Hallo,
Thomas und ich sind gerade dabei unser System (Newton-Teleskop + Spektromter) zu justieren.
Wir haben das Gesamtsystem justiert, den Newton mit den üblichen per Auge Verfahren, allerdings ohne weitere Hilfsmittel wie Laser, da wir einen Hauptspiegel mit einer Bohrung haben. Am Stern haben wir den Newton alleine nicht überprüft weil die Ausrichtung des Newton-Okularauszuges und des Spektrometer sowieso nichts miteinander zu tun haben müssen. Also justierten wir mit aufgesetztem Spektrometer und schauten uns ein Objekt auf den reflektieren Spaltbacken an.
Bei den ersten Stern-Tests stellte sich heraus, daß der Fokus auf dem Spalt jedoch recht unförmig war. Darum habe ich das Spektrometer abgenommen und mir mal den Fokus des Newtons mittels einer einfachen Sternfeldaufnahme mit der Alpha-Maxi angeschaut. Die beiliegende Aufnahme "Sternfeld.jpg" zeigt die Belichtung. Eine erste Grobanalyse ergab viel zu große Sterndurchmesser (FWHM), etwa 7-9 Bogensekunden, in unserem Fall etwa 45 bis 55 mü. Damit bekommen wir keine gute spektrale Auflösung. Nach einer Umskalierung der Aufnahme (logarithmisch) konnte man eine Feinstruktur des Fokus feststellen ("Sternfeld_log.jpg"). Mit ein wenig zoomen kann man die Struktur noch deutlicher machen ("Fokus.jpg").
Natürlich denkt man bei so einem Fokus direkt an Koma, die eigentlich nur durch eine schlechte Justierung des Newtons zustande kommen kann. Aber der helle Kern des Fokus hat die Form einer Schwalbe, die eigentlich nicht so Koma-typisch ist. Darum wollte ich es mal genau wissen und erinnerte mich an ein Excel-Tool, das ich vor einiger Zeit mal im Internet gefunden hatte. Mit dem Progrämmchen kann man den Fokus eines Parabolspiegels rechnen, wenn man Off Axis beobachtet und/oder einen Fokus Offset hat (
http://www.fvastro.org/presentations/ray_tracing.htm).
Zusätzlich sollte ich erwähnen, daß wir vor kurzem eine Verspannung des Cassegrain-Sekundärspiegels durch die Spiegelzelle entdeckt haben, die uns den Cassegrainfokus in ein Kotelett verwandelt hatte. Wir hatten daher natürlich auch den Newton-Fangspiegel unter Verdacht an einer ähnlichen Krankheit zu leiden.
Um herauszufinden, ob der beobachtete Fokus durch reine geometrische Optik zustande kommt, sollte nun also das Excel-Tool dazu Antwort geben. Also kurz unsere Parameter eingegeben und schon hatte ich nach ein wenig Ausprobieren, wenigstens qualitativ, unseren beobachteten Fokus ("Newton-Fokus_gerechnet.jpg").
Das Programm gab mir die Auskunft, daß wir etwa 100 - 200 mü außerhalb des Fokus sind und zusätzlich mit dem Stern 5 - 8mm außerhalb der optischen Achse. Da mir die letzte Angabe sehr groß erscheint, möchte ich diese Modell-Rechnung nochmal mit einem anderen Optikprogramm überprüfen. Wenn die Zahlen stimmen, müsste bei der Justage irgendwas völlig daneben gegangen sein. Die "Schwalbe" kommt dabei übrigens durch die Überlagerung der beiden Effekte Off-Axis und Fokus-Offset zustande.
Udo, könntest Du darum bitte mal unseren 12,5", F/4-System mit Deinem Programm rechnen und schauen, ob Du ähnliche Ergebnisse erzielst !? Vielen DANK dafür !
Jedenfall habe ich dabei mit dem oben erwähnten Excel-Programm gelernt, das wir den Fokus mindestens auf +-60-80mü (je nach Seeing) treffen müssen um ordentlich durch den Spalt zu kommen. Die Justierung des Newtons muß so erfolgen, daß wir auf wenigstens +-1,5mm die optische Achse (d.h. auch den Spalt) treffen. Dabei müssen die optischen Achsen
von Teleskop und Spektrometer parallel sein. Dazu brauchen wir ein Meßwerkzeug. Der Laser fällt wegen unseres Cassegrain-Spiegels aus.
Was haltet Ihr eigentlich von dem GMK-Kollimator ? Hat jemand Erfahrungen mit diesem Gerät gemacht ? Jedenfalls könnte man damit im Prinzip auf der Spektrometergrundplatte den Newton kollimieren und hätte für die Parallelität der optischen Achsen gesorgt.
Viele Grüße,
Klaus