Anmerkung des Admins:
Dieser Thread wurde aus folgender Diskussion abgezweigt:
http://spektroskopie.fg-vds.de/forum/vi ... .php?t=103
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Hallo,
zur Frage des "wahren" Fehlers von uns gemessener EW's:
Im Rahmen der Vorbereitungen zu einer Veroeffentlichung meiner epsilon
Aurigae-Beobachtungen habe ich versucht, die realen Fehlerbereiche meines
Systems aus "Apparatur, Reduktionsmethodik und Lothars Gewohnheiten" aus
(hoffentlich) zeitstabilen photospaerischen schwachen Absorptionslinien von
eps Aur zu bestimmen.
In der Anlage findet ihr eine pdf-Datei, darin die Tabelle 2. Die
dahinterliegenden Messungen decken ueber 1,5 Jahre ab. Es sind 6 Linien
betrachtet. "Castelli" bezieht sich auf eine Veroeffentlichung der
Aequivalentbreiten der Linien und ELODIE auf ein Referenzspektrum in ELODIE,
aus dem ich die EW mit meiner Reduktionstechnik integriert habe. Die
Castelli-Werte sind also ganz unabhaengig von meinen "System", bei den
ELODIE-Werten ist nur die Messung des nicht-normierten Spektrums unabhaengig
von mir, die Normierung und die EW-Integration decken sich mit der Methodik
an eps Aur. Unter der Spalte measurements sind die Daten zu den EW's
aufgelistet, die aus meinen selbst gemessenen Spektren stammen:
Durchschnittswert (average), die Standardabweichung des Kollektivs aus
Messwerten der EW's und die Kollektivstaerke (Anzahl der in der betreffenden
Linie ausgewerteten Spektren). Die Standardabweichung liegt typischerweise
unter 0,03 Angstr. Die Differenzen meines Mittelwerts zu den Castelli-Werten
bzw. den aus dem ELODIE-Spektrum ermittelten EW's liegen unter 0,1 Angstr.,
meist im Bereich unter 0,03 Angstr. Gegenueber Castelli ist auch ein
systematischer Trend zu sehen, ich finde durchweg weniger wie Castelli
(negative Differenzen in der letzten Spalte).
Insgesamt kann ich zufrieden sein. Der Vertrauensbereich meiner Messungen an
(relativ schmalen, schwachen) Linien scheint besser als 0,1 Angstr. zu sein.
Warum zeige ich das? Jeder kann sich auf diese oder aehnliche Weise von der
eigenen (absoluten) Messqualitaet ueberzeugen und damit gegenueber anderen
Personen die Messgenauigkeit glaubwuerdig belegen. Man kann sich damit auch
systematisch verbessern, in dem man durch geeignete Massnahmen die Latte
immer hoeher legt und den (Miss)Erfolg kontrolliert.
Viele Gruesse an alle, die das lesen
Lothar
Am Montag, 18. Dezember 2006 16:07 schrieb Thomas Eversberg:
Zitat:
Hallo zusammen!
Zitat:
Die rein statistischen Fehler sind mit Vorsicht zu genießen, da die
Subtraktion der photosphärischen Linie bei diesen Messungen
die größte Fehlerquelle sein dürfte. Zumindest ist zu erwarten, dass
diese Subtraktion leicht systematische Abweichungen verursachen kann. Es
wäre daher gut, auch Messungen ohne diese Subtraktion zu vergleichen.
Das stimmt. Allerdings verlieren die statistischen Fehler damit natürlich
nicht ihr Wichtigkeit und sind somit nicht mit Vorsicht zu genießen. Wir
hatten dazu ja schon in Sonneberg eine Diskussion beim Kaffee. Dabei wurden
Messungen an Standardsternen mit konstanter EW vorgeschlagen. Ich halte das
für besser, als Messungen von variablen Linien gegenseitig auszutauschen.
Der systematische Fehler lässt sich m.E. nur durch eigene wiederkehrende
Beobachtungen über einen langen Zeitraum (~Monate - Jahre) eruieren. Das
ist Mühsam aber eigentlich kein Problem. Daher habe ich zumindest zu
Ernst's Daten in dieser Hinsicht ein solides Vertrauen. Der kennt sein
Instrument doch fast so gut wie seine Frau... [Laughing]
Gruss, Thomas