen (allerdings ohne Fehlerbetrachtung!). Bei den Daten von mir mit R5500 habe ich Grundsätzlich zu hohe Werte. Hier scheint also die instrumentelle Verbreiterung schon eine Rolle zu spielen. Den Korrekturwert habe ich aber noch nicht ermittelt.
Bei kap dra mit meinem neuen Setup bei R9000 komme ich auf delta_lambda = 9/2 = 4,5 => 4,5/6678*299792= 202.016 Km/s
Die Daten aus BeSS sagen zu kap dra => vsini : 200 ±3 km/s.
Passt also ganz gut. Dazu habe ich einige weitere Daten aus BeSS vermessen und auch da bin ich innerhalb des angegeben Fehlers.
Allerdings ist dagegen die Emission breiter und würde überall höhere Werte ergeben. Damit müssen dort noch andere Effekte zur Verbreiterung eine Rolle spielen?!
Zitat:
Ja, das geht für die photosphärischen Linien ganz gut. Die Berechnung der Modelle ist aber kompliziert, auch weil die Berechnung der Atmosphäre eine Menge atomarer Daten erfordert. Hier
http://ccp7.dur.ac.uk/
gibt es Software und hier
http://pollux.graal.univ-montp2.fr/
berechnete Spektren - falls Du tiefer einsteigen willst.
Vielen Dank! Das ist sehr interessant. Ich kann noch nicht sagen, ob ich hier mal tiefer Einsteige. Dieser Thread ist mehr oder weniger für einen Überblick gedacht, was man mit den Daten so anfangen kann. Denn einfach nur tolle Spektren aufnehmen ist ähnlich spannend, wie den hundersten M42 mit der DSLR zu knipsen.
Wir wollen am Ende alles zusammenfassen und gucken, welche Methoden für uns Amateure am praktikabelsten sind. Danach ist zur Übung geplant, das alles auf die Nu Gem Daten von mir anzuwenden.
Günter,
Zitat:
das Ergebnis der unterschiedlichen Blickrichtung auf einen
Scheibenstern wird recht gut bei
http://adsabs.harvard.edu/abs/1988PASP..100..770S
erklärt.
Vielen Dank, das Paper hatte ich schon einmal überflogen.
Welche beigelegte Grafik meinst du? Ich kenne die Grafik aus Wikipedia (und habe das auch verstanden).
Das neue Review Paper kannte ich noch nicht! Das ist ja mal sehr cool!! Beim Überfliegen habe ich dort gelesen, dass es bei v sin i wohl auch noch andere Probleme, wie z.B. mit dem gravity darkening gibt, womit alle Werte systematisch zu niedrig sein sollen.
Auch bei der geometrischen Betrachtung der Scheibe gibt es noch viele Unsicherheriten.
Nebenbei nicht wundern, Malin ist Fahrradtourtechnisch im Moment unterwegs
Viele Grüße und CS
Christoph